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Die Suche
Die Suche

Gram ums Herz, an fremden Ort
hört‘ ich eines Skalden Wort.
Er liebt’ eine Jungfer, heiß und innig,
die Zeit mit ihr war süß und sinnig.
doch einstens dann – da war sie fort,
kein Wort, kein Zeig‘ an irgend Ort.


So fragt‘ er hin und fragt‘ auch her,
doch niemand wußte darob mehr.
Er wartete noch manchen Tag,
sich quälend – wo sie nur sein mag.
die Brust, sie ward ihm klamm und eng,
dies Schicksal traf ihn doch zu streng.


Nach Wochen nahm er, was ihm blieb,
schlich Nachts davon, als wie ein Dieb,
zu finden seine Liebste wieder,
von dieser Such‘ gibt’s viele Lieder.
Denn was, frag ich , könnt schlimmer sein,
zuerst verliebt – dann ganz allein!?


So zog er aus in jener Nacht,
zu trotzen seines Schicksals Macht.
Von Ort zu Ort, vom Berg zum Fluß,
fand er nichts weiter, als Verdruß.
Manch‘ Fehde mußte er besteh’n,
viel Unglück, Leid und Kämpfe sehn.


In dieser Welt, so kalt und rauh,
nur überlebt, wer stark und schlau.
Doch die bestand’nen Gefahren dann,
formten ihn zum tapf’ren Mann.
Nur seine Seele war betrübt,
weil er nicht fand, was er geliebt.


Sein ganzes Leben suchte er,
für ihn gab es nichts andres mehr
Er sah die Welt von Nord nach Süd,
Kein Ort, den er aus Furcht je mied.
Allein – es hat ihm nichts gebracht,
ist immer einsam aufgewacht.


Jetzt saß er da – ein alter Mann
und ich hört‘ mir sein Lied dort an.
Voll Sehnsucht und Trauer klang die Mähr,
ich sah’s ihm an – er litt so sehr.
Ich saß dort still, in mich versunken,
die leise Stimm‘ machte mich trunken.


Und plötzlich, da verstummte sie,
ich wußt‘ nicht wann und wußt‘ nicht wie
So ruhig und still war’s in dem Raum,
so friedlich wie in einem Traum.
Ich hob den Kopf und sah umher,
was ich dort sah, berührt‘ mich sehr.


Dort stand der Skalde, in grauem Loden,
die Laute lag vor ihm am Boden.
Vor ihm stand eine alte Frau,
Tränen im Aug‘ – die Haare grau.
Und auch der Skalde weinte leise,
er war am Ziel der langen Reise.


Denn diese Frau dort, glaubt es mir,
war seine Lieb‘ – die Such‘ galt ihr!
Ihr war, ich hab‘ hernach erfahren,
Schlimmes gescheh’n in all den Jahren.
Entführt – als Sklavin dann verkauft,
während er sich sein Haar gerauft,
konnt‘ sie ihm keine Nachricht bringen,
hofft‘ nur seine Lieb‘ würd‘ nie verklingen.


Wieder verkauft, verspielt, verschenkt –
ihr letzter Herr wurde gehenkt.
Und als sie glaubte frei zu sein,
fingen andre sie doch wieder ein.
Zum Schluß dann landete sie Hier,
verkaufte Wein und zapfte Bier.


Ihr Herr, der Wirt, war sanft und gut
und schenkte ihr auch wieder Mut.
Ihr Liebster war ihr tief im Herzen,
doch dachte sie mit großen Schmerzen,
er hätt‘ vergessen sie schon lang,
ahnte nichts von der Suche bang.


So ward sie denn des Wirtes Weib,
es ging ihr gut an Seel‘ und Leib.
Und als ihr Gatte dann verstorben,
wurde sehr viel um sie geworben.
doch sie hat immer „Nein“ gesagt,
war immer tapfer – nie verzagt.


In der Taverne war sie nun zu Haus
und machte auch das beste d’raus.
Den Liebsten hat sie nie vergessen,
hat nächtens oft allein gesessen
und an die Jugendzeit gedacht,
wo ihr das Glück so hold gelacht.


Und dann kam sie in diesen Raum,
ihr schwindelte – sie glaubt‘ es kaum.
Als sie die Stimme hat vernommen,
sah sein Gesicht, von Trän‘ verschwommen.
Auch sah er sie, verstummte still,
sprang auf, während die Laute fiel.


Sehr lange standen sie dann dort
und es war still, es fiel kein Wort.
Endlich ein Schluchzen – das Versteh’n,
Ich war dabei, als sie sich fanden,
weit von oh glaubt es mir – es war so schön.
zu Haus, in fremden Landen.


Er blieb bei ihr – ging nie mehr fort,
die Taverne ward ein froher Ort.
Er sang nur noch die lust’gen Weisen,
kehrt’ ich dort ein, auf meinen Reisen.
Sie lebten dort noch viele Jahr‘,
glücklich zusammen, das ist wahr.


Und sind sie heut‘ auch schon gestorben,
ihre Leiber längst verdorben –
steig‘ ich ins Tal dort gern hinab,
wo ich das Wunder gesehen hab‘,
welches die Liebe schenken kann,
einer Frau und ihrem Mann.


Dieses kleine Dörfchen dort,
für mich ist das der schönste Ort.
Und führt die Reise mich dort hin,
kommt mir sein Lied stets in den Sinn.
Ihr Leben war so schwer – so hart,
der Lebensabend schön und zart.


Und fahre ich einst ins Grab hinein,
möcht‘ wie der Skalde ich glücklich sein.

(von Holger Ulfsson)

Vieh stirbt, Freunde sterben, ebenso stirbt man selbst. Was übrig bleibt ist der Tatenruhm
den man sich ehrenvoll erwarb und von dem die Skalden künden.
ásaheill og vana
ár og fríðr
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