Thema drucken
Sowilo und Wunjo - Die Runen im Hornung 20.01. - 20.02.
Über Runen wurden in den letzten Jahrzenten sehr viele esoterische Bücher geschrieben. Auch im Internet existieren viele Webseiten, in denen man etwas zur "Deutung" der Runen lesen kann. Manche lesen sich interessant, andere haben wenig oder gar kein Hintergrundwissen. Jeder scheint in den Runen etwas anderes zu sehen und vielleicht sind sie ja gerade deshalb so geheimnisvoll.

Ich möchte nicht bestreiten, dass unsere Vorfahren einen "Blick in die Zukunft" wagten. Ich bezweifele aber, dass sie dazu Runen verwendeten. Diese These ist in keiner historischen Quelle eindeutig belegt - auch im 20. Vers der Völuspa, dem ersten Lied der EDDA, ist von "Losen" die Rede und nicht eindeutig von Runen:

"Davon kommen Frauen, vielwißende,
Drei aus dem See dort unterm Wipfel.

Urd heißt die eine, die andre Werdandi:
Sie schnitten Stäbe; Skuld hieß die dritte.
Sie legten Looße, das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen, das Schicksal verkündend."


Die esoterischen Interpretationen der Runen sind mannigfaltig - eine davon möchte ich als abschreckendes Beispiel gerne hier vorstellen.
Hier wurde das ältere, "gemeingermanische Futhark" mit seinen 24 Runen verwendet bzw. entfremdet.

Die Auflistung der Runen entspricht nicht der üblichen und überlieferten Reihenfolge des Futharks, sondern einer frei erfundenen Zuordnung dem Jahreskreis entsprechend, beginnend im Frühjahr. Daraus ergibt sich eine Zuordnung von jeweils zwei Runen in jedem (Mond-) Monat.
Diese Variante soll es angeblich ermöglichen, die Aussagekraft der Runen leichter zu erfassen, weil sie so den "Kreislauf der Natur widerspiegeln".
Ich möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass dieser Interpretationsversuch der Runen kein altes, von unseren Vorfahren überliefertes Wissen, sondern eine unhaltbare Erfindung der Neuzeit und zudem ein klassisches Beispiel dafür ist, wie die Runen auseinander gerissen und ihrem mythologischen Kontext völlig entfremdet wurden.
Insbesondere bei dieser Variante wurde sehr geschickt, für den Runen-Neuling nicht erkennbar und für den Fortgeschrittenen irreführend gearbeitet.
Sie eignet sich lediglich dazu, sich "spielerisch" den Runen zu nähern - auf eine fragwürdige divinatorische Deutung der Runen möchte ich hier verzichten.


Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen esoterischen Ausführungen über die Runen und unsere Mythologie!



Sowilo


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/Sowilo.jpgBeschreibung:
Im Hornung herrscht der Gott Heimdall. Er ist der Wächter der Regenbogenbrücke Bifröst und der weißeste (lichteste) unter den Asen. Seine Rune ist die Rune Sowilo.. Sie bedeutet den Sieg des Lebens, nicht den Sieg im Kampf oder in einer Schlacht. Sie symbolisiert die Weitergabe des Wissens, ganz besonders die sensible, immaterielle Form der Wissensübertragung, die Erleuchtung, die Intuition. Die unmittelbare Zwiesprache mit den Göttern, den Runen, den Tieren, Pflanzen, Elementen, Ahnen ist damit gemeint. Sie ist eine kosmische Antenne zur Energieaufnahme göttlicher Kräfte von oben und damit von der Sonne. Sie bedeutet auch die "erhöhte Aufmerksamkeit" wie man sie im Alphazustand erlebt. Sie ist ein Zeichen für kosmisch-göttliche Energien, Intuition, Erfindergabe, Befruchtung mit neuen Ideen und Welten sind mit dieser Rune verbunden.
Die Idee des Rades als Träger der spirituellen Energie im Menschen ist weit verbreitet. In der indischen Tradition spricht man in diesem Zusammenhang von den Chakren, den feinstofflichen Energiezentren des menschlich Körpers. In diesen energetischen Wirbeln schlummert ein gewaltiges Potenzial, das es zu offenbaren und zu nutzen gilt. Sowilo verkörpert diese Kraft, die es uns ermöglicht, unsere Ziele mit Entschlossenheit und Willensstärke zu verfolgen und schließlich zu erreichen.
Manchmal begegnet uns die Sowilo- Rune auch in doppelter, gekreuzter Form. Dann symbolisiert sie das in vielen Kulturkreisen beheimatete Sonnenrad. Ihre Verkehrung ins Groteske erlebt diese ursprünglich mit positiver Bedeutung behaftete Rune während des Dritten Reiches, als Hakenkreuz zum Symbol des Nationalsozialismus missbraucht.



Wunjo


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/Wunjo.jpgBeschreibung:
Die weibliche Entsprechung des Gottes Heimdall sind die 13 Walküren, Odins Töchter und Wunschmaiden. Ihre Rune ist die Rune Wunjo und bedeutet Wonne und Wunscherfüllung im Bezug zur geistigen Höherentwicklung. Immer wenn wir die Berührung mit dem Göttlich-Höheren gewahr werden, werden wir in Begeisterung, Glückstaumel und Wonne versetzt, weil dann die göttlichen Energien in uns einströmen, die genau das auslösen. Damit ist die Liebe eng verbunden.
Die Walküren sind die (energetischen) "Ausbilderinnen" der Männer (u.a. Vermittlung der Runen), die sie nach der Erfüllung eines germanischen Kriegerlebens und damit nach dem Ende des Unterrichts in die Gefilde neuen Aufstiegs, Glanzes und Wonnen geleiten. Hier ist zu beachten, dass ein Kriegerleben nicht immer auf dem Feld mit Waffengewalt ausgetragen, sondern den allgemeinen "Lebenskampf" bedeutet, sowie die Bewährung, Treue, Tapferkeit, Fleiß und andere Tugenden.
Für die Frauen sind die Walküren die Vorbilder, denen sie nacheifern, um zwischen Himmel und Erde zu vermitteln. Darum ist die Rune Wunjo ein Zeichen des Aufstiegs, der Freiheit und der Selbstverwirklichung.

Bearbeitet von Siglinde Litilvoelva am 04-01-2016 15:52

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
Springe ins Forum:

6,098,972 eindeutige Besuche

Top Zum Seitenanfang