Håkonarmál
Das Lied von Hakon

Hakon der Gute

Die Statue von Håkon den Gode
im Håkonarparken von Fitjar
Foto: Om Fitjar

Prolog

Das Håkonarmál, das Lied von Håkon, ist ein Preisgedicht des norwegischen Skalden Eyvindr skáldaspillirskáldaspillir = der Skaldenverderber.
Diesen Beinamen erhielt Eyvindr Finsson, weil er viele andere Skalden nachhaltig schädigte, indem er ihre Dichtungen plagierte und als eigene Werke ausgab.
Finnsson auf den norwegischen König Håkon góði Aðalsteinsfóstri - (Håkon der Gute).

Das Lied ist das letzte große Fürstengedicht, das von einem norwegischen Skalden überliefert ist. Nach Eyvinds Zeit wurden Loblieder auf die Fürsten von den isländischen Skalden gedichtet. (Siehe auch: An nordischen Königshöfen zur Vikingerzeit)

König Håkon fiel 961 in der Schlacht von Fitjar, auf der Insel Storð im Hardangerfjord. Zur Erinnerung an diese Schlacht wurde 1961 zum 1000 jährigen Jubiläum der Schlacht im Håkonarparken von König Olav die Statue Håkon den Gode enthüllt.

Das Håkonarmál nimmt eine Sonderstellung unter den Preisliedern ein, denn das eigentliche Lob auf den König ist von mythischen Erzählungen eingerahmt.

In der 1. Strophe wird von den Walküren Skögul und Göndul berichtet, die auf Anweisung Odins einen König suchen, der nach Walhall einziehen soll. Erst dann folgt in den Strophen 2 - 8 die Vorbereitung zur Schlacht und die ausführliche Schilderung der Schlacht selbst.

Die 9. Strophe enthält einen Rückblick auf die verlorene Schlacht und einen deutlichen Hinweis auf die bevorstehende Wanderung nach Walhall. Ab der 10. Strophe beginnt ein Wortwechsel zwischen Håkon und den Walküren, die ihn nach Walhall geleiten sollen.

Schließlich sendet Odin seine Söhne Hermodr und Bragr aus, um den König angemessen zu begrüßen (14. Strophe). Ausführlich wird in den folgenden Strophen der Einzug Håkons in Walhall und sein Zwiegespräch mit Odin beschrieben.

Die letzten vier Strophen (18 - 21) sind dann ein wahres Loblied auf König Håkon, in denen er als unvergleichlicher König gewürdigt wird - die letzte Strophe ist vom Inhalt her deutlich an dem Vers 76 des Havamal angelehnt.

Trotz dieser mythischen Umrahmung, in der Wesen aus der Götterwelt redend und handelnd einbezogen werden, ist das Håkonarmál ein skaldisches Preislied auf einen König, denn der in der Schlacht gefallene Håkon steht im Mittelpunkt des Liedes.

Bemerkenswert ist allerdings, dass der Skalde hier einen christlichen König nach Walhall einziehen lässt - letztlich ein Zeichen dafür, dass Håkon den Gode von seinem Volk trotz des unterschiedlichen Glaubens geachtet und als einer der ihren angesehen wurde, dem man die Ehre, in Walhall einzuziehen und an Odins Tafel zu sitzen, zuerkannte.

 


 

 

1

Siegvater sandte

Skögul und GöndulWalküren

Könige zu kiesen,

Wer von Yngwis Enkeln

Zu Odin fahren

Und in Walhall weilen sollte.

2

Sie sahn Björns BruderHakon

Die Brünne anlegen,

Unterm Kriegsbanner halten

Den König, den hehren.

SchlachtraaenSpeere neigten sich,

Man schwang die Speere;

Heerkampf erhob sich da.

3

Aufrief die Holmrygier

Und die Halogaländer

Der Fäller der Fürsten,

Zur Feldschlacht zog er;

Ihm folgte furchtbares

Volk der Nordmannen,

Dem Dänenverderber;

Ihn deckte der AarhelmHelm mit Adlergestalt

4

Er warf hin das Schlachtkleid,

Er verschmähte die Brünne,

Des Kriegsvolks König,

Eh der Kampf begann;

Er scherzte mit der Schar –

Zu schirmen war das Land –,

Der frohgemute Fürst;

Er führte den Goldhelm.

5

So schnitt das Schwert,

Geschwungen vom König,

Der Walstatt Gewande,

Als ob es Wasser trennte;

Blutzweige Schwerter brachen,

Es barsten Schilde,

Klingen erklangen

An der Krieger Häuptern.

6

Schilde und Schädel

Mit Schwertgriffs grimmem

StahlfußStahlfuß des Schwertgriffes=Klinge zerstampften

Die Streiter des Königs.

Auf dem Holm ward Heerlärm;

Die Herrscher röteten

Schimmernde Schildburgen

Mit der Schwerträger Blut.

7

WalloheWallohe=Schwert brannte

In blutigen Wunden;

Zum Leben den Leuten

Langschwerter drangen.

Das WundmeerWundmeer=Blut wogte

an der Waffen Spitze;

Über Storðös Strand

Stürzte GerflutBlut oder die Menge der anfliegenden Speere

8

Es brausten Böen

Unter Buckels Himmel,Schild

Gerstürme gingen

Über Gönduls Wolken.Schilde der Walküren

Erzwogen rauschten

In Odins Wetter,Kampf

Viel Streiter stürzten

Vor dem Strom der Schwerter.

9

Da saßen die Helden,

In der Hand die Schwerter,

Mit schartigen Schilden,

Zerschlissenen Brünnen.

Nicht war dieses Heer

Heiters Sinnes,

Das nach Walhall wandern sollte.

10

Göndul da sprach,

Auf den Gerschaft gestützt:

„Es wächst der Himmlischen Heer;

Denn es haben Hakon

Mit Heeresmacht

Die Asen eingeladen.“

11

Der Herrscher hörte,

Was die Hehren sprachen

im Sattel, die Siegjungfraun;

Wissend schienen sie,

Bewehrt mit Helmen,

Schilde schirmten sie.

12

Hakon: „Was schiedest du, Skögul,

So die Schlacht?

Wir waren doch des Waffenglücks wert!“

„Des walteten wir,

Dass die Waltstatt dein:

Doch deine Feinde fliehn.

13

Nun lass uns reiten,“

Sprach die reiche Skögul,

„Nach grünen Götterheimen,

Odin zu künden,

Dass ein Allwalter kommt,

Ihn selber zu sehn.“

14

„Hermod und Bragi“,

Sprach Heervater,

„Geht zu des Fürsten Empfang!

Denn ein König kommt,

Der kühn mich dünkt,

Zur Halle hierher.“

15

Der König sprach –

Er kam aus der Schlacht

Und stand vom Speertau bespritzt:

„Gar ungnädig

Scheint mir Odin zu sein;

Mir macht Sorge sein Sinn.“

16

„Der Einherjer Frieden

Sollst Du haben;

Trink bei den Asen Äl!

Fäller der Fürsten,

Hier findest du

Acht Brüder“, sprach Bragi.

17

„Meine Waffen“,

Sprach der wackre Fürst,

„Will ich behalten hier:

Helm und Brünne

Soll man hüten gut

Und nicht vergessen den Ger.“

18

Da ward es kund

Wie der König wohl

Gehegt die Heiligtümer,

Als Hakon alle

Heil nun boten,

Die Rater und Richtenden.

19

Zu köstlicher Stunde

Ist der König geboren,

Der solchen Sinn bewährt:

Seinen Namen

Wird nennen man

In Ehren immerdar.

20

Fessellos fährt

Der Fenrirwolf

Über der Menschen Mark,

Eh ein Herrscher kommt,

Der Hakon gleicht,

Zum verlassenen Land.

21

Besitz stirbt,

Sippen sterben,

Leer wird Haus und Hof,

Seit Hakon ging

Zu den Heidengöttern:

Viel Leid kam übers Land.

 

 

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