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Winterschlacht
Winterschlacht

Die Luft ist eisig fast schon heiß,
Frowe Huldas Federn leuchten weiß,
die von ihr geschüttelt in Asgards Hallen,
als Schnee leis' hier auf Midgard fallen.

Auf Fußbrettern aus Donars Holz,
Fro Uller gleitet umher voll Stolz
und wirbelt auf die weiße Pracht,
die seine Mutter hatt' gebracht.

Alles wird sauber, rein und leis'
und blau blitzt allerorts das Eis.
Das Ur brüllt hallend dort im Wald,
der Wölfe Heulen traurig schallt.

Der schwarze Keiler steht und wittert,
die Hirschkuh hinter den Birken zittert.
Die Schneezeit ist für sie arg schlimm,
denn alles jagt sie voller Grimm.

Der schnelle Luchs, der Wolf, der Bär
und auch der Jäger mit dem Ger.
So steht sie da, äugt hier, äugt dort
und wünscht' sich Ullers Zeit rasch fort.

Sie wartet auf Sunnas Strahlen heiß,
die vertreiben Frowe Huldas Weiß,
auf daß der Wald grünt wieder dicht,
denn kahle Zweige schützen nicht.

Der Raben Ruf hallt durch den Gau,
unheimlich klingt ihr Krächzen rauh.
Hinter Wolken verschwindet Sunna da
und die dunkle Zeit der Nott ist nah.

Ihr Sohn Dagr ist bald fort,
nimmt Sunna mit an andern Ort.
Wolkenberge hoch sich türmen,
eisiger Wind beginnt zu stürmen.

Eispfeile schießen durch die Nacht,
Bäume bersten, daß es kracht.
Jötunheims Tore gehen auf
und Riesen entströmen dort zuhauf.

Verwüsten Midgards weiße Gauen,
in Asgard sieht man dies mit Grauen.
Von Thors Mjölnir wohl behütet,
sehn zu die Asen wie’s auf Midgard wütet.

Dann spannt Thor die Böcke vor,
lenkt seinen Wagen zu Asgards Tor,
auch Odin verläßt voll Zorn Walhall,
zu bringen der Riesen Wut zu Fall.

Auf Sleipnirs Rücken reitet er,
über Bifröst neben Thor einher.

Über die Götterbrücke dann,
gelangen sie in Midgard an.
Sie stellen sich den Riesen dort,
auch Uller kommt zu diesem Ort.

Den Riesen stellen sie sich mit Macht,
in Midgards Wäldern tobt die Schlacht.
Riesen und Asen dort wüst hausen,
Sturmwinde durch die Wälder brausen.

Mensch und Getier versteckt sich bange,
als wüte dort die Midgardschlange.
Es jault und heult, es dröhnt und blitzt,
vor Anstrengung selbst Thor stark schwitzt.

Der Riesen Übermacht ist groß,
nur seine Kraft rettet in bloß,
auch Odins Runen-Ger glüht stark,
er fährt den Riesen durch ins Mark.

Und Ullers Pfeile gehn nie fehl,
bringen manch Riesen hinab zur Hel.
Doch der Riesen sind es viel
und sie haben nur ein Ziel.

In diesem Schneesturm eisig kalt,
Sieger zu bleiben hier im Wald.
Mit ihren schweren Eisenstangen,
bringen sie Odin arg zum Bangen.

Der schaut sich um - doch Thor ist weit,
auch Uller fehlt die rechte Zeit,
Allvater beizustehen nun,
das muß Odin wohl selber tun.

Er hebt den Ger, die Runen glühn,
man sieht einen Blitz gen Asgard ziehn.
Dann grollt ein Donner - Asathors Hammer
und laut klingt des sterbend Riesen Jammer

In Asgard sieht man das Zeichen gut
und rüstet auf geschwind voll Mut.
In seiner Hand, die unversehrt,
hält fest Gott Tyr sein mächtig Schwert.

An seinem Armstumpf hängt der Schild,
den Arm fraß einstens Fenrir wild.
Fro Ing ergreift sein kämpfend Schwert,
das allein ist tausend Krieger wert.

Selbst Baldr - lichter Sohn der Asen,
beginnt vor Zorn schon fast zu rasen.
Gerüstet sind auch die Walküren,
die sonst Krieger nach Walhall führen.

Gemeinsam ziehen sie nach Midgard,
wo die Schlacht tobt wild und hart.
Das gesamte Asenheer
fällt jetzt über die Riesen her.

Diese kommen jetzt arg in Not,
verletzt sind viele und auch tot.
Zur Hel fahren sie rasch hinab
und finden dort ihr dunkles Grab.

An Sieg ist jetzt nicht mehr zu denken,
gen Jötunheim die Flucht sie lenken.
Die Asen folgen ihnen nach,
bringen den Riesen Tod und Schmach,
bis Jötunheims Tore fallen zu,
auf Midgard herrscht nun wieder Ruh.

Die Zeit der Nott ist fast vorbei,
die Menschen atmen wieder frei.
Mit Sunna kommt Dagr dann schon,
jagt jeden Nachtalp rasch davon.

Kein Sturm braust mehr durch Midgards Wald
und auch die Donner sind verhallt.
Stille legt sich über das Land,
jetzt wo die Riesen sind verbannt.

In Midgards Wäldern, Auen, Wiesen
liegen als Felsen tote Riesen.
Sie sind die Mahnung an die Spötter,
nicht zu zweifeln an der Macht der Götter.

Doch der Fimbulwinter kommt bestimmt,
dann aller End den Anfang nimmt.
Dann folgt die allerletzte Schlacht
in Asgards Weiten voller Macht.

Dann sterben Asen, Riesen, Wanen
und kehren heim zu ihren Ahnen.
Midgard vergeht dann schnell in Not
und erst wenn alles Leben tot
endet der Fimbulwinter bald
dann wird es warm wo es war kalt.

Dann öffnet sich das Tor von Hel,
es kehrt zurück der Gott ohn' Fehl.
Er allein wird herrschen dann
über die Welt, die neu begann.

Ein Gott der starb durch Lokis List
und vor der letzten Schlacht bei Hel schon ist.
Dieser Gott wird Baldr sein,
der dann herrscht im lichten Schein,
über die Welt, die Midgard genannt
und die ihr eisig Ende fand.

Dann wird wie es die Nornen spinnen,
der ewig Frieden wohl beginnen.
Doch bis dahin herrscht Odin noch,
mit seinem gnadenlosen Joch.

Er wird weiter für Kriege sorgen,
um sich Krieger, die tot, zu borgen.
Für die letzte Schlacht der Welt
braucht Odin jeden tapf'ren Held.

Denn er versucht es abzuwenden,
doch trotzdem wird einst alles enden.
Das Ragnarök kommt ganz bestimmt,
dann alles sein grausig Ende nimmt!

Doch bis dahin herrschen sie in Asgards Hallen,
die Asen bis Heimdalls Horn wird schallen,
bis Goldkamm, der Hahn, wird lauthals krähn
und alles wird zu Ende geh’n.

Dann kommt die letzte Winterschlacht
und auch das End der Asenmacht.

(von Holger Ulfsson)


Vieh stirbt, Freunde sterben, ebenso stirbt man selbst. Was übrig bleibt ist der Tatenruhm
den man sich ehrenvoll erwarb und von dem die Skalden künden.
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