Thema drucken
Die Magie der Runen
Die Magie der Runen


Runenmagie – Magie der Runen – sind Runen tatsächlich „magisch“? Besitzen sie so etwas wie eine eigene „Energie“? Haben sie wirklich Einfluss auf jene Menschen, die sich mit ihnen beschäftigen? Und können jene Menschen, die sich selbst als „Runen-Meister“ oder „Runen-Magier“ bezeichnen, andere Menschen mit Hilfe der Runen in irgendeiner Form beeinflussen, Macht ausüben oder gar in die Zukunft schauen?
Immer wieder wird, insbesondere in esoterischen Kreisen, von einer magischen bzw. schamanischen Verwendung der Runen gesprochen und es wird oft auch behauptet, die moderne magische und/oder divinatorische Arbeit mit den Runen sei ein altes, von unseren Vorfahren nur mündlich überliefertes Wissen. Das ist schlicht und ergreifend falsch - eine Behauptung, die der Erhaltung und Weitergabe des Runenwissens und auch unserer Mythologie mehr schadet, als nutzt.

Trotzdem ist von den Runen als magische Zeichen und ihrer Verwendung vornehmlich in der nordischen Saga-Literatur die Rede. Doch in welcher Art und Weise waren sie demnach für unsere skandinavischen Vorfahren als Zauberrunen wirksam?

Zunächst muss man erst einmal verstehen, dass für viele frühe Kulturen die Schrift als das Geschenk einer Gottheit an die Menschen betrachtet wurde. Nicht jeder konnte schreiben und lesen, weil über einen sehr langen Zeitraum hinweg Wissen ja tatsächlich nur mündlich weitergegeben wurde. Gedachtes und Gesprochenes mit Hilfe von Schrift-Zeichen für die Ewigkeit oder zumindest einen sehr langen Zeitraum festzuhalten und durch bestimmte Zeichen sichtbar zu machen, hatte für die damaligen Menschen schon etwas „magisches“ an sich und es gab nur wenige „Auserwählte“, die des Schreibens fähig waren und somit eine gewisse Macht besaßen. Diese Macht war geheimnisvoll und so wundert es nicht, dass man unsere uralten Schriftzeichen „Runen“ = „Geheimnis“ nannte.

Wie ich es eben schon andeutete, wird die Verwendung der Runen zu magischen Zwecken besonders in den skandinavischen Sagas erwähnt.
Was aber ist Magie? Magie lässt sich nur schwer erklären, da es bis heute keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Definition dafür gibt. Ich will es aber dennoch versuchen.
Die Ausübung von Magie ist der Versuch des Menschen, sich die Kräfte der Natur dienstbar zu machen. Voraussetzung dafür ist der Glaube an übernatürliche Wesen, Mächte oder Kräfte, die er mit Hilfe von Zaubersprüchen, Beschwörungen und Symbolen freisetzt, um Einfluss auf sie gewinnen, sich vor ihnen zu schützen oder ihre Unterstützung und ihren Schutz zu erbitten.

Snorri Sturluson gewährt uns in seiner Ynglinga-Saga, dem ersten Kapitel der Heimskringla, einen Einblick, was er unter Magie verstand, wenn er von Odin als Meister der Magie, welche er von der Göttin Freya erlernte, spricht:

Odin beherrschte und praktizierte die Kunst, die am mächtigsten ist und seidr (Magie, Zauber) genannt wird, dadurch kannte er das Schicksal der Menschen und die Gefahren der Zukunft und ebenso, wie man einem Menschen Tod oder Unglück oder Krankheit bringt und wie man die Menschen um Kraft und Verstand bringt und sie jemandem gibt. Aber mit dieser Weisheit war so große Schande verbunden, daß die Männer meinten, sie könnten sie nicht ohne Schande ausüben, und darum brachte man diese Kunst den Prieserinnen bei.


In der nordischen Mythologie ist Odin nicht nur ein Meister der Magie, sondern zugleich auch der Gott des Runenwissens, das er durch ein neuntägiges Selbstopfer, kopfüber in der Weltenesche Yggdrasil hängend, erhielt. Vielleicht werden die Runen daher zu schnell und zu oft und ohne tieferes Hintergrundwissen als rein magische Zeichen interpretiert.

Die Anwendung von Magie wird, in der altnordischen Literatur, dort wo sie ausdrücklich erwähnt wird, als schändlich bezeichnet. Trotzdem ist das Einritzen von Runen auf Holzstücken, was im Schadenzauber sowie im Totenzauber eine Bedeutung gehabt haben dürfte, häufig belegt. Dabei wurden die entsprechenden Runen weniger als Buchstaben eingesetzt; vielmehr fanden sie nach ihrem Begriffswert Verwendung: die Wiederholung der Runen þurisaz (Riese) und naudiz (Not) sollten die Verstärkung einer Botschaft bewirken.
Wohlwollender Zauber hingegen wurde toleriert und manifestierte sich im Tragen von Amuletten; fehu (Vieh), raido (Ritt), gebo (Gabe) und jera (gutes Jahr) als Begriffsrunen galten als entsprechender Segenswunsch.

In Kapitel 73 der Egils Saga (Egils saga Skallagrímssonar), einer der bekanntesten Isländer-Sagas, wird die beschwörende Verwendung der Runen im Zusammenhang mit einer Krankheit beschrieben:

Als Egil und die Seinen sich gesetzt hatten und aßen, da sah Egil, dass ein Mädchen krank auf dem Querbett lag. Egil fragte Thorfinn, wer das Weib sei, das dort so krank liege. Thorfinn meinte, sie heiße Helga und sei seine Tochter – „sie hat schon lange krank gelegen. Sie litt an Auszehrung. Keine Nacht schlief sie und war wie wahnsinnig. “ - „Habt ihr irgendwelche Mittel gegen die Krankheit angewendet?“ fragte Egil. Thorfinn sprach: „Runen sind geritzt worden, und ein Bauernsohn ganz in der Nachbarschaft ist’s, der dies tat. Es steht aber seitdem viel schlimmer als vorher. Kannst du, Egil, etwas wider solches Übel tun?“ Egil meinte: „Möglich, dass es nicht schlechter wird, wenn ich mich daran mache.“ Als Egil gegessen hatte, ging er dorthin, wo das Mädchen lag, und sprach zu ihr. Er bat, sie von dem Platz zu heben und reines Zeug unter sie zu legen. Das geschah. Darauf durchsuchte er den Platz, auf dem sie gelegen hatte und fand dort ein Fischbein, auf dem Runen geritzt waren. Egil las sie. Darauf schabte er die Runen ab und warf sie ins Feuer. Er verbrannte das ganze Fischbein und ließ das Zeug, das das Mädchen gehabt hatte, in den Wind tragen. Dann sprach Egil:

Runen ritze keiner
Rät’ er nicht, wie’s steht drum!
Manches Sinn schon, mein ich,
Wirren Manns Stab irrte.
Zehn der Zauberrunen
Ziemten schlecht dem Kiemen:
Leichtsinn leider machte
Lang des Mädchens Krankheit.

Egil ritzte Runen und legte sie unter das Polster des Lagers, auf dem das Mädchen ruhte. Ihr deuchte da, als ob sie aus dem Schlafe erwache, und sie sagte, sie sei gesund, wenn auch noch schwach.
(Kiemen ist der Walknochen, auf dem die Runen geritzt waren. Der verliebte Bauernsohn hatte die falschen Runen geritzt.)

Es ist aber nicht bekannt, welche Runen Egil ritzte - daher gibt es keinerlei Hinweise auf die „Wirkung“ bestimmter Runen.

Auch die Beschwörung von Gegenständen wurde durch (magische) Runeninschriften vollzogen. Amulette, Waffen und Opfergaben an die Götter mit geheimnisvollen Ritzungen wurden in zahlreichen (Grab-) Funden entdeckt.
Viele dieser Runeninschriften bestehen nur aus einem einzigen Wort z.B.: „alu, laukaz und laþu“. Diese kurzen Wörter gehören zu den sogenannten „magischen Wörtern“ und bedeuteten "Heil, Gedeihen oder auch Segen, Schutz".

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
Springe ins Forum:

6,098,986 eindeutige Besuche

Top Zum Seitenanfang