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Deutung der Runen - Tiwaz und Ingwaz - Die Runen im Ostermond, 21.03. - 20.04
Deutung der Runen


Über Runen wurden in den letzten Jahrzenten sehr viele esoterische Bücher geschrieben. Auch im Internet existieren viele Webseiten, in denen man etwas zur "Deutung" der Runen lesen kann. Manche lesen sich interessant, andere haben wenig oder gar kein Hintergrundwissen. Jeder scheint in den Runen etwas anderes zu sehen und vielleicht sind sie ja gerade deshalb so geheimnisvoll.

Ich möchte nicht bestreiten, dass unsere Vorfahren einen "Blick in die Zukunft" wagten. Ich bezweifele aber, dass sie dazu Runen verwendeten. Diese These ist in keiner historischen Quelle eindeutig belegt - auch im 20. Vers der Völuspa, dem ersten Lied der EDDA, ist von "Losen" die Rede und nicht eindeutig von Runen:

"Davon kommen Frauen, vielwißende,
Drei aus dem See dort unterm Wipfel.

Urd heißt die eine, die andre Werdandi:
Sie schnitten Stäbe; Skuld hieß die dritte.
Sie legten Looße, das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen, das Schicksal verkündend."


Die esoterischen Interpretationen der Runen sind mannigfaltig - eine davon möchte ich als abschreckendes Beispiel gerne hier vorstellen.
Hier wurde das ältere, "gemeingermanische Futhark" mit seinen 24 Runen verwendet bzw. entfremdet.

Die Auflistung der Runen entspricht nicht der üblichen und überlieferten Reihenfolge des Futharks, sondern einer frei erfundenen Zuordnung dem Jahreskreis entsprechend, beginnend im Frühjahr. Daraus ergibt sich eine Zuordnung von jeweils zwei Runen in jedem (Mond-) Monat.
Diese Variante soll es angeblich ermöglichen, die Aussagekraft der Runen leichter zu erfassen, weil sie so den "Kreislauf der Natur widerspiegeln".
Ich möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass dieser Interpretationsversuch der Runen kein altes, von unseren Vorfahren überliefertes Wissen, sondern eine unhaltbare Erfindung der Neuzeit und zudem ein klassisches Beispiel dafür ist, wie die Runen auseinander gerissen und ihrem mythologischen Kontext völlig entfremdet wurden.
Insbesondere bei dieser Variante wurde sehr geschickt, für den Runen-Neuling nicht erkennbar und für den Fortgeschrittenen irreführend gearbeitet.
Sie eignet sich lediglich dazu, sich "spielerisch" den Runen zu nähern - auf eine fragwürdige divinatorische Deutung der Runen möchte ich hier verzichten.


Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen esoterischen Ausführungen über die Runen und unsere Mythologie!



Tiwaz


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/Tiwaz.jpg
Beschreibung:
Im Ostermond herrscht der Gott Tyr und seine Rune ist die Rune Tiwaz.
Tiwaz wirkt wie der Kampfgott selbst: aufrecht, kraftvoll, ehrlich und zu jedem Wettkampf bereit.
Mit der Kraft dieser Rune gelingt es dem Keim im Frühjahr die Samenkapsel zu sprengen und die zarten Blättchen durch die Erde zu bohren. Tiwaz entspricht der Kraft des Kopfes und der Selbstbehauptung. Zu dieser Überlegenheit gehört ebenso die Kampfkraft wie die Zeugungskraft, was natursinnbildlich dasselbe ist. Deshalb symbolisiert diese Rune auch das männliche Zeugungsglied, ein Sinnbild für Anfang/Entstehung und Einheit. Man sammelt alle Kräfte und richtet sie auf ein Ziel.
Als Zeichen des Kriegers steht Tiwaz für alles, was spitz ist und verletzt: den Stab, das Messer, die Harpune, den Speer und das Schwert. Hier finden wir das Motiv mit dem Drachenkampf, in dem der Drache (Winter) von Siegfried (dem jungen Sonnengott Baldur) mit dem Schwert besiegt und getötet wird.


Ingwaz


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/Ingwaz.jpgBeschreibung:
Die weibliche Entsprechung des Gottes Tyr ist die Göttin Ostara. Ingwaz ist die ihr zugeordnete Rune und bedeutet Abstammung, das Immerwährende, Ausdauernde.
Sie steht im Englischen noch heute am Ende der Verlaufsform der Verben (do-ing, work-ing) und entspricht im Deutschen der Silbe 'ung' (Reinigung, Belehrung) und 'ing' (Frühling, Fasching, Lehrling). Sie symbolisiert das saatbereite Ackerbeet, die Jugend und den weiblichen Schoß. Ingwaz unterstützt Fruchtbarkeit (auch in geistiger Hinsicht) und fördert den Wettkampf, die Tüchtigkeit, die Arbeitskraft und den Ehrgeiz zur Selbstbehauptung und zum Erfolg.
Die Zeit des Ostaufgangs der Sonne im Frühling ist die Zeugungszeit des Sonnengottes Baldur, der neun Monate später zum Julfest wiedergeboren wird.

Anmerkung:
Die Göttin "Ostara" wird es als "eigenständige Göttin" wohl nicht gegeben haben. Es ist vielmehr eine Spekulation zu der von Beda Venerabilis benannten angeblichen Göttin "Eostrae", die Jakob Grimm 1835 in seinem Werk "Deutsche Mythologie" veröffentlichte. Sowohl "Ostara" als auch "Eostrae" werden von der Wissenschaft bestritten, denn es finden sich nirgends weitere Hinweise bzw. wirkliche Quellen - und selbst Bedas Schilderungen zu "Eostrae" sind sehr dürftig.

Bearbeitet von Siglinde Litilvoelva am 04-01-2016 16:10

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
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