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Taliensindichtung
Taliensindichtung


Überlieferung des Urmythos
Die Bedeutung der Pflanzenrituale wird im Zusammenhang mit dem keltischen Urmythos vom Kampf der Bäume deutlich. Am vollstängisten ist der Urmythos im berühmten "Cad Goddeu" (Schlacht der Bäume) überliefert. Sie wird dem walisischen Barden Taliesin zugeschrieben.
Die Dichtung erzählt u.a. wie Gwyddyon die Inselbretonen vor einer fürcherlichen Niederlage bewahrt, indem er sie in Bäume und Sträucher verwandelt und sie in dieser Gestalt ihre Feinde besiegen lässt. Dasselbe Motiv taucht auch wieder in den irischen Erzählungen "Tod des Cuchulainn" und "Schlacht von Magh Tuireadh" in leicht veränderter Form wieder auf.



Cad Goddeu
Die Schlacht der Bäume



Die Wipfel der Buche haben jüngst erst geknospt,
sind verändert und verjüngt aus ihrem welken Zustand

Wenn die Buche gedeiht trotz Bannfluch und Litaneien,
die Eichenwipfel sich verflechten, dann ist Hoffnung für die Bäume.

Ich plünderte den Farn, alle Geheimnisse ergründe ich,
der alte Math ap Mathonwy wusste nicht mehr als ich.

Mit neun Arten von Eigenschaften hat Gott mich begabt:
Ich bin die Frucht von Früchten, gebrockt von neun Arten von Bäumen -

Pflaume, Quitte, Heidelbeer, Maulbeer, Himbeer, Birne,
Schwarzkirsche und Weißkirsche und die Elsbeere sind Teil von mir.

Von meinem Sitz in Fefynedd, einer stark bewehrten Stadt,
sah ich die Bäume und Pflanzen fort eilen.

Zurückweichend vor dem Glück wurden sie gern gefasst
in die Form der Hauptbuchstaben des Alphabetes.

Wanderer staunten, Krieger waren erschreckt
über das Wiederaufleben der Konflikte, von Gwydion ausgeheckt;

Unter der Zungenwurzel ein höchst schrecklicher Kampf,
und ein anderer tobt hoch im Hinterkopf.

Die Erlen in der ersten Reihe begannen mit dem Gemetzel.
Weide und Eberesche traten verspätet in die Schlachtreihe.

Die Steineiche, dunkelgrün, hielt entschlossen stand;
sie ist bewaffnet mit vielen Speerspitzen, die verwunden die Hand.

Unter den stampfenden Füßen der schnellen Eiche dröhnten Himmel und Erde;
“Mannhafter Wächter der Pforte” heißt ihr Name in allen Sprachen.

Groß war der Stechginster in der Schlacht und der Efeu in seiner Blüte;
der Haselstrauch war Schiedsrichter in dieser verzauberten Zeit.

Ungeschlacht und wild war die Tanne, grausam der Eschenbaum -
weicht keinen Fußbreit zur Seite, direkt aufs Herz zielt er.

Die Birke, obwohl sehr edel, bewaffnete sich erst spät:
Ein Zeichen nicht von Feigheit, sondern von hohem Stand.

Das Heidekraut spendet Trost dem von Mühen erschöpften Volk,
die ausdauernden Pappeln brachen oft in der Schlacht.

Etliche wurden verworfen auf dem Feld der Schlacht
wegen der Lücken, die ihnen schlug des Feindes große Macht.

Sehr zornig war der Weinstock, dessen Helfer die Ulmen sind;
ich preise sie vorzüglich den Herrschern der Reiche.

Starke Häuptlinge sind der Schwarzdorn mit seiner üblen Frucht,
der unbeliebte Weißdorn mit ähnlichem Gewand.

Das rasch verfolgende Schilf, der Besenginster mit seiner Brut,
und der Stechginster benahm sich wüst, bis er gezähmt ward.

Die Gaben verschenkende Eibe stand finster am Rand der Schlacht,
und der Holunder, der langsam brennt, inmitten sengender Feuer.

Und der gesegnete Wildapfel, lachend vor Stolz,
aus dem Gorchan des Maeldrew neben der Felswand.

Im Verborgenen blühen Liguster und Geißblatt,
unerfahren im Kampfe; und die ritterliche Kiefer.

Aber ich, wenngleich verachtet, weil ich nicht groß war,
kämpfte, ihr Bäume, in Euren Reihen auf dem Feld von Goddeu Brig.

Bearbeitet von Manfried am 03-01-2011 00:53

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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