Professor Dr. E. Christian Dagobert Schoenfeld

Gretter der Starke - Grettis Saga Ásmundarsonar

Vorwort und Inhaltsübersicht

 

Grettis Saga Asmundarsonar

Grettis Saga Asmundarsonar
Cover der Erstausgabe der übersetzten Saga.

I. Vorwort

Eine alte Isländische Urkunde spricht aus den folgenden Blättern.

Was ums Jahr Eintausend nach Christi Geburt dort geschehen, lange mündlich überliefert von Geschlecht zu Geschlecht, endlich schriftlich abgefaßt wurde durch Snorri, aus dem Geschlecht der Sturlungen, das redet hier zum ersten Male in deutschen Zungen zu meinen Landsleuten! –

Unbegreiflich! – Denn der Wert dieser Blätter ist unschätzbar! –

An lieblichen Scenen der Gudrun, an tragischer Kraft dem Nibelungenliede gleich, überragt diese Saga doch beide durch ihr ausführliches Eingehen auf die Zustände in Haus und Familie, Gesellschaft und Staat, heimisches Rasten und frohes Wandern in damaliger Zeit.

Die Verbindung mit nordischen, in Litteratur und Kunst wohlerfahrenen Freunden führte mich zur Kenntnis dieses Stoffes. Mehrfache eigene Reisen durch den skandinavischen Norden bis zu den dunklen, wogenumrauschten Felsen des Nordkaps hinauf, gaben mir das Kolorit für die Darstellung an die Hand.

Die Urkunde spricht hier zum großen Teil in wörtlicher Übersetzung. Wo Zusammenfassung und Bearbeitung sich empfahl, wurde doch Sinn und Geist des Dokuments mit Pietät gewahrt. Einschaltungen über Politik und Kampfesweise, Sitten und Hausrat, zur Veranschaulichung erforderlich und für Leser ohne gelehrte, historische Vorkenntnis sicher erwünscht, sind das Werk des Verfassers, sowie auch die Umschmelzung des oft einförmigen Referates in den lebendigeren Dialog, die Zusammenfassung des Stoffes in die vorliegenden Abschnitte und die Überschriften der Kapitel.

Freunde der alten Litteratur werden ebensoviel Freude an dem hier Dargebotenen finden, als Leser, welche nur eine anregende Lektüre auf historischem Hintergrunde suchen.

Selbst reifere Knaben werden gerne nach diesem Buche greifen, aus dem ein so kraftvoller, reiner und edler Geist spricht; zumal die Abenteuer, welche unser Held erlebt, wahrhaft überraschend, den Erlebnissen eines Robinson Crusoe an Abwechselung wenig nachstehen.

In jener Zeit, wo, angeregt durch ein hohes Vorbild, das allgemein erwachte Interesse und die Reiselust den Norden suchen, wird der Blick in das reiche Leben des alten Island, des sagenumsponnenen, wie es sich vor tausend Jahren dort aufzurollen begann, nicht unwillkommen sein.

Hier auf Island hatte sich der am eigentümlichsten ausgeprägte Teil der Normännischen Aristokratie niedergelassen, und, geschützt durch seine insulare Tage vor fremdartigen Einflüssen, aus sich selbst heraus einen Staat von dreihundertjähriger, außerordentlicher Blüte geschaffen.

Das heute so arme Island, im Innern verwüstet von Lavaströmen, Gletschern und Stürmen, stand damals, begünstigt von einem Bersiren Klima, in hoher Kultur. Und während heute in diesem Lande, welches an Größe dem vereinigten Bayern und Württemberg gleichkommt, der reichste Bauer auf einem Gute von 80 000 Kronen Wert über ein Jahreseinkommen von nur 3320 Kronen verfügt (eine Krone = 1 Mark 12 Pfg.), ritten damals die Recken mit fürstlicher Pracht zum Alþingi auf, und auf ihren Edelhöfen fand sich reicher Besitz und feines Gerät, zusammengebracht aus landwirtschaftlicher Arbeit, fleißig betriebenem Handel, heimgebrachter Kriegsbeute und dem Dichterlohn fahrender Sänger, erworben an fremden Königshöfen.

In der That, die in der Zeit der Sturlungen von 1200 bis 1300 auf Island entstandene klassische Litteratur hat ein Recht, ebenso unvergänglich fortzuleben, wie die klassische Litteratur der Griechen aus der Zeit des Perikles. –

Dem Buche ist eine historische Karte beigegeben, welche die Örtlichkeiten, an denen die einzelnen Abenteuer sich abspielen, genau verzeichnet.

Und so können wir denn dieses Buch entlassen auf den Markt in der guten Zuversicht, der deutschen Lesewelt nicht bloß etwas völlig Neues, sondern auch eine Gabe von bleibendem Wert zu bieten.

Der Verfasser.

 


II. Inhaltsübersicht



 

Quellen:
Text:
Professor Dr. E. Christian Dagobert Schoenfeld: Gretter der Starke - Grettis saga Ásmundarsonar, Einer alten Isländischen Urkunde nacherzählt (1896).

 

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