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845 - Flucht der ersten Hamburger ins Weserbergland
Bewohner der Hammaburg flohen vor den Dänen ins Weserbergland

Keramikfunde belegen die Flucht der ersten Hamburger ins Weserbergland.
Im Jahr 845 zerstörten Wikinger die Hammaburg. Doch nicht alle Bewohner starben. Scherbenfunde beweisen, dass Überlebende sich in den Solling retten konnten.


Als nach dem Tod Kaiser Ludwigs des Frommen 840 das Frankenreich im Vertrag von Verdun unter seinen Söhnen aufgeteilt wurde, sahen die Dänen ihre Stunde gekommen. Denn das Imperium Karls des Großen schien nur noch ein Schatten seiner selbst zu sein. Damit wurde das ungeliebte Missionszentrum, das Karl 811 an der Elbe errichtet und Ludwig zum Bistum erhoben hatte, zur begehrten Beute.

845 war es soweit: Die dänischen Wikinger zogen mit einer großen Flotte die Elbe hoch und zerstörten die Hammaburg – die kleine Festung, die als Keimzelle Hamburgs gilt. Doch nicht alle ihre Bewohner kamen um. Einige Überlebende konnten sich nach Süden, in die mehr als 200 Kilometer entfernten dichten Wälder des Sollings flüchten. Das zeigen jetzt einige unscheinbare Scherben, die eine internationale Grabungsmannschaft um den Archäologen Hans-Georg Stephan von der Universität Halle-Wittenberg in der Dorfwüstung Schmeesen und einigen kleinen Streusiedlungen im Kreis Holzminden fanden.

Keramikformen der Elbniederung
„Unsere Auswertung ergab jetzt zweifelsfrei, dass diese Vorratsgefäße und Kochtöpfe von Töpfern angefertigt worden waren, die damals aus der Gegend der Hammaburg, dem nordischen Missionszentrum des Erzbischofs Ansgar, kamen“, sagt Stephan. Die Art, Tongefäße mit ihren Knochenkämmen zu verzieren und die Formen kämen nur in der Elbniederung bei Hamburg vor.

„Die Gefäße sind auch nicht mitgebracht worden oder als Handelsware in die von wenigen Menschen bewohnte Waldregion gelangt. Das können wir ausschließen“, erklärt Stephan, der sich seit Jahrzehnten mit Keramik aus ganz Europa befasst.

Die Untersuchungen, die über den Sommer hinweg durchgeführt wurden, ergeben, dass die Küchenkeramik von den vielleicht 200 Menschen, die sich lebend aus der Hammaburg und der daneben liegenden kleinen Kaufmanns- und Handwerkersiedlung retten konnten, nach ihrer Ankunft selbst vor Ort hergestellt worden sind.

Ton aus zerfallendem Sandstein
„Sie weisen zwar die nur für die Elbregion typischen Verzierungen auf“, sagt der Grabungsleiter. „Der Ton wurde aber mit rotem Sand aus zerfallenem Sandstein geholt und der kommt im Solling massenhaft, aber im Raum Hamburg überhaupt nicht vor. Sie wurden also im Solling gebrannt.“ Außerdem hätten die anderen Töpfer in den weit verstreut liegenden kleinen Solling-Siedlungen ihre Produkte im 8. und 9. Jahrhundert überhaupt noch nicht verziert.

Aus schriftlichen Quellen ist bekannt: Die Hammaburg wurde ausgeplündert und niedergebrannt. Bischof Ansgar gelang die Flucht nach Bremen – er wurde später Bischof von Bremen, aber auch wieder von Hamburg. Was aus den in den Solling Geflüchteten wurde, kann nur vermutet werden.

Das Wahrscheinlichste sei, dass sie von der Bevölkerung aufgenommen wurden und dort blieben. Neben Schmeesen gibt es in dem damals von Wölfen und Bären durchzogenen Waldgebiet noch einige kleine namenlose Flüchtlingssiedlungen, die wieder verschwunden sind. „In diesen winzigen Orten haben wir diese unverkennbaren Scherben zuerst gefunden", so Stephan, "und wir haben nur die Erklärung, dass die mitgeflüchteten Töpfer ganz schnell dafür sorgten, dass Frauen nach der wochenlangen Flucht wieder zu Kochtöpfen kamen.“

Allerdings können auch einige wieder zurückgekehrt sein. Von 864 datiert die Gründungsbulle für das Erzbistum Hamburg-Bremen, was die Existenz einer entsprechenden Siedlung voraussetzt. Diese wurde zwar 50 Jahre später beim Aufstand der slawischen Abodriten zerstört, wurde aber wieder aufgebaut und diente ab 964 sogar einem abgesetzten Papst, Benedikt V., als Alterssitz.

Quelle:
Berliner Morgenpost

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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