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Goldschmuck von Hiddensee
Goldschmuck von Hiddensee zu Gast in Berlin

upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/03/Stralsund%2C_KHM%2C_Hiddenseeschmuck_Kopie%2C_Detail_%282007-03-10%29.JPG/220px-Stralsund%2C_KHM%2C_Hiddenseeschmuck_Kopie%2C_Detail_%282007-03-10%29.JPGNur für kurze Zeit bis zum 18.3.2012 ist der wikingerzeitliche Goldschmuck von Hiddensee im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel im Original zu sehen.

Er zählt zu den schönsten und gleichzeitig geheimnisvollsten archäologischen Funden in Deutschland und wurde im 19. Jahrhundert auf der kleinen Ostseeinsel zufällig entdeckt. Seither befinden sich die sechzehn Schmuckteile aus der Wikingerzeit in der Obhut des Kulturhistorischen Museums der Hansestadt Stralsund.

Für die Besucherinnen und Besucher des Neuen Museums bietet sich seit gestern nun die seltene Gelegenheit, das außergewöhnliche Ensemble zu besichtigen. Es ist der Vorbote für eine umfangreiche Wikingerausstellung, die vom Nationalmuseum Kopenhagen, dem Britischen Museum London und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin geplant und 2013/2014 in Kopenhagen, London und Berlin präsentiert werden wird.

Am 22. März 1873 wurde der Hiddenseer Goldschmuck öffentlich bekanntgemacht. In einer kurzen Notiz berichtete die Stralsundische Zeitung über den schier unglaublichen Umstand, dass nach der verheerenden Sturmflut im November des Vorjahres in einem Garten auf Hiddensee ein "glänzendes Stück Metall" gelegen habe, das sich als Gold herausstellte. Und das exotische Fundstück blieb nicht allein: Bis zum Jahr 1874 kamen insgesamt 16 Einzelteile zu Tage, darunter eine Fibel, ein Halsring und 14 Anhänger. Alle Schmuckstücke bestehen aus reinem Gold und haben ein Gesamtgewicht von zusammen etwa 600g.

Die Fundumstände blieben mysteriös und ließen sich bis heute nicht abschließend aufklären. Offenbar waren die Schmuckteile vergraben gewesen, bis die Fluten das Erdreich weggespült und sie freigelegt hatten. Ältere Forschungen sowie aktuelle neue Untersuchungen haben bestätigt, dass der Schmuck um das Jahr 1000 in Südskandinavien angefertigt worden ist. Die aufwändige Goldschmiedetechnik, die inhaltsreiche Symbolik und das wertvolle Material unterstreichen seine damalige große Bedeutung.

Ursprünglich gehörte der Schmuck wohl der Familie des dänischen Königs Harald Gormsson. Harald, bekannt unter seinem Beinamen "Blauzahn", wurde um das Jahr 965 getauft und starb gegen 985. In seiner Regierungszeit schuf er ein beeindruckendes Denkmal: den Bildstein von Jelling in Jütland. Dort rühmt er sich in der Runeninschrift, dass er das Reich geeint und die Dänen zu Christen gemacht habe. Der Hiddenseer Goldschmuck ist somit ein einzigartiges Zeugnis für die herrschaftliche Repräsentation in einer Zeit des politischen und religiösen Umbruchs der nordischen Länder zwischen alten heidnischen Traditionen und neuen christlichen Glaubensvorstellungen. In den vergangenen Jahren war der Schmuck erneut Gegenstand eines umfangreichen wissenschaftlichen Forschungsvorhabens.


Quelle:
archaeologie-online.de

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

Der Hiddenseeschmuck - immer noch mit Rätseln behaftet

Der Goldschmuck von Hiddensee (Hiddenseeschmuck, Goldschatz von Hiddensee) ist ein Teil eines umfassenden Wikinger-Schmucks - von Grösse, Ausstattung und Material her sicherlich nicht der Schmuck eines schwedischen Bauernmädels. Er besteht aus fast 600 g nahezu reinem Gold und war ursprünglich noch viel umfassender.

Der erhaltene Teil des Schatzes besteht aus einem Halsring, zehn kreuzförmigen Anhängern, einer Scheibenfibel und vier Zwischengliedern. Die grösseren der Teile sind fast handtellergross!


Obwohl der Schmuck erst in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts gefunden wurde - vor weniger als 140 Jahren - sind die Umstände des Fundes geradezu mysteriös: Angeblich wurde der Schmuck bzw. die bis heute bekannten Teile nach einer Sturmflut am Strand von Neuendorf auf Hiddensee gefunden.

Nun könnte das ja vielleicht noch angehen, wenn der Schmuck in einem Stück, also vielleicht in einem Kasten oder einer Urne gefunden worden wäre.
Angeblich war den Hiddenseern das Glück aber wochenlang immer wieder treu: Über einen Zeitraum von 19 Monaten hinweg hat man - so wurde behauptet - immer wieder mal ein Stück gefunden - hier mal ein Kreuz im Sand, dort mal eines in einem Stück Eis eingefroren, mal habe es eine Kuh losgetreten und dann fand ihn ein Knabe, völlig freiliegend auf der Düne. Na, wenn das nicht glückliche Zufälle sind!

Ausserdem war der Halsring des Schmucks bei der Auffindung doppelt gebogen (sozusagen aufgerollt), woraus schon Rudolf Baier, der erste Direktor des Kulturhistorischen Museums in Stralsund 1880 den naheliegenden Schluss zog, dass der Schmuck vermutlich in einem Keramik-Gefäss mit einer etwa 8 cm grossen Öffnung vergraben worden ist. Aber sowohl Baier als auch sein Nachfolger Gummel glaubte wohl an die Einzelfunde und daran, dass die Schmuckteile tatsächlich lose im Sand gelegen haben.

Erst in jüngster Zeit deuten Claudia Hoffmann und Andreas Grüger vom Kulturhistorischen Museum in Stralsund am Rande und sehr vorsichtig an, dass die bisherige Fundtheorie nicht unbedingt stimmen muss: "Wenn man sich an Baiers Thesen orientiert, dann scheint festzustehen, dass der Goldschmuck auf der Insel Hiddensee ans Tageslicht kam. Dort war er wahrscheinlich ursprünglich vergraben oder in einem Binnensee versenkt worden." (Wikingergold auf Hiddensee, Hinstorff-Verlag 2010, S. 58).

Auf Seite 63 werden die Autoren dann dankenswerterweise etwas deutlicher: "Fraglich bleibt bis heute, ob der gesamte Schatz wirklich stückweise geborgen oder vielleicht doch auf einmal gefunden, dann aber Stück für Stück verkauft worden ist."

Denn realistischer scheint die Annahme, dass die Sturmflut genutzt wurde, um den wertvollen Fund - wer weiss, wie lange er schon von den findigen Inselbewohnern versteckt worden war - zu legalisieren. Für diese Annahme spricht auch, dass es gerade zu jener Zeit eine Veränderung des Strandrechts geben sollte, die eine Verwertung durch den Finder weiter erschwert hätte. Die Sturmflut bot sich also vielleicht als letzte Gelegenheit an, den Schatz als Strandgut zu deklarieren, an dem der Finder dann einen gewissen Anteil hatte. Diese Mechanismen wirken heute genauso, wie wir auf der Seite Hiddenseeschmuck und Schatzregal nachzuweisen versuchen.

Wir wissen also bis heute überhaupt nicht, wo der Schatz tatsächlich gefunden bzw. ausgegraben worden ist. Auf Hiddensee sicherlich und wohl auch bei oder südlich des letzten Dorfes. Ob aber tatsächlich beim Dorfe Neuendorf oder vielleicht viel weiter an der Südspitze, dem sog. Gellen - da können wir nur den Erzählungen der Finder glauben. Oder es sein lassen.

Es ist also leider völlig unklar, wie der Schmuck nach Hiddensee hingekommen ist und wieso er denn so einfach 'mal dort im Sand lag - nach ca. 900 Jahren. Denn dieser wunderbare und ausserordentlich wertvolle Schmuck stammt aus der Zeit der Wikinger (nach jüngeren Forschungen gilt es als sicher, dass der Schmuck um 970 gefertigt wurde), die damals sowohl friedliche Handelsbeziehungen, als auch kriegersche Auseinandersetzungen in die Nähe der Insel Rügen geführt haben.

Der dänisch-norwegische König Harald Blauzahn - eine seiner Frauen war wohl die Obotritenprinzessin Tove von Mecklenburg, also eine Slawin - wird gerne mit dem Schmuck in Verbindung gebracht. Er starb wahrscheinlich am 1.11.987 an einer Verletzung in oder bei Wollin (Wolin) - die Datierung würde also zum Herstellungszeitraum passen.

Der Historiker Lutz Mohr hält den Goldschatz von Hiddensee für einen Teil des Kronschatzes von König Harald Blauzahn.
Nicht zustimmen mögen wir Mohrs Annahme, dass der Schatz von den Gefolgsleuten Harald Blauzahns auf Hiddensee vergraben wurde, als sie den todgeweihten König nach der Niederlage vor Bornholm zur Jomsburg, deren Standort irgendwo im Bereich der Oder- oder Peenemündung vermutet wird, brachten.

Denn auch König Olaf I. Tryggvason, der erste christliche König Norwegens käme als Eigentümer in Frage. Er starb vermutlich am 9.9.1000 in der Seeschlacht von Svoldr

Da die genauen Fundumstände nicht mehr rekonstruiert werden können, wird die Herkunft des Schmuckes wohl im Dunkeln bleiben - es sei denn, dass das Gefäss (vermutlich lagerte der Schmuck in einem keramischen Gefäss, einer Art Urne oder Krug, wie auf der nebenstehenden Abbildung von Keramik aus der Wikingersiedlung Haithabu bei Schleswig) doch noch wieder auftaucht.

Im Kulturhistorischen Museum von Stralsund wird eine sehr schöne, originalgetreue Replik gezeigt; das Original wird aus Sicherheitsgründen nur bei besonderen Anlässen aus dem Safe geholt. Der Schmuck ist völlig einzigartig - heutige Goldschmiede beherrschen die damalige Goldschmiedekunst nicht mehr, d.h. in der damals angewandten Technik wäre ein solcher Schmuck heute nicht mehr herzustellen! Man kann diese Technik heute nur noch imitieren.


Quelle:
www.reiseland-mecklenburg.de

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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