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Das Sumbel
Das Sumbel


Das Sumbel war ein ritueller Umtrunk bzw. ein rituelles Trinkgelage. Es wurde stets im Haus veranstaltet und war eine ernsthafte Veranstaltung, die einem strengen Ritus folgte, bei dem die mystische Gemeinschaft der Feiernden mit den Göttern und Ahnen erlebt wurde.

In etwa lief ein Sumbel so ab:
Es wurde von dem Sumbelgeber (symbelgifa) eröffnet, geleitet und beendet. In der Mitte der Teilnehmer befand sich ein Kessel, der mit Met oder Ael gefüllt war. Nach der Weihe des Kessels wurde ein Trinkhorn mit dem Trank aus diesem Kessel gefüllt. Anschließend kreiste dieses Trinkhorn unter den Teilnehmern des Sumbels, wobei es von einer Schankmaid (zumeist der Ehefrau des Sumbelgebers) weitergereicht und bei Bedarf aufgefüllt wurde. In der ersten Runde erfolgte durch das Äußern von Trinksprüchen ein Minnetrinken auf die Götter. In der zweiten Runde gedachte man der verstorbenen Angehörigen. Während der dritten und den folgenden Runden wurden von den Teilnehmern Eide geschworen, Gelübde abgelegt und Lieder oder Gedichte zum Besten gegeben.
Essen und anderweitige Festlichkeiten waren vom Sumbel getrennt. Es wurden auch keinerlei Trankopfer den Göttern im Rahmen des Sumbels dargebracht. Eide, die man beim Sumbeln schwor, wurden als bindend betrachtet, da sie das Schicksal aller Sumbelteilnehmer beeinflussen konnten.
In der Kultur der Wikinger war das Schwören von Eiden auf das während eines Umtrunkes kreisende Horn des Häuptlings ein integraler Bestandteil festlicher Anlässe. In den skandinavischen Sagas wird im Zusammenhang mit einem Sumbel oftmals von einem Trinkgefäß berichtet, das als bragarfull bezeichnet wird. Der Begriff bragar- oder bragafull kann als "Schwur" oder "Häuptlingsbecher" oder "Bester Becher" übersetzt werden.

So heißt es in der Heimskringla:
... Feuer waren in der Mitte des Tempelflurs angezündet und Kessel sollten darüber sein, und man sollte die vollen Becher über das Feuer hin reichen. Der Veranstalter und Leiter des Festes (der Gode) aber sollte die Becher segnen. Zuerst sollte man den Odinsbecher für den Sieg und die Herrschaft seines Königs trinken, und dann die Becher des Njörd und des Frey für fruchtbares Jahr und Frieden. Danach pflegten manche Männer den Bragi-Becher (bragafull) zu trinken. Man trank auch Becher auf seine Verwandten, die schon im Grabe lagen, und diese nannte man Gedächtnisbecher (minni) ...


Siehe auch: Die Trinksitten der Nordmänner

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

Ich schrieb einmal einen etwas "poetischen" Text über das Sumbel - sozusagen als eine Art Einleitung für unsere Blots.
Vielleicht erklärt er denen, die diesen Brauch noch nicht kennen, das Geschehen ein wenig näher.
Fjoelnir



Sumbel

Noch ruht die Stätte, schweigt der Wald in der Dunkelheit.
Inmitten des Kreises der Tafel glimmt die rote Blume des geheiligten Feuers.
Nicht, um mit wabernden Lohen zu verschlingen und zu vernichten 
- doch erwartungsvoll des Kommenden.
Bereit, mit Licht die Gedanken zu erhellen
und mit Wärme die Körper zu bewahren.
Schritte werden laut und Stimmen hörbar.
Menschen treten herbei, setzen sich nieder in der Runde.
Zeichen des Kreises - weihevoller Ring ohn Ende und Anfang.
In ihm gibt es kein höher oder tiefer, keine Freien oder Sklaven.
Durch ihn werden alle gleich.
Das Feuer lodert hoch, von neuem entfacht.
Ein Horn wird gefüllt mit dem heiligen Met; gesegnet wird es weitergereicht.
Die Gemeinschaft beginnt.
Worte werden laut - manche wohlersonnen und voller Tiefe, 
andere schlicht und doch auch sie nicht entbehrend der Weisheit.
Weisen erklingen, erzählen von hehren Heldentaten. 
Lieder erschallen, wecken Fröhlichkeit.
Stunden verstreichen wie im Fluge.
Das Feuer wird gelöscht, alle suchen die Ruhe der Nacht.
Der Wald schweigt in der Dunkelheit - Friede allen

Es sucht der Götter Schar
nach Dienern nicht, noch Sklaven.
Freiheit des Menschen ist ihr Ziel,
nicht falsche Demut, die ihm aufgezwungen.
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