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Thurisaz und Jera - Die Runen im Julmond 22.11. - 20.12.
Über Runen wurden in den letzten Jahrzenten sehr viele esoterische Bücher geschrieben. Auch im Internet existieren viele Webseiten, in denen man etwas zur "Deutung" der Runen lesen kann. Manche lesen sich interessant, andere haben wenig oder gar kein Hintergrundwissen. Jeder scheint in den Runen etwas anderes zu sehen und vielleicht sind sie ja gerade deshalb so geheimnisvoll.

Ich möchte nicht bestreiten, dass unsere Vorfahren einen "Blick in die Zukunft" wagten. Ich bezweifele aber, dass sie dazu Runen verwendeten. Diese These ist in keiner historischen Quelle eindeutig belegt - auch im 20. Vers der Völuspa, dem ersten Lied der EDDA, ist von "Losen" die Rede und nicht eindeutig von Runen:

"Davon kommen Frauen, vielwißende,
Drei aus dem See dort unterm Wipfel.

Urd heißt die eine, die andre Werdandi:
Sie schnitten Stäbe; Skuld hieß die dritte.
Sie legten Looße, das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen, das Schicksal verkündend."


Die esoterischen Interpretationen der Runen sind mannigfaltig - eine davon möchte ich als abschreckendes Beispiel gerne hier vorstellen.
Hier wurde das ältere, "gemeingermanische Futhark" mit seinen 24 Runen verwendet bzw. entfremdet.

Die Auflistung der Runen entspricht nicht der üblichen und überlieferten Reihenfolge des Futharks, sondern einer frei erfundenen Zuordnung dem Jahreskreis entsprechend, beginnend im Frühjahr. Daraus ergibt sich eine Zuordnung von jeweils zwei Runen in jedem (Mond-) Monat.
Diese Variante soll es angeblich ermöglichen, die Aussagekraft der Runen leichter zu erfassen, weil sie so den "Kreislauf der Natur widerspiegeln".
Ich möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass dieser Interpretationsversuch der Runen kein altes, von unseren Vorfahren überliefertes Wissen, sondern eine unhaltbare Erfindung der Neuzeit und zudem ein klassisches Beispiel dafür ist, wie die Runen auseinander gerissen und ihrem mythologischen Kontext völlig entfremdet wurden.
Insbesondere bei dieser Variante wurde sehr geschickt, für den Runen-Neuling nicht erkennbar und für den Fortgeschrittenen irreführend gearbeitet.
Sie eignet sich lediglich dazu, sich "spielerisch" den Runen zu nähern - auf eine fragwürdige divinatorische Deutung der Runen möchte ich hier verzichten.


Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen esoterischen Ausführungen über die Runen und unsere Mythologie!



Thurisaz


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/Thurisaz.jpgBeschreibung:
Im Julmond herrscht der Gott Donar / Thor, erstgeborener Sohn Odins und als stärkster und größter unter den Asen Beschützer Götter und Menschen im Kampf gegen die zerstörenden Kräfte der Riesen. Seine Rune ist die Rune Thurisaz. Sie verkörpert Blitz und Donner und die transformierenden Kräfte des Feuers, welches reinigende und zerstörerische Kräfte in sich vereint. Sie symbolisiert die ungestüme Urgewalt, die alles, was die kosmische Ordnung zu stören droht, gnadenlos vernichtet. Hierbei geht es aber nicht um Gut und Böse im polarisierten Sinne, sondern um unseren inneren freien Willen und die tiefe Liebe zum Leben.
Als eine der mächtigsten Runen im Futhark wird sie gerne als Träger für magische Handlungen, aber auch als wirkungsvoller Schutz vor Angriffen jeder Art und zum „Versiegeln“ von Gegenständen oder Plätzen verwendet, die man vor fremden Einflüssen schützen möchte. Die altenglische Bedeutung „thorn“ umschreibt Thurisaz als (Schutz-) Dorn; in der Natur erfüllen Dornenhecken eine natürliche Schutzfunktion, die bereits von den Menschen in der Frühzeit angewendet wurde.



Jera


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/Jera.jpgBeschreibung:
Die weibliche Entsprechung des Gottes Donar / Thor sind die drei Schicksalsgöttinen, die Nornen Urd (Vergangenheit), Werdandi (Gegenwart) und Skuld (Zukunft). Sie drehen das Rad der Zeit und schaffen die Verbindungen alles Lebendigen.
Ihre Rune ist die Rune Jera. Sie zeigt die beiden Jahreshälften, die Im Julmond einander in den zwölf Rauhnächten berühren. Sie symbolisiert den Aufstieg und den Abstieg und das Ende jedes Kreislaufes an und versinnbildlicht damit das zyklische Prinzip von Enstehen / Sein – Werden / Vergehen zu neuem Entstehen.
Jera verkörpert auch die (geistige) Ernte, die Belohnung für ein arbeitsames, ehrenhaftes und den Gesetzen der Natur entsprechendes Verhalten der Vergangenheit. Das ist nicht im moralischen Sinn gemeint, hier geht es um Naturgesetze.
Jera verbindet das männliche und das weibliche Prinzip und vereinigt gegensätzliche Aspekte. Sie steht auch für Gerechtigkeit, kosmisches Recht und Karma; und je nach Fragestellung für Religion. Sie ist ein Zeichen für Höhere Gewalt und Götternähe.

Bearbeitet von Siglinde Litilvoelva am 04-01-2016 15:56

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
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