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Aengus Óg und die schöne Caer Ibormeith
Aengus Óg und die schöne Caer Ibormeith

Caer Ibormeith war die irisch - keltische Göttin des Schlafes, des Traumes und der Liebe.
Oft nimmt sie die Gestalt eines Schwanes an und schwimmt
geschmückt mit goldenen und silbernen Ketten
auf dem See Dragon´s Mouth.

Aengus Óg war in der irisch - keltischen Mythologie der Gott der Liebe und ewigen Jugend.
Vier Vögel - deren Gesang bei allen, die ihnen zuhörten Verliebtheit hervorrief - umkreisten seinen Kopf.

Der Mythologie nach hatten diese beiden Gottheiten ein inniges Verhältnis, dass als Sage überliefert wurde:


Der Traum des Aengus
Die Sage von Aengus Óg und der schönen Caer Ibormeith (Eibenbeere)


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/aegnus_ogg.jpgSelbst ein Sohn der Túatha Dé Danann kann sich schrecklich verlieben. So erging es Aengus. Er war jung, kräftig, gut aussehend, ein erprobter Krieger, und man hätte nicht geglaubt, dass ihm so etwas leicht zustoßen würde. Aber eines Nachmittags, als er auf der Jagd war, überfiel ihn plötzlich eine tiefe Müdigkeit, und er streckte sich aus, um im Gras in dem Schatten zu schlafen, den ein paar Eiben spendeten. Er schlief sofort ein, und dann träumte er. Oh, wie er träumte! Und in seinem Traum war sie da: eine Frau, so schön, dass sie selbst die Sterne am Himmel verblassen ließ. Eine Frau, die einem das Herz zerriss. Er sah, wie sie barfuss an einem einsamen Strand entlangging, hoch gewachsen und mit gerade Haltung, ihre Brüste, wo sie sich über die dunklen Falten ihres Gewand hoben, weiß wie Mondlicht auf Schnee, ihr Haar wie Buchenblätter im Herbst, vom hellen Rotgold polierten Kupfers. Er sah, wie sich bewegte, die süße Verlockung ihres Körpers, und als er aufwachte, wusste er, er musste sie haben oder er würde sterben.

Auf diese Weise litt Aengus ein Jahr und ein Tag. Jede Nacht hatte er Visionen von ihr, manchmal erschien sie an seinem Bett, nu in dünnsten weißes Tuch gekleidet, und war so nah, dass er sie beinahe hätte berühren können. Er stelle sich vor, wenn sie sich über ein beugte, dass er die Berührung ihres langen Haars auf seinem nachten Körper spürte. Aber wenn er die Hand ausstreckte, war sie sofort verschwunden. Er war zerfressen von Sehnsucht nach ihr, und er bekam ein Fieber, und sein Vater, der Dagda, fürchtete um sein Leben oder zumindest doch um seinen Verstand. Wer war sie? War diese Frau echt oder ein Geschöpf, das Aengusaus der Tiefe seines Geistes heraufbeschworen hatte und das er nie im Leben besitzen konnte?
Aegnsu war dem Tode nah, sein Körper verbrannte, sein Herz klopfte wie eine Trommel, die zum Kampf ruft, seine Augen glühten vor Fieber. Also bat der Dagda den König von Munster um Hilfe. Sie suchten im Osten, im Westen und auf allen Straßen und Seitenstraßen von Erin, und schließlich erfuhren sie den Namen des Mädchens. Sie hieß Caer Ibormeith - Eibenbeere -, und sie war die Tochter eines gewissen Eathal, eines Heeren der Túatha Dé, die in der Provinz Connacht an einem Ort der Anderwelt lebten.
Als man Aengus dies berichtete, erhob sich der junge Mann von seinem Krankenbett und machte sich auf, um sie zu finden. Nach einer langen Reise erreichten er einen Ort, den man Drachenmaul nennt, den See, an dessen abgelegenem Ufer er seine Geliebte zum ersten Mal erblickt hatte. Er wartete dort drei Tage und drei Nächte, aß und trank nicht, und endlich kam sie, ging barfuss am Strand entlang, wie er sie in seiner Vision gesehen hatte, ihr langes Haar wurde vom Seewind um sie herumgepeitscht wie Locken aus lebendigem Feuer. Seine Begierde drohte ihn zu überwältigen, aber es gelang ihm, sich ihr höflich zu nähern, und er stellte sich ihr vor.
Das Mädchen Caer Ibormeith trug einen Silberreif um den Hals, und nun sah er, dass eine Kette sie mit einem anderen Mädchen verband und wieder mit einem anderen, und um den ganzen See gingen dreimal fünfzig junge Frauen, die miteinander durch Silberketten verbunden waren. Als Aengus Caer bat, die seine zu werden, als er von seiner Sehnsucht nach ihr sprach, glitt sie so lautlos davon, wie sie erschienen war, und die anderen mit ihr. Von allen war sie die Größte und Schönste gewesen. Sie war tatsächlich die Frau seines Herzens.
Danach ging der Dagda zu Caers Vater nach Connacht und verlangte, die Wahrheit zu hören. Wie konnte sein Sohn Aengus diese Frau für sich gewinnen, da er ohne sie zweifellos nicht leben konnte? Wie warb man um ein solch seltsames Geschöpf? Eathal wollte ihm nicht helfen, aber schließlich gab er unter einigem Druck nach. Die schöne Caer, sagte ihr Vater, hatte sich dafür entschieden, jedes zweite Jahr als Schwan zu verbringen. An Samhain würde sie ihre Vogelgestalt wieder annehmen, und an dem Tag , an dem sie sich veränderte, musste Aengus sie zu sich nehmen, denn um diese Zeit war sie am verwundbarsten. Aber er musste auch darauf vorbereitet sein, warten Eathal, einen Preis dafür zu zahlen.

Es geschah, wie Eathal gesagte hatte. Am Samhainabend kehrte Aengus zurück zum Drauchenmaul, um dort am Strand befanden sich dreimal fünfzig wunderschöne Schwäne, jeder mit einem Kragen aus gehämmertem Silber. Dreimal fünfzig und einer, denn er wusste, dass der Schwan mit dem stolzesten Gefieder und dem längsten, anmutigsten Hals seine reizende Caer Ibormeith war. Aengus ging zu ihr und fiel vor ihr auf die Knie, und sie legte ihren Hals an seine Schulter und spreizte die Flügel. In diesem Augenblick spürte er, wie er sich selbst veränderte. Ein Beben ging durch seinen Körper, von den Zehenspitzen bis zum Haar auf seinem Kopf, vom kleinsten Finger bis zu einem heftig klopfenden Herzen, und dann sah er, wie auf seinen Armen schneeweißes Gefieder wuchs, und sein Blick wurde klarer und reichte weiter als je zuvor, und er wusste, dass auch er zum Schwan geworden war.
Sie flogen dreimal um den See und sangen ihre Freude heraus, und so schön war ihr Lied, dass es noch Meilen entfernt vom See alle in friedlichen Schlaf versetzte. Danach kehrte Caer Ibormeith mit Aengus nach Hause zurück, und die Geschichte berichtet nicht, ob sie das in Gestalt von Mann und Frau oder als zwei Schwäne taten. Aber es heißt, wenn man am Samhainabend zum Loch Béal Dragan geht und in der Abenddämmerung sehr still am Ufer stehen bleibt, kann man ihre Stimme hören, draußen im Dunkeln über dem See. Und wenn man dieses Lied einmal gehört hat, wird man es nie mehr vergessen, nicht so lange man lebt...

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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