Ansgar von Bremen

Der Apostel des Nordens

Ansgar von Bremen, *801 bei Corbie, †5. Februar 865 in Bremen, auch Anscharius, Anskarius, Ansger genannt, war ein Mönch des Benediktiner-Ordens, Erzbischof von Hamburg und Bremen und Missionsbischof für Skandinavien. Die römisch-katholische Kirche verehrt den Apostel des Nordens als Heiligen.

 

Ansgar von Bremen

Ansgar von Bremen
Der Apostel des Nordens

Ansgar war Schüler bei den Benediktinern von Corbie. Laut der Legende wurde er durch eine Erscheinung seiner verstorbenen Mutter zum Eintritt in das Kloster seiner Heimatstadt bewogen, so dass er bereits im Alter von fünf Jahren nach dem frühen Tod seiner Mutter von seinem Vater dem Kloster als Benediktineroblate übergeben wurde. Bereits 816 unterrichtete er selbst an der Klosterschule. 823 wurde er ins neu gegründete Kloster Corvey in Westfalen geschickt und leitete dort die Klosterschule.

Ansgars Leben wurde von der Erinnerung an eine Vision bestimmt, die er als etwa zwanzigjähriger Lehrer in Corbie hatte. Damals hatte ihn eine Stimme beauftragt: Gehe hin! Mit der Krone des Martyriums wirst du zu mir zurückkehren.

 

Diesen visionären Auftrag begann er im Jahr 826 zu verwirklichen. Der Dänenkönig Harald hatte sich zusammen mit 400 Gefolgsleuten in Ingelheim bei Mainz in der Hoffnung taufen lassen, so beim Reich Unterstützung für seine Thronansprüche in Dänemark zu erhalten. Damit eröffnete sich die Möglichkeit zur Missionierung Dänemarks. Ansgar begleitete nämlich auf Bitten Kaiser Ludwigs dem Frommen, dem Sohn von Karl dem Großen, Harald beim Feldzug im Norden. Begleitet und unterstützt wurde er dabei von seinem Helfer Autbert. Doch Harald ging nach seiner Taufe gar nicht nach Dänemark, sondern blieb auf seinem Lehen in Friesland - und damit scheiterte 827 dieser erste Missionierungsversuch.

 

Bereits 829 wurde Ansgar von König Björn nach Schweden eingeladen. Ansgar folgte in kaiserlichem Auftrag dieser Einladung und erreichte im Frühjahr 830 Birka - das heutige Björkö. Dort gründete er seine Missionsstation und errichtete die erste christliche Kirche Schwedens. Aber 831 wurde Ansgar zurückgerufen und auf Betreiben des Kaisers zum Missionsbischof und ersten Bischof von Hamburg ernannt. Dort war der Bischofssitz für weitere Missionsunternehmen im Norden neu errichtet worden. In der Hammaburg, der Keimzelle Hamburgs, ließ er eine Mariakirche errichten, eine zunächst einfache, hölzerne Taufkirche.

 

Ansgar war jedoch fest entschlossen, seine Arbeit in Skandinavien fortzusetzen. Er reiste nach Rom und Papst Gregor IV. verlieh ihm den Titel des Pallium, gleichzeitig wurde als Päpstlicher Legat für Skandinavien, Dänemark und die Slaven eingesetzt. In die Hammaburg zurückgekehrt gründete Ansgar mit Hilfe Ludwigs des Frommen eine Schule sowie ein Kloster und ließ an Stelle der Taufkirche eine dreischiffige, hölzerne Marienkirche errichten, die Vorläuferin des 1805 abgerissenen Mariendoms. Er weihte Gosbert zum Missionsbischof für Schweden und nahm unter dem Schutz des Dänenkönigs Haarik I., dem es gelungen war, Dänemark zu vereinen, seine eigene Missionstätigkeit in Schleswig wieder auf. Hamburg wurde 832 zum Erzbistum erhoben.

 

Wenige Jahre später verlor Ansgar mit dem Tod seines großen Förderers Ludwig durch die Reichsteilung sein Missionszentrum in Turholt in Flandern - das heutige Torhout in Belgien. Im Jahr 845 plünderten die Wikinger Hammaburg, das sich inzwischen zu einer kleinen Stadt entwickelt hatte. Ansgar entkam diesem Überfall nur knapp und floh nach Bremen. Auch die Missionsstationen in Schweden wurden vernichtet - Schweden und Dänemark kehrten zu ihren alten Religionen zurück. Ansgar wurde nun vom deutschen König Ludwig dem Deutschen zum Nachfolger des 845 gestorbenen Bischofs Leuderich von Bremen ernannt, damit er eine neue Grundlage für die Mission habe.

Das Erzbistum Köln, zu dem Bremen gehörte, leistete jedoch lange Widerstand, die Bestätigung der Ernennung durch Papst Nikolaus I. erfolgte erst im Jahre 864. In Bremen errichtete Ansgar Spitäler, kaufte Gefangene frei, setzte sich für die Abschaffung des Sklavenhandels ein und nahm seine Missionstätigkeit wieder auf. In Haithabu - dem heutigen Haddeby in Schleswig, in Ripen - dem heutigen Ribe - und auch in Birka wurden neue Kirchen errichtet - die Missionserfolge stellten sich so zuerst in den Handelszentren ein, wo es schon zuvor Kontakte mit mit den dort noch wohnenden Christen gegeben hatte.

 

Ansgar predigt bei den Schweden

Ansgarius predikar Christna läran i Sverige
(Ansgar predigt die christliche Lehre in Schweden)

Anno 851 war eine erneute Mission in Schweden erfolgreich, denn König Olaf erlaubte dem Volk die Annahme des christlichen Glaubens und schon 852 konnte Ansgar in Sigtuna eine neue Missionsstation gründen, deren Leitung er seinem Schüler Rimbert übertrug. Auch der dänische König Haarik II. wurde nun bekehrt, Ansgar kehrte nach Hamburg zurück, jedoch musste er nach der Zerstörung Hamburgs durch die Normannen schon 864 erneut nach Bremen ausweichen und wurde nun Erzbischof des Erzbistums Hamburg-Bremen. Ansgar nahm aber 851 die Missionsarbeit in Schweden wieder auf, indem er zunächst den Priester Ardgar dorthin sandte. Dessen Arbeit war erfolgreich, denn der dänische König Horik II. ließ sich ebenfalls taufen und soll von Ansgar gesagt haben: In meinem Leben habe ich keinen so edlen Mann gesehen und in keinem Sterblichen so viel Treue gefunden wie in Ansgar.

Ansgar reiste 853 selbst nach Schweden und stiftete dort und auch in Schleswig mehrere Kirchen.

Von Bremen aus leitete er in den letzten Lebensjahren weiter das Missionswesen der Nordländer, vollendete in Bremen eine Steinkirche und gründete drei Klöster. Der Ansgarikirchhof in Bremen erinnert noch heute an sein Wirken.

Ansgar starb am 5. Februar 865 in Bremen nach langer Krankheit.

 

Ansgar schrieb eine an Wundererzählungen reiche Biographie über Willehad und eine Gebetssammlung, die so genannte Pigmenta. Wegen seiner Verdienste um die Ausbreitung des Christentums in Schweden, Dänemark und im Gebiet um Schleswig nennt man Ansgar den Apostel des Nordens. Bei dieser Missionstätigkeit erlitt Ansgar so viele Rückschläge, dass sein Schüler und Biograf Rimbert sein ganzes Leben als ein Martyrium deutete, obwohl Ansgar kein gewalttätiges Ende erleiden musste. Die Stärke seines Charakters, die Zielgerichtetheit seiner Planungen und persönlicher Mut vereint mit seinen visionären Anlagen - Zeit seines Lebens erhielt Ansgar Weisungen durch Gesichte, Träume oder Auditionen - ließen ihn so unermüdlich seinen Weg gehen. Wenn auch der bleibende Erfolg der Mission insgesamt nicht groß war, blieb doch die Erinnerung an seine charismatische Persönlichkeit bedeutend.

 

Hauptquelle für Ansgars Leben und Persönlichkeit ist die Vita Anskarii, die von seinem Schüler und Nachfolger in Bremen Rimbert verfasst wurde. Die Vita Anskari liefert zudem auch wertvolle Quellen und Schilderungen zur Missionsgeschichte der Karolingerzeit, der Ursprünge Hamburgs und zur Geschichte des europäischen Nordens.

Rimbert sagte über seinen Lehrer: Er wollte den Blinden Auge, den Lahmen Fuß und den Armen ein wahrer Vater sein.

Der Bericht über Ansgars Aufenthalt in Birka in der Vita Anskarii, Kap. 19 - 20, ist aufschlussreich für die Form der Bekehrungspropaganda, die Rolle des Königtums im Zeitalter der Mission, die Glaubensvorstellungen und die Verfassungsgeschichte des Nordens.

 

Im Mittelalter wurde Ansgar in Hamburg sehr verehrt, auch die Reformation in der Stadt im Jahr 1529 tat dieser Verehrung keinen Abbruch. Darstellungen Ansgars finden sich unter anderem im Rathaus und an der Trostbrücke. Reliquien befinden sich in der katholischen St. Ansgar-Kirche, dem Kleinen Michel.

Schon Papst Nikolaus I. sprach Ansgar der Überlieferung nach heilig, er ist der Patron von Skandinavien und des Erzbistums Hamburg.

Das Erzbistum Hamburg ehrt verdiente Laien mit der Ansgar-Medaille, die evangelische Nordelbische Kirche verleiht an engagierte Ehrenamtliche das Ansgarkreuz.

 

Quelle:
Encyclopædia Britannica
Ökumenisches Heiligenlexikon
Catholic Encyclopedia
Bilder: Wikipedia, gemeinfrei
Linkes Bild:
Hl.Ansgar - Gemälde von Bendixen in derTrinitatiskirche in HH-Altona
Rechtes Bild:
Radierung von Hugo Hamilton (1830) - Die Darstellung des Erzbischof Ansgar von Hamburg-Bremen bei der Verkündigung des Christentums zu den heidnischen Schweden

 

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#1 | Manfried , Dezember 04 2011 20:53:49
Denkmal für "Apostel des Nordens"

Stele und "Ansgar Memoria" nahe der Haddebyer St.-Andreas-Kirche eingeweiht
An den Kosten beteiligen sich auch Gläubige aus Dänemark


Busdorf. Fünf Jahre haben Kirche, Wissenschaftler, Gemeinde und Architekt geplant und gebaut. 55 000 Euro hat das Projekt gekostet. Jetzt ist alles fertig: Feierlich wurde am Wochenende das "Ansgar Memoria" nahe der St.-Andreas-Kirche in Haddeby eingeweiht.

"Viri et feminae, relicta superstitiosa idolorum cultura..." Der lateinische Vers steht, in Stein gehauen, auf einer Stele zwischen Kirche und Museum in Haddeby. "Männer und Frauen ließen ab von ihrem abergläubischen Götzendienst...", heißt der Satz übersetzt - und soll Wanderer neugierig machen auf ein Denkmal, das 20 Meter weiter in Richtung Noor auf der grünen Wiese steht. Gewidmet ist es Ansgar, dem Benediktiner-Mönch und späteren Erzbischof von Hamburg und Bremen. Als Missionar war er auserkoren, die Länder Skandinaviens zum Christentum zu bekehren, 849 nach Christus hatte er hier zu disem Zweck eine Kirche gegründet.

1162 Jahre später feierte die Kirchengemeinde Haddeby mitsamt rund 50 geladenen Gästen das Leben und Werk Ansgars. Den Nachfahren muss der Kirchenmann eine Menge bedeuten: Immerhin 30 000 Euro wurden von beiden Seiten der Grenze gespendet, um die 144 Stahlstäbe, die ein Dach in Form eines Kreuzes tragen, in die historische Erde zu setzen.

An vorderer Stelle steht dabei Fritz Gehrmann, einer der Motoren innerhalb des Initiativkreises für den Bau des Denkmals und Kirchenvorstandsvorsitzender. Er führte in der St.-Andreas-Kirche ins Thema ein, der Experte Professor Reinhart Staats gab dann Einblicke in die Vita des Kirchenmannes: Der "Apostel des Nordens", wie der Missionar auch genannt wird, habe politischen Frieden zwischen verfeindeten Stämmen vermittelt, wo immer er dazu die Gelegenheit hatte. Auch sei für ihn die Freiwilligkeit der Religion sehr wichtig gewesen. Die Zwangstaufe beispielsweise habe er abgelehnt, so Staats. Die schlimmste Provokation dagegen, mit der er die Nordmänner gegen sich aufbrachte, war das Verbot der Blutrache. Staats: "Wenn wir heute über Werte der abendländischen Kultur sprechen, können wir noch viel von Ansgar lernen - auch heute steht sein Name für eine starke christliche Wurzel."

Den Reden in der Kirche folgte die Enthüllung der Stele mit Inschrift: Feierlich lüfteten Bischof Niels Henrik Arendt aus Hadersleben, der Bischofsbevollmächtigte des Sprengels Schleswig und Holstein, Gothart Magaard und Architekt Peter Hense den wegweisenden Gedenkstein. Im Anschluss daran gingen die Gäste durch die Memoria, ließen sich auf der Sitzrunde in der Mitte des Denkmals nieder. Umsorgt wurden sie übrigens von "Ansgars Erben": So heißt der Pfadfinderstamm, der sich in Haddeby trifft und über einem Lagerfeuer am Kirchenportal dampfend heißen Tee anbot.


Quelle:
shz.de

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