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Mannaz und Laguz - Die Runen im Brachet 21.05. - 21.06.
Über Runen wurden in den letzten Jahrzenten sehr viele esoterische Bücher geschrieben. Auch im Internet existieren viele Webseiten, in denen man etwas zur "Deutung" der Runen lesen kann. Manche lesen sich interessant, andere haben wenig oder gar kein Hintergrundwissen. Jeder scheint in den Runen etwas anderes zu sehen und vielleicht sind sie ja gerade deshalb so geheimnisvoll.

Ich möchte nicht bestreiten, dass unsere Vorfahren einen "Blick in die Zukunft" wagten. Ich bezweifele aber, dass sie dazu Runen verwendeten. Diese These ist in keiner historischen Quelle eindeutig belegt - auch im 20. Vers der Völuspa, dem ersten Lied der EDDA, ist von "Losen" die Rede und nicht eindeutig von Runen:


"Davon kommen Frauen, vielwißende,
Drei aus dem See dort unterm Wipfel.

Urd heißt die eine, die andre Werdandi:
Sie schnitten Stäbe; Skuld hieß die dritte.
Sie legten Looße, das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen, das Schicksal verkündend."


Die esoterischen Interpretationen der Runen sind mannigfaltig - eine davon möchte ich als abschreckendes Beispiel gerne hier vorstellen.
Hier wurde das ältere, "gemeingermanische Futhark" mit seinen 24 Runen verwendet bzw. entfremdet.

Die Auflistung der Runen entspricht nicht der üblichen und überlieferten Reihenfolge des Futharks, sondern einer frei erfundenen Zuordnung dem Jahreskreis entsprechend, beginnend im Frühjahr. Daraus ergibt sich eine Zuordnung von jeweils zwei Runen in jedem (Mond-) Monat.
Diese Variante soll es angeblich ermöglichen, die Aussagekraft der Runen leichter zu erfassen, weil sie so den "Kreislauf der Natur widerspiegeln".
Ich möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass dieser Interpretationsversuch der Runen kein altes, von unseren Vorfahren überliefertes Wissen, sondern eine unhaltbare Erfindung der Neuzeit und zudem ein klassisches Beispiel dafür ist, wie die Runen auseinander gerissen und ihrem mythologischen Kontext völlig entfremdet wurden.
Insbesondere bei dieser Variante wurde sehr geschickt, für den Runen-Neuling nicht erkennbar und für den Fortgeschrittenen irreführend gearbeitet.
Sie eignet sich lediglich dazu, sich "spielerisch" den Runen zu nähern - auf eine fragwürdige divinatorische Deutung der Runen möchte ich hier verzichten.


Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen esoterischen Ausführungen über die Runen und unsere Mythologie!



Man oder Mannaz


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/Mannaz.jpgBeschreibung:
Im Brachet herrscht der Gott Bragi. Seine Rune ist die Rune Man oder Mannaz. Bragi ist der Gott der Skalden, Dichter und Sänger, der seinen Geist auf höchste Ziele richtet. Die Man-Rune kennzeichnet den Höchststand der Sonne vor ihrer Wende und damit den Höchststand des Lebens. Sie ist außerdem das Abbild der Irminsul, des Zeit-Pfahles (= Tem-pel) oder Menhirs, der im Zentrum der Sonnenkultstätte steht und zum Anpeilen des Sonnenstandes dient. Man wird auch Lebensrune genannt, denn sie hält beide Arme wie zum Gebet in den Himmel.
Der betende Mensch nimmt Kontakt zu seinen Göttinnen und Göttern auf und wird dadurch zu geistiger Höhe und Verstandesschärfe als Ausdruck höheren Bewusstseins geführt. Mit seinem Geist erkennt er die Schöpfung und lernt,
bis er seinen himmlischen Ureltern ebenbürtig ist. Dieser Vorgang wird von der Lebensrune verstärkt.
Nicht zu Unrecht ist die Man-Runen-Stellung die älteste Gebetshaltung die wir kennen. Auch das älteste bekannte Kunstwerk unseres Planeten - gefunden bei Blaubeuren - zeigt einen in dieser Haltung betenden Schamanen,
vor 35.000 Jahren aus Mammut-Elfenbein geschnitzt.
Auch Mannaz symbolisiert den Menschen, die Menschlichkeit sowie die Vermählung von Himmel und Erde und die Ganzheit.

Anmerkung:
Hier wurde die Rune "madr" aus dem jüngeren, nur 16 Runen umfassenden Futhark dargestellt und als "Man-Rune" bezeichnet - was ich sehr irritierend finde, weil es im altgermanischen Runenfuthark eine Rune gibt, die genauso aussieht: die Rune "Algiz". Algiz wird in dieser Variante überhaupt nicht erwähnt.



Laguz


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/Laguz.jpgBeschreibung:
Die weibliche Entsprechung von des Gottes Bragi ist die Göttin Idun. Ihre Rune ist die Rune Laguz. Idun ist die Göttin der ewigen Jugend. Sie verwahrt die goldenen Äpfel, von denen die Götter speisen, damit sie nicht altern.
Sie ist jung und lebendig wie alles, was fließt, sich bewegt, tanzt, kontaktfreudig und aufnahmefähig ist, in dem es dem Kreislauf der Schöpfung von Werden, Sein und Vergehen zum Neuentstehen folgt.
An keiner Stelle wird dies so deutlich wie zur Zeit der Sommer-Sonnenwende. Laguz bedeutet Welle - und damit sind alle Wellen aus Wasser, Luft, Strom, Energie, Klang und Strahlen gemeint, die Verbindungen unter den Lebewesen herstellen. Das ist äußerst wichtig, weil ohne die Vernetzung der Kräfte, der Flüssigkeiten und Nerven keine Kreisläufe und somit kein Leben möglich wären. Weiterhin symbolisiert sie Gesundheit, Vitalität und Frische, Regeneration, Jugend und ein langes Leben.

Bearbeitet von Siglinde Litilvoelva am 04-01-2016 16:06

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
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