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Forscher graben kunstvolle Schachfigur aus
Mittelalter-Fund
Forscher graben kunstvolle Schachfigur aus

Könige und Bischöfe, Ritter und Bauern zogen im 12. Jahrhundert übers Schachbrett. Eine solche aus Knochen geschnitzte Figur haben Archäologen jetzt bei Grabungen in Nordrhein-Westfalen entdeckt. Die Forscher jubeln über den seltenen Fund.

Detmold - Bei Grabungsarbeiten auf der Falkenburg im Kreis Lippe haben Forscher eine zehn Zentimeter große Schachfigur aus dem 12. Jahrhundert entdeckt. Die Archäologen konnten die kunstvoll aus Knochen geschnitzte Figur anhand der Kleidung als Darstellung eines Bischofs identifizieren.

"Solche Spielfiguren waren im Hochmittelalter meistens stark stilisiert - so naturgetreu gearbeitet gibt es nur eine Handvoll vergleichbarer Funde auf der ganzen Welt", sagte Kreisarchäologin Elke Treude vom Lippischen Landesmuseum.
Ganz unbeschädigt überlebte der Bischof die Jahrhunderte leider nicht. Ursprünglich habe er auf einem Thron gesessen, der jedoch ebenso wie sein Kopf verlorengegangen sei, erklärte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Im Schachspiel habe der Kirchenmann die Position des Läufers besetzt. Im 12. Jahrhundert hätten Figuren des wirklichen Lebens - Könige und Bischöfe, Ritter und Bauern - das Schachbrett besetzt, erklärt Grabungsleiter Hans-Werner Peine.

Provisorische Unterkunft des Burgherren

Die Archäologen fanden die Figur in einem Gebäude, das vermutlich das erste Wohnhaus der ehemaligen Herren der Falkenburg war. Zunächst hielten die Forscher das Holzgebäude für eine einfache Bauhütte. Wegen zahlreicher hochwertiger Funde gehen sie jedoch inzwischen davon aus, dass es sich um ein provisorisches Wohnhaus handelt, in dem Bernhard II. zur Lippe lebte, während die Burg errichtet wurde. Der Bau der Anlage begann um das Jahr 1190.

"Ausgerechnet in diesem Gebäude, das zunächst so unscheinbar wirkte, haben wir die bislang frühesten und schönsten Funde gemacht", sagte Peine. Neben Scheren und Keramik fanden die Forscher auch kunstvoll gearbeitete Möbelbeschläge aus vergoldetem Buntmetall. Dies sei ein "eindeutiges Zeichen dafür, dass dieses Gebäude der hochrangigsten Person auf der Burg vorbehalten war", sagte Peine.


Quelle:
Spiegel-Online - Wissenschaft

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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