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Die Rüstung der Wikinger
Die Rüstung der Wikinger


Die Rüstung der Wikinger als Schutz im Kampf war eher dürftig im Vergleich zu der Ausrüstung ihrer Gegner. Schwere Panzerungen und Schilde sucht man bei ihnen vergeblich.

Der Rundschild (buklari)

Der für die Wikinger charakteristische Rundschild wurde aus verleimten, flachen Lindenholz-Planken oder -Brettern, im hohen Norden auch aus Tanne (Godstakschiff) oder Kiefer (Bornholm), angefertigt. Lindenholz ist nicht dicht und leicht in der Hand, auch splittert es nicht so leicht wie Eiche. Die Fasern des Lindenholzes verhindern, dass eine Klinge durchdringt. Stabilisiert wurde der Rundschild durch einen quer verlaufenden Schildgriff und zwei Holz- oder Metallstreben (Querbänder), bisweilen wurde er auch mit Bast zusammengebunden. Der Durchmesser eines Rundschildes war üblicherweise 75 – 90 cm je nach Körpergröße des Trägers, die Dicke ca. 0.5 cm. Der Griff für die Hand war unter einem eisernen, halbkugelförmigen Schildbuckel von 15 – 25 cm Breite angebracht, der über einem kreisrundes Loch in der Mitte der Schildplatte vernietet wurde. Bespannt war der Schild mit Rohhaut oder Leinen zur Festigkeit und um das Splittern des Holzes zu verhindern. Oft war ein Schild bunt bemalt - gelb, schwarz, weiß, grün, blau – wie die Reste von der Bemalung vom Oseberg- und Gokstadschiff zeigen. Bisweilen wurden die Schilde auch mit Szenen der Mythologie und Heldensagen im Runenstein-Stil (z.B. die Ragnarsdrápa von Bragi Boddason, dem Norweger, oder die haustlöng von þjóðólfr aus Hvin) verziert. Zum Verhärten wurde der Schild mit Knochenleim eingestrichen. Metall- oder Blechbeschlag am Schildrand oder auch vernähtes Leder diente zur Verstärkung. Die Langschilde in dreieckiger Form (sköldr) gab es erst seit dem 11. Jahrhundert (z.B. auf dem Teppich von Bayeux).

Der Helm (hjálmr)

Der eiserne Spangenhelm, (hjálmr) ca. 1 kg schwer, halbkugelig, teils mit Nackenschutz, der sogenannten Helmbrünne, aus Kettengeflecht an der Rückseite, waren die bekanntesten Helme der Wikinger. Brünnen wurden z.B. beim Brillenhelm aus dem Hügelgrab von Gjermbundbu, Norderhov in Norwegen entdeckt. Andere Helme besaßen eine Helmbrille oder aufgenietetes Nasal und seltener Wangenplatten zum Gesichtsschutz (kinnbjörg), der bis zur Höhe des Mundes reichte, oder Bronzeverzierungen in Form von Augenbrauen. Der Helm bestand aus einer Eisenkalotte aus vier dreieckigen, gewölbten Füllplatten, aus Stahl oder zum Teil aus starkem Leder, die von einem Gerüst aus vier vernieteten Spangen, einem Stirnreif und Helmbrille zusammengehalten wurden, teilweise waren sie mit Silber- und Bronzeeinlagen tauschiert. Darin war wahrscheinlich eine Lederkappe eingenietet – und ein Kinnriemen, der ein bequemes Tragen ermöglichte. Einfache Krieger trugen jedoch meist einfache, spitze Kappen aus Leder (gehärtet durch Kochen in Öl) oder Filz, was den Mangel an archäologischem Material erklären könnte.

Das Kettenhemd

Das Kettenhemd („Brünne“, brynja, hringserkr) bestand aus bis zu 14000 – 18000 je zur Hälfte vernieteten und zur Hälfte verschweißten Ringen und wog ca. 10 – 12 kg und hatte 4 Ringe pro qcm, bei einer Stärke der aus Draht gezogenen Ringe von 1.1 – 1.5 mm, der Ringdurchmesser betrug 7.5 – 8.5 mm (nach Funden von Gjermudbu und Birka).
Ein bis zu 12 kg schweres Kettenhemd konnte den besttrainierten Krieger erschöpfen. Harald Hardradas Männer ließen 1066 bei der Schlacht von Stamford Bridge ihre Kettenhemden bei den Schiffen zurück – König Magnus der Gute streifte 1043 sein Kettenhemd ab, bevor er in die Schlacht gegen die Wendländer in Lyrskog Heath zog. Das Kettenhemd wurde offenbar wegen des hohen Werts von Generation zu Generation weitergegeben - nur selten wurde es als Grabbeigabe gefunden. Ein Schmied benötigte ca. ein Jahr um Draht zu ziehen, die eine Hälfte der Ringe im Feuer zu verschweißen, das Hemd zu flechten die andere Hälfte der Ringe zu vernieten. Ein solches Kettenhemd entspräche heute etwa der Kaufkraft eines Sportwagens. Es reichte bis zur Mitte des Oberschenkels und hatte kurze Ärmel. Spätere normannische Kettenhemden hatten 20000 – 36000 Ringe, waren knielang, mit Kapuze und langen Ärmeln versehen, und wogen ca. 20 kg (siehe Teppich von Bayeux). Ringgröße und Drahtstärke variierten von Hemd zu Hemd. Zur Pflege wurde das rostige Kettenhemd in einem, mit feinem Sand gefüllten Holzfass hin und her gerollt, bis der Rost abgeschliffen war und anschließend mit Öl behandelt.
Über ein Kettenhemd oder anstelle eines Kettenhemdes trug man bisweilen auch einen Lamellenpanzer (bezeugt z.B. durch Funde aus Birka). Dieser bestand aus dünnen, gelochten, tönnchenförmigen Stahllamellen, die mit Lederbändern aneinander gebunden wurden, so dass sie überlappten. Bisweilen wurden Lamellen verschiedener Form in einem Panzer verarbeitet, um die Beweglichkeit möglichst wenig einzuschränken.
Das Kettenhemd schützt nur von Schnitten - um die Wucht des Hiebs abzufangen, und so Prellungen oder Knochenbrüche zu vermeiden, braucht es darunter einen Polsterwams (im späteren Zeiten Gambeson genannt).
Ein solches Polsterwams bestand aus dickem Stoff oder Leder. Das Füllmaterial, bestand aus Rosshaar, Stroh, ungesponnener Schafwolle oder Stoff und wurde durch Rauten oder rechteckförmige Steppen zwischen zwei Lagen Stoff oder Leder fixiert. Der einfache Wikingerkrieger trug jedoch ohnehin nur dicke Kleidung aus Fellen oder Häuten.

Der Eibenbogen (bogi)

Der Bogen gehörte zwar nicht zur Rüstung, jedoch war er bei den Wikingern eine eher ungebräuchliche und rein defensiv eingesetzte Fernwaffe zur Unterstützung oder Sicherung des Rückzuges. Im Allgemeinen war er 1.8 – 2 m lang, mit einseitiger Sehnenkerbe am oberen und permanenten Umwicklung am unteren Ende. Wikingerböden hatten keine Griffumwicklung aus Leder oder Stoff, aber zum Teil eine Umwickelung aus Leinen, Leder ohne Sehnenbändern in bestimmten Abständen um ein Splittern des Holzes zu vermeiden. Die Bogensehne bestand aus reißfestem Flachs- oder Leinenfaser oder aus Tiersehnen. Bogen wurden fast ausschließlich aus Eiben-, viel seltener auch aus Ulmenholz gefertigt. Eibenholz ist die bei weitem bogentauglichste Holzart, den sie ist die schwerste Nadelholzart, mit hoher statischer Bruchfestigkeit, hoher Biegeelastizität und Bruchschlagarbeit.<br>
Langböden sind relativ leicht herzustellen und leichter zu spannen und in den gespannten Zustand zu halten als Kurzbögen. Mit einer Zugkraft von 45 kg, erlaubte ein Langbogen Schussweiten von bis zu 200 m. Das Holz musste von schattenwüchsigen, also langsam wachsenden Bäumen stammen oder von Bäumen aus magerer Erde, oder vom Nordrand von Wäldern. Dies führt dazu, dass Jahresringe dicht beisammen liegen, und das Holz dadurch zäh und elastisch wird. Solche Bäume bilden gerade Stämme ohne Seitenäste und Knäste aus. Am besten eignen sich Stämmchen von 5 – 8 cm Durchmesser, Äste sind weit weniger geeignet. Das Holz besteht aus dem inneren, dunklen Kernholz (Duramen, totes, steifes Gewebe, verträgt Zusammendrücken der Fasern, aber keinen Zug), und dem äußeren hellen Splintholz (Alburnum, jünger als Kernholz und elastischer, verträgt Biegen und Zug, aber keinen Druck). Der Rücken eines Bogens soll daher im Splintholz liegen, der Bauch indes im inneren Teil oder Kernholz - zusammen erlauben sie das Geradebiegen des Bogens nach Krafteinwirkung.

Die Pfeile (örr)

Gebräuchlich waren Birken- und Eschenholzpfeile von 70 - 80 cm Länge und 8 – 10 mm Schaftstärke, mit dreifacher Befiederung aus Gänse- oder Entenfedern, die befestigt wurden, in dem ein eingewachster Garnfaden, um den Schaft gedreht wird Die Pfeilspitzen bestand meist aus Metall, in eisenarmen Regionen wie Grönland aus Rengeweih. Sie wurden mit einer angesetzten Tülle auf den Pfeilschaft gesteckt und mit einer Eisenniete befestigt. Pfeilspitzen existierten in allen Formen, darunter blattförmige und lanzettenförmige Spitzen mit drei- und vierkantigem Querschnitt, Kreuzschneider (zwei vierkantige Schneiden im rechten Winkel zueinander) und besonders langhalsige, dünne panzerbrechende Pfeilspitzen. Spitzen mit Widerhaken ließen sich nicht mehr aus der Wunde ziehen, Pfeile mit breit-flacher Spitze rissen einen so breiten Schusskanal im Körper des Getroffenen, dass in den meisten Fällen Arterien zerschnitten wurden und der Tod durch Verbluten eintritt, hölzerne Kolbenpfeile mit plattem Kopf auf der Jagd, die mit der Wirkung eines Hammers auf die Beute schlugen. Sichelförmige Pfeilspitzen durchschnitten Segel, Brandpfeile verfügten über kleine Körbchen, in die öl- oder pechgetränktes Werg befestigt wurde. Stumpfe, abgerundete Pfeilspitzen oder hölzerne Kolbenpfeile wurden zur Jagd auf kleine Säugetiere verwendet, gabelförmige Schneiden nutzte man zur Vogeljagd - die gespaltene Form verhinderte das Abgleiten des Pfeils beim Auftreffen auf dem Federkleid. Pfeilköcher aus Holz oder Leder für bis zu 40 Pfeilen wurden nicht auf dem Rücken, sondern am Gürtel um die Hüfte getragen, was schnelleres Schiessen und Nachlegen ermöglichte, bisweilen wurden Pfeile auch direkt am Gürtel getragen. Arme und Finger wurden mit Leder geschützt.

Durch diese eher spärlich zu nennende Ausrüstung und Bewaffnung hatten die Wikinger einen nicht zu unterschätzenden Vorteil gegenüber den meist schwer gerüsteten und bewaffneten gegnerischen Kämpfern - sie waren beweglicher und dadurch schneller im Kampf.
Dazu kam, dass sie nicht so schnell ermüdeten und so “länger” kämpfen konnten. Ihre unkonventionelle Art zu kämpfen entsprach dieser Ausrüstung. Auch war der Transport der Ausrüstung einfach - für die Wikinger als “Schiffskrieger” ein weiterer wichtiger Aspekt, denn aufwändige Rüstungen und Waffen hätten die Fahrten nur unnötig erschwert

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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