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Die Heiligkeit der Bäume
Die Heiligkeit der Bäume

Die traditionelle Denkweise früherer Generationen von Menschen stattete die Bäume, wie alle anderen Lebewesen auch, mit einer Seele aus, die sich unter bestimmten Bedingungen offenbaren konnte. Alle Bäume hatten also eine Seele, aber manche eine ganz besondere; Diese Bäume waren heilig in dem Sinn, dass sie nicht wie die andern von anonymen Wesen, sondern von einer bekannten Gottheit, die sie als ihren Aufenthaltsort erwählt hatte, bewohnt und deshalb Gegenstand der Verehrung wurden. Wie konnte man diese sehr seltenen Bäume von der Menge der anderen unterscheiden? Die Überlieferung besagt, dass diese Erkenntnis stets infolge einer Offenbarung, eines Traumes oder einer Vision auftrat oder nach einer plötzlichen Heilung, wenn sie berührt wurden, oder durch einen Orakelspruch aber auch durch gewisse äußere Anzeichen, zum Beispiel ungewöhnliche Größe oder irgendeine morphologische Besonderheit, konnten die Aufmerksamkeit der Menschen auf sie lenken.

Dann wurde der Baum isoliert , durch strenge Verbote geschützt, manchmal mit einer Einfriedung umgeben und an seinem Fuß stand ein einfacher Altar für Opfergaben bereit. In Indien haben sich bis heute unverändert solche Bräuche erhalten.

Es gab heilige Haine in Uppsala in Schweden, indische heilige Haine und den heiligen Wald von Nemi. Letzterer hieß „Nemus Dianae“ oder einfach Nemus. Nemesis ist eine Göttin der Verteilung und Teilung dessen, was den Göttern zusteht, und dessen, was den Menschen belassen bleibt, die jeden Übergriff, jede Verletzung dieser Grenze bestraft. Aber Nemesis ist auch unter dem Namen Adrasteia bekannt, eine Göttin der Bäume, eine Eschennymphe.
Bei den Kelten hieß der heilige Wald ebenso Nemeton. Für die Keltologen bezeichnet „nem-„ den Himmel im religiösen Sinne; es scheint also, dass das nemeton eine ideale Projektion eines Teils des Himmels auf die Erde war, eine Art von Paradies oder eher von wunderbarem Obstgarten, wie man sie in den keltischen oder aus dem keltischen stammenden Legenden antrifft.

Die einmarschierenden Römer waren sehr beeindruckt von dem Kult der Kelten um ihre heiligen Wälder. Lukian erzählt, dass es auf den Befehl, den heiligen Wald zu zerstören, keiner der Soldaten wagte, den ersten Schlag gegen die gefürchteten Bäume zu führen „die Hände der Tapfersten zitterten“. Als Cäsar sah, dass selbst die rauesten Veteranen vor Furcht wie gelähmt waren, ergriff er eine Axt und fällte eine jahrhundertealte Eiche (was ich hier mal bezweifeln mag, aber Propaganda konnten die Römer ja schon immer gut). Die Soldaten gehorchten schließlich, - nicht, weil sie keine Angst mehr hatten - , sondern weil sie den Zorn der Götter und denjenigen Cäsars gegeneinander abwogen. Vielleicht erinnerten sich einige von ihnen des Schreckens, der die Legionen erfasst hatte, als sie in den ungeheuren Herzynischen Wald eindrangen. Die römische Geschichte berichtet über die Gefahren, die überall drohten, wenn man es wagte, in diese dunklen Gefilde einzudringen – seit dem legendären Abenteuer des Konsuls Postumius, der wie Livius erzählt, sein Heer im zisalpinen Gallien in einen wahrscheinlich heiligen Wald entsandte und zusehen musste, wie die Bäume sich über seine Soldaten warfen und alle töteten.

Durch Tacitus und Cassius Dio wissen wir von der Existenz heiliger Wälder in Britannien, insbesondere des Waldes, der einer Göttin namens Andrasta geweiht war. Bouddica, die Königin der Icener, bat 61 n. Chr. um ihren Schutz und bot ihr als Opfergaben Römerinnen an, bevor sie in der Ebenen von London die Schlacht gegen die römischen Legionen begann. Tacitus berichtet, dass ein Jahr früher der Konsul Suetonius Paulinus auf der Insel Mona (Anglesey) „unmenschlichem Aberglauben geweihte Haine“ niederhauen ließ.

Tacitus erwähnt, welche Vorschriften im Hain der Semnonen zu beachten waren „ Auch auf eine andere Weise noch bezeugt man dem Haine seine Ehrerbietung: Niemand tritt anders als mit einer Fessel angetan hinein, sich als unterwürfig und der Gottheit Allmacht zu bekennen. Ist er etwa einmal hingefallen, so ist ihm nicht erlaubt, sich aufhelfen zu lassen und aufzustehen; auf dem Boden wälzt man sich hinaus.“

Manche Wälder waren personifiziert und vergöttlicht, so die Vogesen, der Schwarzwald – er war der Dea Abnoba geweiht – und der Ardenner Wald, das Reich der Arduinna, der Göttin mit dem Eber, die mit Diana gleichgesetzt worden war und deren Kult wahrscheinlich bis in die Steinzeit zurückging. Gesetze der Heiligkeit solcher Wälder lebten bis ins späte Mittelalter weiter. Die Beamten von Veyne in den Hautes-Alpes mussten bei Amtsantritt schwören, die Unversehrtheit eines kleinen Wäldchens, das als altes gallisches „nemeton“ galt, zu respektieren und zu bewahren.

Letztlich wurden ehemals heilige Bäume nicht gefällt, sondern christianisiert und der Heiligen Jungfrau oder einem Heiligen geweiht.

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(aus: „Mythologie der Bäume“ von Jacques Brosse)

Bearbeitet von Manfried am 03-01-2011 01:30

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

Der Baum in der keltischen Mythologie

Nach keltischem Glauben lebten göttliche Wesen oder die Götter selbst in den Bäumen und jeder, der einem Baum Schaden zufügte, wurde von den Göttern bestraft.

So hatte jeder Baum bei den Kelten eine feste, symbolische Zuordnung:

Apfelbaum
Der Apfelbaum steht für Leben und Unsterblichkeit. Der Apfel ist ein Symbol für Liebe und Fruchtbarkeit.

Birke
Die Birke war einer der heiligen Bäume und steht für Reinheit, Reinigung und Heilung.

Buche
Die Buche steht für Potenz und Ernte. Sie wurde zur Weissagung benutzt.

Eibe
Die Eibe war auch ein heiliger Baum und aufgrund ihrer Giftigkeit aus medizinischen und waffentechnischen Gründen wichtig. Durch ihre halluzinogene Wirkung galt die Eibe als Vermittler zwischen dieser Welt und der Anderswelt.

Eiche
Die Eiche ist der bedeutendste Baum, denn ihr kräftiges Holz machte sie sehr wertvoll, und von den Druiden wurde sie zu Heilzwecken, zum Schutz und bei Ritualen verwendet. Die Frucht der Eiche steht für Kraft, Fülle, Reichtum und Ernte.

Esche
Die Esche war einer der heiligen Bäume und stand für Strenge, Schutz, Kampf, Magie und Verjüngung.

Hasel
Die Hasel war ebenfalls ein heiliger Baum sie stand für Magie und Poesie; ihre Nüsse sollten zu Weisheit verhelfen.

Holunder
Der Holunder war Wohnstätte der Feen und wurde zum Schutz vor dunkeler Magie verwendet.

Linde
Die Linde gehörte auch zu den heiligen Bäumen, denn unter ihr kam stets die reine Wahrheit ans Licht.

Mistel
Die Mistel ist als immergrüne Pflanze ein Symbol für das Leben.
Sie war die wichtigste Pflanze der Druiden und galt als heilig. Auch wurde sie zur Heilung, zum Schutz und zur Weissagung benutzt.

Ulme
Die Ulme war einer der heiligen Bäume und stand für Schutz und Liebe und besaß eine große Anziehungskraft für Feen.

Weide
Die Weide war einer der heiligen Bäume und steht für Gesundheit, Fruchtbarkeit und Magie.

Weißdorn
Der Weißdorn war ein weiterer der heiligen Bäume, er gab Unterstützung bei Prüfungen, half dem Suchenden, galt als Wohnstätte für Feen und besaß an Beltane eine große Anziehungskraft.

Bearbeitet von Manfried am 09-01-2011 13:44

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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