Manfrieds Trelleborg - Die Hammaburg - der Ursprung Hamburgs

Die Hammaburg

Der Ursprung Hamburgs

Die Hammaburg wurde im 9. Jahrhundert als Niederungsburg errichtet. Diese für das Frühmittelalter typischen Anlagen (auch slawische oder sächsische Burgen genannt) besitzen oft einen schmalen tiefen Graben sowie hohe, steile Erdwälle und wurden an gut zu verteidigenden Stellen errichtet, wie beispielsweise Fluss- oder Seeinseln oder auch in der Nähe von Sumpfland. Der Name Hammaburg leitet sich aus dem altdeutschen Wort Hamme ab, was "in die Marsch vorspringende bewaldete Erhöhung" bedeutet.

Wann und wo genau die Hammaburg gebaut wurde, lässt sich aus den historischen Quellen oder aus den archäologischen Befunden nicht sicher festlegen. Fest steht nur, dass die Hammaburg bei der Ankunft Ansgars von Bremen (831/832) und der Gründung des Bistums Hamburg schon bestanden hat und bei dem Wikingerüberfall 845 zerstört wurde. Die Hammaburg wurde zudem nie wieder aufgebaut - was die Suche nach dem Ursprung Hamburgs zusätzlich erschwert.

 

 

Die Sachsenkriege

 

Karl der Große war gegen Ende seiner langjährigen Eroberungsfeldzüge kurz davor, den letzten Widerstand der Wigmodier (ein sächsischer Stamm) zu brechen. Dabei gerieten auch die NordalbingerSammelbegriff für die nördlich der Elbe siedelnden Sachsen erstmals in Kampfhandlungen mit den fränkischen Truppen.

Als Karl im Jahre 795 in Lüne die Ankunft seiner Obotritischen VerbündetenSammelbezeichnung für die damals im heutigen Ostholstein siedelenden slawischen Stämme erwartete, erhielt er Nachricht, dass die slawischen Hilfstruppen unter Führung ihres Fürsten Witzan, der als Vasall Karls bezeichnet wird, beim Übergang über die Elbe in einen Hinterhalt eben dieser Nordalbinger geraten wären und von ihnen erschlagen wurden. Karl rächte sich durch Verwüstungen im Gebiet südlich der Elbe. Drei Jahre später, als der sächsische Widerstand sich ein letztes Mal in der Ermordung der fränkischen Gesandten, die unter den Sachsen weilten, zeigte, übte Karl Vergeltung unter den Wigmodieren, in dem er erneut das Land verwüstete. Die nordalbingischen Aufständischen überließ Karl allerdings seinen obotritischen Verbündeten.

Auf dem Swentinefeld bei Bornhöved wurde das Heer der nordelbischen Sachsen vernichtend geschlagen. Beginnend mit dem Jahr 798 folgten nun regelrechte Deportationswellen von Sachsen aus dem nordelbischen Raum. Schon auf seinem Rückmarsch 798 nimmt Karl eine Anzahl von besiegten Nordalbingern mit und verteilt sie im fränkischen Reich. Nach weiteren Verschleppungen in den Jahren 799 und 802 schickte Karl 804 erstmals größere Truppenverbände über die Elbe, um auch die letzten Reste der Aufständischen zu deportieren. Dabei sollen insgesamt 10.000 Sachsen deportiert worden sein. Das so entvölkerte und verödete Nordalbingien überließ er als Dank für ihre Waffenhilfe den Obotriten, deren Fürst Trasco - mit Geschenken reich beladen - 804 zu Karl nach Hollenstedt gekommen war. Die Elbe war damit die Nordgrenze des fränkischen Reiches geworden.

 

Die Obotritenherrschaft und die Bedrohung durch die Dänen

 

Den Obotriten war kein langer Aufenthalt in den gerade erhaltenen nordelbischen Gebieten vergönnt, denn bereits sieben Jahre nach ihrer Verbannung kehrten die vertriebenen bzw. nach Dänemark geflohenen Nordalbinger in ihre Heimat zurück. Dabei dürften sie wohl von den Dänen unterstützt worden sein.

Bei den 804 im Feldlager zu Hollenstedt getroffenen Vereinbarungen zwischen Karl und den obotritischen Verbündeten war denen offensichtlich die Rolle des Hüters der Elbgrenze zugedacht worden. Dieser Aufgabe zeigten sich die Obotriten allerdings nicht gewachsen, denn die Dänen im Norden stellten eine ständige Bedrohung des Frankenreiches dar. Dies zeichnete sich schon 804 ab, als Karl sich vergeblich um die Auslieferung der zu den Dänen geflohenen sächsischen Aufständischen bemühte.

Man kann davon ausgehen, dass die sächsischen Flüchtlinge an dem Angriff beteiligt waren, den der dänische Wikingerkönig Gudfred im Jahre 808 gegen Obotriten unternahm. Er verwüstete das Land, eroberte mehrere ihrer als Ringwallanlagen angelegten Burgen und machte sie zinspflichtig. Bei diesem Feldzug vernichtete Gudfred auch den damals bedeutenden slawischen Handelsplatz Reric an der Ostseeküste und siedelte die dort heimatlos gewordenen Kaufleute in Sliestorp, dem späteren Haithabu, an.

Um ein weiteres Vordringen Gudfreds zu verhindern, schickte Karl ein Heer an die Elbe. Es kam allerdings zu keinen Kampfhandlungen, denn die Dänen zogen sich hinter die Eider zurück und begannen mit dem Bau des GöttrikwallesErweiterung des Danewerks. Nachdem 809 erneut dänisch-fränkische Verhandlungen fehlschlugen, beschloss Karl die Elbgrenze aufzugeben. Er beauftragte den Grafen Egbert, Nordalbingien zu besetzen und die Region mit Burgen zu sichern. Im Zuge der Besetzung Nordalbingiens wurde die Reichsgrenze an die Eider- und Travelinie vorverlegt. Die Obotriten, die bis dahin nur einige Teile des südlichen HolsteinAlster-Bille-Elbe-Dreieck besetzt hatten, mussten sich wieder hinter ihre Ausgangsstellung in Ostholstein zurückziehen.

 

Die Eingliederung Nordalbingiens in das Frankenreich und der Bau der Hammaburg

 

Um diese vorgeschobene Reichsgrenze gegen Angriffe zu sichern, wurde 809 zunächst der Bau der gegen die Dänen gerichteten Burg Esesfeld angeordnet und 810 fertig gestellt. Weiterhin hat Karl auch Maßnahmen zur Abschirmung der Slawengrenze erwogen und diese mit dem sogenannten Limes Saxoniaeeine mitten in einem schwer zu durchdringenden Sumpf- und Waldland, der eigentlichen Grenzzone, verlaufende, weitgehend ungesicherte Linie auch vollzogen.

Ungleich schwieriger als bei Burg Esesfeld ist die Datierung des Baus eines weiteren Bollwerks gegen die Angriffe aus dem Norden - dem Bau der Hammaburg. Fest steht jedoch, dass die Burg vor der Gründung des Bistums Hamburg 831/832 entstanden sein muss. Der spätere Bischof Ansgar nahm "seine" Kirche in der fertigen Festungsanlage in Besitz. Aus archäologischer Sicht musste der Bau dieser Festung einige Jahre in Anspruch genommen haben. Bei der mutmaßlichen Ausdehnung der Hammaburg, müsste mit dem Bau etwa Mitte des Jahrzehnts vor Ansgars Einzug begonnen worden sein, um 831 eine fertige Anlage gewährleisten zu können. Ungeklärt ist aber, wie lange die Hammaburg vor Ansgars Eintreffen schon fertig gestellt war. In Rimberts Vita Sancti Anskarii heißt es dazu:

….Kaiser Ludwig der Fromme erfuhr es aus Berichten: "Als sein Vater ruhmreichen Andenkens Kaiser Karl das ganze, mit Waffengewalt bezwungene und dem Joche Christi unterworfene Sachsen in Bistümer einteilte, übertrug er den äußersten Teil dieses Landes, der im Norden jenseits der Elbe lag, keinem der Bischöfe zum Schutze, sondern er beschloss [diesen Teil] dafür aufzubewahren, dass er dort einen erzbischöflichen Sitz einrichte [...]. Auch aus diesem Grunde ließ er dort die erste Kirche durch Amalar, einen Bischof Galliens, weihen. Auch übertrug er danach diesen Sprengel einem Priester namens Heridag zur gesonderten Verwaltung und wollte keineswegs, dass benachbarte Bischöfe Amtsgewalt über diese Gegend hätten. [Kaiser Karl] hatte auch vor, diesen Priester zum Bischof weihen zu lassen, aber dessen zu schnelles Hinscheiden aus dieser Welt verhinderte, dass dies geschah…

Damit fällt die Gründung bzw. kaiserliche Anordnung zum Bau der Hammaburg in einen Zeitraum vor dem Tode Karls des Großen (814) und in die Amtszeit des Erzbischofs Amalar von Trier (809-814). Unwahrscheinlich ist jedoch, dass diese von Rimbert erwähnte Kirche in der Hammaburg stand. Zum einen war nicht notwendig, dass eine Pfarrkirche in einer Burg stand, zum anderen spricht die für damalige Verhältnisse große Entfernung von Schenefeld zur Hammaburg dagegen. Auch der große Trierer Einfluss auf die Pfarrkirche Schenefeld widerspricht der Zuordnung Heridags Kirche zur Hammaburg, die zudem den zu missionierenden heidnischen Dänen viel näher war als eine mutmaßliche Kirche in der Hamburger Region. Das lässt es wahrscheinlicher erscheinen, dass es sich bei der Kirche Heridags um die Schenefelder Pfarrkirche handelte.

Für den Bau der fränkischen Hammaburg ist ein Zeitraum, in dem die politischen Beziehungen zu den Obotriten problematischer wurden, sehr wahrscheinlich, denn Karls Nachfolger Ludwig der Fromme führte diese Pläne weiter durch. Die fränkischen Befestigungsanlagen in Nordalbingien wären folglich von Norden nach Süden - von Esesfeld (810) über Hammaburg (817-822) bis Delbende (822) - ausgebaut worden. Darin spiegeln sich die Prioritäten von Festungsbauten, die das fränkische Reich gegen Dänen und Obotriten schützen sollten, wieder. So ist auch die allgemeine Ansicht, dass die Hammaburg eine "Klosterfestung" - wie es die Vita Anskarii vermittelt - war, eher unwahrscheinlich. Im gefährdeten und politisch recht instabilen Nordalbingen der damaligen Zeit waren kirchliche bzw. missionarische Gründungsgedanken zweitrangig. Die Hammaburg wurde wohl als weiteres Bollwerk zur Verteidigung gegen die Obotriten und militärische Etappenstation für die Versorgung der weiter zu den Dänen gewandten Festungen gegründet. Unzweifelhaft ergibt sich jedoch aus Rimberts Vita Sancti Anskarii, dass sich die Hammaburg zur wohl bedeutendsten "Basis" für die Missionierung des nördlichen Europas unter Ansgar entwickelte.

 

 

Das Bistum Hamburg

 

In der Vita Anskarii wird der Aufenthalt Ansgars in Hammaburg beschrieben. Die Vita Anskarii ist die einzige Quellenangabe über die alte Hammaburg und aus wissenschaftlicher Sicht durchaus glaubwürdig. Es gilt somit als gesichert, dass Ansgar, als er in Hamburg eintraf, eine Burg und eine Kirche vorfand. Die Kirche wird als schlichte, hölzerne Taufkirche und als Marienkirche beschrieben. Jedoch erst mit dem Eintreffen Ansgars wurde das Missionsbistum Hamburg 831/832 gegründet. Papst Gregor IV. verlieh Ansgar die Missionslegation in Nordalbingien, das kaiserliche Privileg folgte wegen einer innenpolitischen Krise erst 834 (Näheres hierzu: Ansgar von Bremen).

Bevor die Hammaburg 845 von den Wikingern zerstört wurde, muss auch schon einer Marktsiedlung da gewesen sein. Das ergibt sich aus einer Urkunde König Arnolfs für das Erzbistum Hamburg-Bremen aus dem Jahr 888:

…. Außerdem erlauben wir, dass in dem [...] Bremen genannten Ort die Prägung von Münzen und die Gewohnheit, Handel zu treiben, ausgeübt werde, wie es, so haben wir erfahren, dem Leiter derselben Kirche für Hammaburg längst zugestanden war, aber wegen des Einfalls von Heiden dort jetzt nicht stattfinden könne; und es sei in der Befugnis des [Erz-]Bischofs, denselben Markt mit dem Zollrecht zu versehen …

Weitere Hinweise auf die geistliche, politische und wirtschaftliche Lage in Hammaburg ergeben sich aus der Vita Anskarii: Hammaburg wird als Sitz eines Grafen (comte) und mit einem Vorort für Gaubewohner (pagenses) beschrieben. Rimbert von Bremen beschreibt in seiner Vita sancti Ansgari die Burg als "urbs, civitas" und berichtet von einem vorgelagertem Wik (suburbium, vicus). In der Hammaburg bildete Ansgar junge Dänen und Slawen, die er frei gekauft hatte, zu christlichen Missionaren aus. Auch Mönche aus Corvey und Corbie wirkten hier. Ansgar erbaute den ersten Holzdom (ecclesia) und ein Kloster (claustra monasterii) mit einer angegliederten Klosterschule.

 

Der Wikingerangriff

 

Rimbert beschreibt den Wikingerangriff von 845 in der Vita Anskarii so:

... es geschah, dass unerwartet Seeräuber Hammaburg erreichten und mit ihren Schiffen umzingelten. Weil dies überraschend und plötzlich geschehen war, blieb keine Zeit, die Gaubewohner zu versammeln, zumal auch der Graf, der den Befehl über diese Gegend hatte [...], gerade abwesend war. Schließlich nachdem die Burg erobert und alles, was sich in ihr und dem benachbarten Wik befand, geraubt worden war, hielten die Feinde, die am Abend angekommen waren, sich die Nacht, den folgenden Tag und eine weitere Nacht dort auf. Und nachdem so alles in Brand gesteckt und geplündert worden war, zogen sie davon. Da wurde die mit Kunstfertigkeit unter Leitung des Herrn Bischofs erbaute Kirche mit dem kunstvoll angelegten Kloster vom Feuer ergriffen. Da ging die bestens angefertigte Bibel, die der erlauchteste [...] Kaiser demselben unserem Vater geschenkt hatte, mit mehreren anderen Büchern im Feuer zugrunde. Und so wurde alles, was er dort an Kirchengerät und anderen Schätzen und Vermögenswerten besessen hatte, durch den Raub oder das Feuer beim feindlichen Angriff vernichtet, so dass sie ihn gleichsam unbekleidet entkommen ließen….
Zerstörung der Hammaburg

Der Angriff auf die Hammaburg 850

Die Wikinger, die die 845 die Elbe hinauffuhren und die Hammaburg zerstörten, waren Krieger König Horiks von Dänemark. Dieser Angriff ist nicht einfach als einer der Kriegs- und Handelszüge, die die Wikinger bis ins 11. Jahrhundert gegen Küsten- und Flussregionen Europas richteten, zu verstehen, sondern als ein Teil der andauernden militärischen Auseinandersetzungen in Nordalbingien in der damaligen Zeit. Rimbert löst in der Vita Anskarii diese Ereignisse aus ihrem politischen Zusammenhang, stellt die räuberischen Aspekte heraus und wertet den Überfall als Angriff gegen die Christenheit.

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Horik mit 600 Schiffen die Elbe hinauffuhr. Bei voller Besatzung der Wikingerschiffe müsste die Zahl der Angreifer auf Hammaburg bei 20.000 bis 24.000 Kriegern gelegen haben - was man als absolute Übertreibung ansehen kann. Übertreibungen bei der Zahl der Angreifer waren aber durchaus üblich, um vor allem die Niederlagen in einem heroischen Licht erscheinen zu lassen. Wahrscheinlicher war eine Flottenstärke von ca. 60 Langschiffen - für die damalige Zeit eine stattliche Flotte. Ansgar floh nach Bremen. Die Hammaburg jedoch konnte sich von dieser Katastrophe nicht erholen und führte lange Zeit nur noch ein Schattendasein. Erst im 12. Jahrhundert blühte die inzwischen zu einer kleinen Stadt gewachsenen Hammaburg als Hamburg wieder auf, das 1188 das lübische Stadtrecht erhielt

 

Das Erzbistum Hamburg-Bremen

 

Das Bistum Bremen ging aus einem Missionsbistum hervor. Die Diözese Bremen gehörte ab 805 zur Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Bremen war durch den Tod Bischof Leuderichs vakant - dieses Amt wurde dem aus Hammaburg geflohenen Ansgar übergeben. 848 wurde das Bistum Bremen mit dem Bistum Hamburg vereint. In der Folgezeit meldete das Erzbistum Köln wiederholt Ansprüche auf die Diözese Bremen an. Rimbert schreibt dazu in der Vita Anskarii:

... Als es sich aber ergab, dass der Glauben an Christus im Gebiet der Dänen und Schweden durch die Gnade Gottes schon Frucht zu tragen begann, erkannte [Kaiser Ludwig] die Absicht seines Vaters und, damit sein Plan nicht unvollendet bleibe, errichtete er mit Zustimmung der Bischöfe und auf einem gut besuchten Reichstag in der vorgenannten äußersten Region Sachsens jenseits der Elbe in der Burg Hamburg einen erzbischöflichen Sitz, dem die gesamte Kirche Nordelbiens unterstehen sollte [...]. Für diesen Sitz ließ der vorgenannte Kaiser unseren Herrn und Vater, den hochheiligen Ansgar, feierlich zum Erzbischof weihen ...

Mit dieser Datierung der Gründung des Erzbistums auf Ludwig den Frommen bzw. die Absicht dieser Gründung schon auf Karl den Großen, sollten wahrscheinlich sämtliche Ansprüche des Erzbistums Köln auf die Diözese Bremen zurückgewiesen werden. Papst Nikolaus I. bestätigte Hamburg als Bischofssitz und Ansgar als Missionslegaten und fügte wichtige neue Privilegien hinzu: Das Erzbistum Hamburg wurde gegründet, in diesem Rahmen wurden die Diözesen Hamburg und Bremen kirchlich vereint und die Amtsgewalt des Erzbischofs von Köln wurde ausdrücklich aus dieser neuen Diözese ausgeschlossen. Zudem wurde der Bereich, für den der Erzbischof von Hamburg als Missionslegat zuständig war, deutlicher umschrieben. An Stelle der "Region Nordalbingien" wurden die Völker Dänen, Schweden und Slawen als Missionsziel benannt.

 

 

Stadtarchäologie in Hamburg

 

Die frühesten bekannten archäologischen Beobachtungen gehen auf den Geistlichen Albert Krantz zurück. Erst im 19. Jahrhundert gelangen großflächigere Untersuchungen. Beim Neubau des Hamburger Rathauses entdeckte man alte Baureste, die nun erstmals in einer eigenständigen Veröffentlichung dokumentiert wurden. Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Beobachtungen noch am jeweiligen Baugeschehen orientiert, doch es wurden insbesondere am Heidenwall wichtige Erkenntnisse gesammelt. Erst die Zerstörungen während des 2. Weltkrieges und der dadurch bedingte Wiederaufbau ließ zahlreiche Ausgrabungen in der Altstadt möglich werden. Von 1947 bis 1957 untersuchte der Archäologe Reinhard Schindler zahlreiche Baugruben und planmäßige Ausgrabungen im Bereich der Hammaburg, des Suburbiums der Hammaburg und der ältesten Hafenanlage. 1957 musste Schindler diese Ausgrabungen unterbrechen, die erst von 1979 bis 1987 von R. Schneider fortgesetzt wurden. Schindler interpretierte seine Ergebnisse nach den historischen Überlieferungen.

 

Die Lage der Hammaburg

 

Das Gelände der Anfänge der Stadt Hamburg liegt südlich der heutigen Petrikirche, begrenzt durch das Pressehaus und die Straßenzüge Speersort, Schmiedestraße, Alter Fischmarkt und Schopenstehl. Dies entspricht im Wesentlichen dem Areal des ehemaligen Dombezirkes. Reinhard Schindler ging davon aus, dass der Amtsbezirk nordwestdeutscher Bischofssitze im Ursprung auf karolingische Befestigungen zurückgehe, und unternahm von 1947 bis 1957 auf diesem Gelände mehrerer Plan- und Rettungsgrabungen, um den Wallverlauf sowie die Innenbesiedlung der Hammaburg samt Domresten zu erfassen. Die Anlage der Ost-West-Straßeheute Ludwig-Erhardt-Strasse veränderte das Straßensystem der Altstadt entscheidend. Die ursprünglich zwischen Speersort und Schopenstehl parallel zum Pressehaus verlaufende Domstraße schneidet als Zubringer zur Ost-West-Achse seit 1955 den Nord-Osten des alten Dombezirkes als Grünfläche ab. Auf dem größeren südlichen Teil, einem Parkplatz, fand von 1979-1987 die als Domplatzgrabung bekannte Untersuchung statt, bei der das Gelände großflächig untersucht wurde.

Das heutige Bild der Hamburger Innenstadt ist das Ergebnis eines jahrhundertelangen Besiedlungsprozesses, der die ursprüngliche Landschaft völlig verändert hat. Im 7. Jahrhundert floss der Alsterlauf in einer breiten Senke zwischen den heutigen Stadtteilen Uhlenhorst und Harvestehude. Kurz vor dem Eintritt in die Elbmarsch wurde der Mündungsbereich der Alster von einer von Osten kommenden Geestzunge verengt. Durch die damalige Alsterfurt in der Gegend der heutigen Straßenzüge Große Burstah und Graskeller führte ein von Lauenburg über Geesthacht und Bergedorf kommender Handelsweg weiter nach Westen. Die Geestzunge wird im Osten von einem Geländeeinschnitt des Geestrückens begrenzt, im Süden fällt das Gelände zur Elbe mit einem Höhenunterschied von 8 Metern steil ab und im Westen ist es ebenfalls abschüssig. Lediglich im Norden bildet die Geestzunge ein Plateau, das dann zur Alsterschleife hin abfällt. Das Gelände ist also von drei Seiten natürlich geschützt. Auf dieser Geestzunge sind die Ursprünge der Stadt Hamburg zu suchen.

 

Die Doppelkreisgrabenanlage

 

Aufgrund der günstigen Lage der Geestzunge an der Alster, ist es kaum verwunderlich das dort auch schon vor der fränkischen Hammaburg gesiedelt wurde. Schindler erfasste in seinen Grabungen mehrere muldenförmige Eintiefungen, die er als Überreste sächsischer Siedlungsgruben und Grubenhäuser deutete. Bei den neueren Ausgrabungen von 1979-1987 stellte man jedoch fest, dass es sich bei den Eintiefungen um die Überreste zweier Kreisgräben handelt. Der kleinere, innere dieser Gräben hatte einen Innendurchmesser von ca. 48 Metern, der größere, äußere Graben einen Innendurchmesser von ca. 65 Metern. Beide Gräben laufen parallel von Südwesten ringförmig nach Südosten, wobei der Befund an der Steilkante zum Schopenstehl im Süden abbricht. Reste eines Walles sind nicht nachzuweisen. Einen Wall hat es wohl auch nicht gegeben, da der Abstand zwischen den Gräben zu gering ist, um einen Wall von ausreichender Höhe zur Verteidigung zwischen ihnen zu errichten. Auf eine Innenbebauung der Anlage gibt es ebenfalls keine Hinweise. Die Form der Anlage und Keramikfunde lassen auf sächsische Erbauer schließen. Schindler interpretierte den Fund von einzelnen slawischen Keramiken darauf, dass Obotriten in der Zeit ihrer Herrschaft über Nordalbingien auf dem Gebiet der Hammaburg siedelten. Da es aber keinerlei Belege für eine slawische Siedlung gibt, muss man eher davon ausgehen, dass es sich bei den Keramiken um Tauschgüter aus den Handelsbeziehungen zwischen Slawen und Sachsen handelt.

 

Die Außenbefestigungen der Hammaburg

 

Die Hammaburg nach Schindlers Rekostruktion

Die Hammaburg nach Schindlers Rekostruktion

Die Rekonstruktion, wie sie von der Hammaburg gezeigt wird, beruht weitestgehend auf Spekulationen. Ältere Siedlungsreste auf ständig besiedeltem und überbautem Gelände werden zu großen Teilen unrekonstruierbar zerstört. Im Falle der Innenstadt Hamburgs kommt noch hinzu, dass nie die gesamte Fläche des zu untersuchenden Areals ausgegraben werden konnte. Die Rekonstruktion der Hammaburg, die Schindler aufgrund seiner Interpretation und bereits vorhandenen Rekonstruktionen vergleichbarer karolingischer Anlagen erstellte, muss nach der Domplatzgrabung angezweifelt werden.

Nach Schindler umfasste die Hammaburg eine Fläche von ca. 130x130 m. Diese Fläche wurde von hölzernen Palisaden umschlossen, die mit Erde ausgefüllt war. Die durchschnittliche Wallhöhe betrug 5 bis 6 m, der Grundriss hatte die Form eines Rechteckes, dessen Ecken abgeschrägt oder gerundet waren. Wegen der verschiedenen Geländeformen waren die Wälle der Hammaburg - nach Schindler - kein einheitliches Gebilde. Jede der vier Wallflanken zeigte eine dem Bodenrelief angepasste Bauart. Im Norden war das Gelände eben - mutmaßlichen Angreifern standen also keine natürlichen Hindernisse im Weg, entsprechend stark musste dort also die Befestigung sein. Der Erdwall der Hammaburg hatte hier seine stärkste Breite (ca. 14m) und seine größte Höhe (ca. 7m). Nach Schindler wurde das Holz für die Palisade mit Äxten, in Form eines Sektorenschnittes, aus einem Stamm gespalten. Jeder der so gespaltenen Bohlen hatte einen keilförmigen Querschnitt und eine breite Rindenseite. Diese Spaltbohlen wurden wechselseitig mit den Breitkanten senkrecht aufgestellt. Von oben gesehen ergab dies ein zickzackförmiges Muster. Durch diese Anordnung stützten sich die gegeneinander gepressten Bohlen gegenseitig und machten damit tragende Querverstrebungen unnötig. Die Palisadenvorderwand war etwa sechs bis sieben Meter hoch. Da die senkrecht aufgerichteten Bohlen bei dieser Länge dem Erddruck der Wallfüllung nicht gewachsen gewesen wären, halbierte man sie und setzte sie auf halber Höhe stufenartig zurück. Das Füllwerk hinter der Holzwand bestand aus festgestampften Lehm, der dem Ganzen einen mauerartigen Halt verlieh. Die Wallkrone aber war aber mit Lagen von Heidesoden gefestigt. Die innere Wallfüllung bestand aus Sand und Soden. Zum Burginnern hin war der Erdwall terrassenförmig abgestuft. Um den Burgwachen und Verteidigern ein rasches Aufsteigen zur Brustwehr auf der Wallkrone zu ermöglichen, war ein breiter Treppenaufgang eingebaut, dessen Stufen vorn mit Brettern abgestützt und auf der Trittfläche mit Grassoden belegt waren. Eine Schräge führte von der senkrechten Außenpalisade in den 7 m breiten und 2 m tiefen Wallgraben hinab. Dieser Graben nahm fast die halbe Breite der heutigen Speersort-Straße ein.

Auf der Westseite wählten die Erbauer eine andere Wallkonstruktion. Den Geländeabfall ausnutzend, grub man die senkrechte Vorderpalisade auf halbem Hang in die Erde ein. Her standen die einzelnen Planken jedoch nicht im Zickzack, sondern waren in gerader Linie aufgereiht und wurde durch Querstreben zusammengehalten. Der Hohlraum zwischen Vorderpalisade und dem Hang wurde mit Erdreich aufgefüllt. Hier konnte man den Wehrgang auf der Wallkrone ohne den Einbau von Treppen und ohne Leitern erreichen. Vor der Westpalisade lagen zwei Gräben. Der unmittelbar vor der Palisade befindliche Graben war kaum einen Meter breit und nur 60 bis 80 cm tief. Der äußere Graben, der im nördlichen Abschnitt ebenfalls eine geringe Breite hatte, verbreiterte sich nach Süden beträchtlich. Am Übergang von Geest zu Marsch nahm er fast die ganze Breite der heutigen Schmiedestraße ein. Er war so tief, das er im südlichen Abschnitt möglicherweise Wasser führte. Beim Südwall wurde das Bauprinzip des Westwalles beibehalten. Wegen des sumpfigen Vorgeländes erübrigte es sich, einen Graben anzulegen. In der Südwestecke der Befestigungsanlage vermutete Schindler auch das Haupttor der Hammaburg. Über die Ostbegrenzung ist nichts bekannt, sie wird sich aber vermutlich auch dem Bodenrelief angepasst haben.

Die Domplatzgrabungen von 1979 bis 1987 haben an Schindlers Rekonstruktion jedoch Zweifel aufkommen lassen. Die Archäologin Caroline Schulz zweifelt an der Zugehörigkeit der Terrassenkonstruktion zur Hammaburg. Sie ging davon aus, dass diese Konstruktion einem späteren Bauwerk zuzuordnen sei, da die Bodenschicht zwischen Palisade und Hinterbau starke Veränderungen aufweist. Das heißt, dass Palisade und Terrassenkonstrukt nicht in ein und derselben natürlichen Schicht gefunden wurden und man daher davon ausgehen muss, dass die Bauwerke aus verschiedenen Bauperioden stammen. Schulz vermutete zudem, dass sich das Haupttor der Hammaburg eher in der Mitte des Westwalles befand, statt. Allerdings hatte auch Schindler in seiner zeichnerischen Rekonstruktion der Hammaburg entgegen seiner Aufzeichnungen das Haupttor in die Mitte des Westwalles gesetzt. Nach Schulz wurden durch holzbiologischen Untersuchungen bei den Auswertungen der Domplatzgrabung die Holzarten Esche, Erle, Esche, Buche, Hainbuche, Birke und Pappel festgestellt. Aufgrund ihrer Haltbarkeit ist jedoch Eiche die einzige Holzart, die für die Befestigungen verwendet werden konnte. Die anderen Holzarten sind daher der Innenbebauung zuzuordnen.

 

Die Innenbebauung der Hammaburg.

 

Nach Schulz sind bei der Innenbebauung der Hammaburg insbesondere eine Sickergrube und die mutmaßlichen Überreste des hölzernen Domes besonders aussagekräftig. Die Sickergrube befindet sich im südlichen Teil des Geländes und ist ca. 2 Meter tief. Nach Aufgabe der Sickergrube wurde der Schacht mit Abfällen aufgefüllt. Bei diesen Abfällen handelt es sich um mit Feldsteinen versetzten, stark humosen, sandigen Lehm, Zweige, abgebeilte Holzstücke, Tierknochen und Keramik. Im gesamten umliegenden südlichen Bereich der Innenfläche und über der Sickergrube befindet sich eine bis zu einem Meter mächtige Schicht aus Resten der Holzverarbeitung, die mit Schlachtabfällen und Holzkohle vermengt ist. Das Vorhandensein einer Sickergrube und der im umliegenden Sediment zurückgebliebenen Abfälle lässt auf gewerbliche Tätigkeiten in diesem Bereich schließen.

Die erste schriftlich belegte Kirche Hamburgs ist Ansgars ecclesia miro opere, die beim Wikingerüberfall 845 zerstört wurde. Archäologisch sind vier Rechteckspfosten nachgewiesen, die unter dem Mittelschiff des späteren gotischen Domes liegen. Die Lage spricht zwar für einen Sakralbau, doch Bereich lässt sich ein Grundriss nicht sicher rekonstruieren. Holzkirchen der karolingischen Zeit lassen sich allerdings kaum von anderen Bauten unterscheiden - nur die Lage unter dem späteren Dom spricht für eine Kirche. Auch lässt es sich nicht sicher klären, ob es sich bei dieser mutmaßlichen Kirche um die Ansgars handelte oder um einen späteren Bau. Über die übrige Innenbebauung der Anlage lassen sich kaum Aussagen treffen. Die hohe Dichte an Überresten von Herdstellen, Keramiktrümmer usw. an den Innenseiten der Wallanlagen, ließen Schindler aber zu dem Schluss kommen, dass sich die Bebauung an den Wällen orientierte. Aufgrund dieser Indizien und der allgemeinen Größe der Anlage, ging Schindler davon aus, dass die Zahl der ständigen Bewohner der Hammaburg 50 Personen wahrscheinlich nicht überstiegen haben dürfte.

 

Hafen und Vorstadt

 

An der heutigen Großen Reichenstraße verlief bis 1877 der Reichenstraßenfleet. Schindler und sein Team stießen hier bei den hier durchgeführten Ausgrabungen auf unbehauene Baumstämme, die parallel zum ehemaligen Ufer geschichtet und zur vorherigen Wasserseite gegen Abrutschen verpflockt worden sind. Schiffanlandungsstellen dieser Art sind typisch für den ganzen nordeuropäischen Bereich des 9. und 10. Jahrhunderts. Die älteste bekannte Hafenanlage Hamburgs befand sich also direkt südlich der Burganlage und ist vermutlich der Zeit Ansgars zuzuordnen. Nach Schindler hat sich die VorstadtWik bzw. suburbium der Burg vermutlich zwischen Altem Fischmarkt und Rathausstraße erstreckt. An der Schauenburgerstraße stieß man auf die Überreste von Flechtwandhäusern und Herdstellen. Unter den Funden aus der Schauenburgerstraße befanden sich einige Keramiken, die Rückschlüsse auf die ersten Bewohner des Wiks zulassen. Gefunden wurden u.A. sogenannte "Birka- oder Friesenkanne" - ein sehr hochwertiges Produkt, das vermutlich nicht vor Ort hergestellt wurde. Wahrscheinlich handelte es sich bei den Bewohnern dieses Teils der Siedlung um Kaufleute, zumindest aber um wohlhabende Personen. Dieser Fund datiert die Häuser eindeutig in die Zeit Ansgars, denn die Birkakannen sind ein zuverlässiger Hinweis für die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts. Bei vielen anderen Keramiken, die gefunden wurden, wurde eine Beimengung von Muschelgrus festgestellt. Dies nahm man als Indiz dafür, dass viele der frühen Bewohner des Wiks aus dem südlichen Küstenbereich der Nordsee stammten, wo Muschelgrus - bedingt durch das natürliche Vorkommen der dem Grus zugrunde liegenden Muscheln - häufig in Keramiken verwendet wurde. Aber auch diese Muschelgruskeramiken könnten genauso nur Handelswaren gewesen sein, denn die gefundenen einheimischen Keramiken aus dieser Zeit sind eher schlicht und weisen nicht die kunstvollen Verarbeitungen der gefundenen Muschelgruskeramiken auf. Aufgrund der vielen nicht dem Hamburger Umland zuzuordnen Funde ging man davon aus, dass viele der ersten Siedler und Händler aus dem westlichen Teil des fränkischen Reiches kamen und im Schutze der Burg ein neues Handelszentrum gründeten. Die restliche Bevölkerung des Wiks hat sich wahrscheinlich aus einheimischen Sachsen zusammengesetzt. Ob Vorstadt und Hafen zeitgleich entstanden sind, ist noch nicht eindeutig geklärt.

 

Die neuesten archäologischen Untersuchungen

 

Von Juli 2005 bis Dezember 2006 führte das Helms-Museum eine weitere archäologische Ausgrabung auf dem Domplatz mitten im Zentrum Hamburgs durch. Wie bei den früheren Ausgrabungskampagnen 1947-57 und 1980-87 standen auch bei dieser Grabung die Anfänge der Stadt Hamburg im Vordergrund der Untersuchungen: die Hammaburg aus dem frühen 9. Jahrhundert und der von Erzbischof Ansgar 831/32 errichtete älteste Hamburger Dom.

Die Ausgrabung brachte eine Fülle von Erkenntnissen, die die Hamburger Siedlungsgeschichte in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Gerade in Bezug auf die Hammaburg konnten wesentliche Einblicke gewonnen werden. Eines scheint heute festzustehen: Die Burganlage befindet sich entgegen den älteren oben geschilderten Annahmen nicht auf dem Domplatz. Die Archäologen konnten zwar eine Fülle von Spuren aus dem Mittelalter bis in die heutige Zeit sichern, aber sie fanden keine Belege für die bereits 845 von den Wikingern zerstörte Hammaburg.

Lange Zeit schien die Frage der Hammaburg bereits entschieden zu sein, konnte doch bei den Grabungen in den Nachkriegsjahren auf dem Domplatz eine mächtige Ringwallanlage mit vorgelagertem Wehrgraben aufgedeckt werden, die nach damaligem Kenntnisstand in das frühe 9. Jahrhundert zu datieren war. Heute wissen die Archäologen, dass mit dem Bau dieser Burganlage erst im ausgehenden 9. oder frühen 10. Jahrhundert begonnen worden ist, so dass der Ringwall für die Hammaburgzeit nicht in Frage kommt. Die Befestigung wird daher als Domburg gedeutet, erbaut zum Schutz des erzbischöflichen Mariendoms.

Bis heute fehlt somit jeder archäologische Hinweis darauf, wo genau Erzbischof Ansgar 831/32 seine Domkirche erbauen ließ. Als gesichert gilt allerdings, dass der Dom um 900 bereits seinen Standort auf dem Domplatz hatte.

Die Archäologen vermuten den Standort der Hammaburg nun weiter östlich, im Verlauf der späteren Hamburger Stadtbefestigung, des sog. Heidenwalls, der um 1200 das Stadtgebiet zwischen Alster und Elbe/Bille als Abschnittswall nach Osten schützte. Es ist davon auszugehen, dass der Wallkörper der Hammaburg bei dem Angriff der Wikinger nicht abgetragen wurde, sondern weitgehend erhalten blieb. Die Wissenschaftler nehmen an, dass der Heidenwall auf den Resten der ehemaligen Hammaburg errichtet worden ist.

In der Hamburger Stadtgeschichtsforschung wird nun allgemein davon ausgegangen, dass die älteste Siedlung des beginnenden 9. Jahrhunderts am Domplatz und am Reichenstraßenfleet südwestlich davon zu suchen ist, wo sich der älteste Markt und der oben beschriebene Schiffslandeplatz befanden. Nach den Grabungen auf dem Domplatz deutet sich aber an, dass Hamburgs Besiedlung nicht im Süden an Bille und Elbe ihren Anfang genommen hat, sondern vielmehr im Norden nahe St. Petri und zur Alster hin.

Die Suche nach dem Standort der historisch belegten Hammaburg bleibt weiter spannend und reiht sich damit ein in die Reihe der historisch belegten aber bisher archäologisch noch nicht nachgewiesenen Orte der Wikingerzeit wie z.B. Truso oder Vineta.

 

Quelle:
Universität Hamburg - Hamburgs frühe Stadtentwickelung
Helms-Museum Hamburg - Der Domplatz und der "Mythos Hammaburg"
Rimbert: Vita Anskarii, Kapitel 12 u. 16, Übersetzt von G. Waitz, Hannover 1884

 

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