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Jomswikinger - mehr als eine Saga
Die Jomswikinger

Die Jomswikinger waren eine halblegendäre Söldnertruppe der Wikinger. Benannt sind sie angeblich nach Jom, einem Landstrich in Pommern, den sie vom Polenherzog erhalten haben sollen. Über sie ist nur wenig Zuverlässiges bekannt. Primärquelle ist die altnordische Die Saga der Jomswikinger - Jómsvíkinga saga, bei der man aber nicht alles für bare Münze nehmen darf. Das meiste, was man über sie weiß, ist also mit einem Fragezeichen zu versehen.

Das scheint ihre Geschichte zu sein:
Der Dänenkönig Harald Blauzahn (ca. 945-985) expandierte nach Pommern, wo sich jedoch auch schon die Polen unter Herzog Mieszko I. (960-992) breitmachten. Harald gründete als Stützpunkt die Burg Jomsgard, die vermutlich auf der heute zu Polen gehörenden Ostseeinsel Wollin lag. Sie bestand aus mehreren Langhäusern mit großem Erdwall herum. Gefunden wurde sie bis heute nicht. Im Hafen fanden 300 Langschiffe Platz.

Der hauptsächlich aus dänischen Söldnern bestehenden Besatzung gab Harald strenge Regeln: Mitglied durften nur Männer zwischen 18 und 50 werden. Frauen waren in Jomsgard verboten. Der gegenseitige Zusammenhalt galt alles. Geleitet wurden die Jomswikinger von einem in Jomsgard residierenden Jarl.

Mit Mieszko schloss Harald offenbar einen Vertrag, in dem die Jomswikinger auch Teile der Küste Pommerns erhielten, aber im Gegenzug die Küste verteidigen mussten. Sie dienten also sowohl den Dänen als auch den Polen.

Erster Jarl der Jomswikinger wurde Palnatoki von Fünen. Die Jomswikinger bekamen einen ausgezeichneten Ruf. Bei ihnen dienten nicht nur Dänen, sondern auch andere Angehörige nordischer Völker, sogar Isländer.

Um 985 kam es zu einem Bürgerkrieg zwischen dem Christen Harald Blauzahn und seinem Sohn Sven Gabelbart, der seinen Vater stürzen wollte. Die Jomswikinger waren gespalten: Die einen unterstützten Harald, die anderen Sven. Bei Bornholm kam es zur Seeschlacht von Helgenes, in der Sven siegte. Palnatoki, der auf der Seite Svens stand, verwundete Harald mit einem Pfeilschuss schwer. Harald wurde jedoch von einem anderen Jomswikinger, Styrbjörn dem Starken, gerettet. Er brachte ihn auf seinem Schiff nach Jomsgard, wo Harald jedoch am 1.11.987 seiner schweren Verletzung erlag. Sven konnte sich als König (985-1014) durchsetzen.

987 führten die Jomswikinger, die zu Styrbjörn, der Anspruch auf den schwedischen Thron erhob, hielten, Krieg gegen Schweden, verloren aber. Palnatoki starb wenig später. Es kam zu einem Machtkampf um die Nachfolge, den schließlich Sigvaldi Haraldsson mit polnischer Hilfe (er war mit Mieszkos Tochter verheiratet) gewann. Er änderte die Regeln der Jomswikinger dahingehend, dass nun auch Slawen aufgenommen wurden.

Um 993 griff Sven Gabelbart Polen an. Die Jomswikinger unterstützten die Polen. Sven geriet in Gefangenschaft, durfte sich aber freikaufen. Nun wollte er die von Dänemark abgefallenen Norweger unter Jarl Haakon bestrafen und heuerte dazu die Jomswikinger an. Im Januar 995 kam es bei Hjörungavag zu einer großen Seeschlacht zwischen den Norwegern und den Jomswikingern, in der Letztere eine vernichtende Niederlage erlitten. Die meisten wurden gefangengenommen und hingerichtet. Obwohl sich Sigvaldi und sein Bruder Thorkel der Hohe aus der Schlacht gerettet hatten, war die Macht der Jomswikinger stark geschwächt und ihr Ansehen dahin. Sie unterwarfen sich Sven.

Bald darauf kam es zum Krieg zwischen Dänemark und Norwegen. In der Seeschlacht von Svoldr am 9.9.1000 hatten die Jomswikinger entscheidenden Anteil am dänischen Sieg, indem sie den Norwegerkönig Olaf I. Tryggvason (995-1000), den Schwager Sigvaldis, in eine Falle lockten. Olaf fiel in der Schlacht.

Sigvaldi wurde wenig später nach England abkommandiert. Dort fiel er aber im November 1002 dem von König Ethelred II. (978-1013, 1014-1016) angeordneten Massaker an den Dänen zum Opfer.

Sein Nachfolger wurde sein Bruder Thorkel der Hohe. Die Jomswikinger verkamen mehr und mehr zu Piraten, die alle Nachbarn, auch Dänemark, heimsuchten. Daher belagerte König Knut der Große (1018-1035) Jomsgard und zwang die Jomswikinger zur Unterwerfung. Als die Jomswikinger später aber rebellierten, wurde Jomsgard im Sommer 1043 von König Magnus dem Guten von Dänemark (1042-1047) und Norwegen (1035-1047) erobert und viele Jomswikinger getötet. Doch die Jomswikinger, die mittlerweile mehrheitlich aus Slawen bestanden, erholten sich wieder. Um 1050 putschten sich zwei Piraten namens Alli und Herri nach oben und übernahmen die Führung. Die Jomswikinger wurden wieder zu Piraten und trieben es schlimmer als zuvor.

Das brachte den Untergang: 1098 zerstörte der dänische König Erik I. Ejegod (1095-1103) Jomsgard endgültig. Die Anführer und ein Großteil der Bewohner wurden getötet. In der zweiten Hälfte des 12. Jhdts. wurden die Ruinen von Jomsgard auf Befehl eines Erzbischofs so gründlich geschleift, dass sie bis heute nicht gefunden werden konnten.


Quelle:
Historiker-Forum

Weiterer Artikel zu dem Thema:
Die Jomswikinger - eine Kriegergemeinschaft ?
von Lutz Mohr, Diplomhistoriker

Bearbeitet von Manfried am 04-11-2011 21:11

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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