Manfrieds Trelleborg - Hoernerhelme - warum eigentlich

Hörnerhelme - warum eigentlich?

Helm von Gjermundbu

Der Helm von Gjermundbu - der einzige Wikingerhelm weltweit.
Der Helm von Gjermundbu, bekannt als der »Brillenhelm« und »der Wikingerhelm« überhaupt, ist der einzige Helm dieser Art, der jemals gefunden wurde.
Entdeckt wurde der Helm 1943 in Gjermundbu, einem Hof etwas außerhalb Haugsbygds in der Gemeinde Ringerike.
Zwei reichhaltig ausgestattete Gräber, Gjermundbu und Gjermundbu II., wurden dort gefunden. Bei den Ausgrabungen wurden eine große Anzahl von Grabbeigaben eines Wikingerkriegers wie Speere, Äxte, Schwerter und Schilde geborgen - dazu ein Kettenhemd und eben dieser eine Helm.
Alle Objekte wurden auf die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts, ca. 970, datiert.

Wikinger trugen keine Hörnerhelme. Diese Tatsache ist sicher bekannt, aber es ist schon erstaunlich, dass trotzdem immer noch viele Leute glauben, dass der “Hörnerhelm” zu den Wikingern gehört. Mal abgesehen davon, dass ein mit ausladenden Hörnern bestückter Helm sehr unpraktisch und sogar gefährlich für den Träger war, kann man die Helme der Wikinger eher unspektakulär nennen, wie auf dem hier abgebildeten Fundstück zu sehen ist.

 

Man findet auch in keinem Dokument aus dieser Zeit Hinweise, dass die Wikinger im Kampf Hörnerhelme getragen hätten. Weder in den sehr ausführlichen und farbigen Berichten der arabischen Geschichtsschreiber Ahmad Ibn Rustah (ca. 900 ausführliche Schilderungen über Wikinger) oder Ibn Fadlan (Häuptlingsbegräbnis von 922) noch bei Adam von Bremen, der 1069 am Hofe des Dänenkönigs Sven Estridsson weilte und in der Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum (verfasst ca.1075) sehr umfangreich über die Wikinger berichtet, finden sich Schilderungen über derartige Helme.

 

Nur eine Ausnahme gibt es. Hierbei handelt es sich aber um einen sogenannten Ritualhelm, der aus Bronze gefertigt war. Diese Helmart wurde bei bestimmten Ritualen getragen und ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs. Viele Wikinger nahmen die als besonders schön geltenden Keltinnen zur Frau(ca. 60 % der weiblichen Bevölkerung waren nach jüngeren Untersuchungen Keltinnen), so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass Hochzeiten nach keltischen Riten abgehalten wurden und dazu auch rituelle Gegenstände aus der keltischen Kultur verwendet wurden.

 

Bildtitel

Ein "gehörnter" Ritualhelm, der 1946 in Brøns Mose bei Viksø (Veksø) auf Seeland gefunden wurde.
(National Museum of Denmark).

Interessant ist nun die Frage, woher kommt eigentlich der “hörnerbehelmte Wikinger”, der sich so hartnäckig in vielen Büchern, Geschichten und natürlich im Fantasy - Bereich hält.
Hierfür sind mehrere Ereignisse, die sich fast zeitgleich ereigneten, ausschaggebend.
“Erfunden” wurde der Hörnerhelm im 19. Jahrhundert, also etwa 700 Jahre nach der Wikingerzeit. Es war das Zeitalter der Romantik (ca.1790 - 1880), in der das Mittelalter geradezu mystifiziert und verklärt wurde. Die Vorliebe für das Traumhafte, Wunderbare, Unbewusste, Übersinnliche trat überschwänglich in der Kunst und Gesellschaft hervor.

 

In dieser Zeit, genau im Jahr 1811, wurde in Schweden der Götiska Förbundet (Gotischer Bund) gegründet. Es war eine Vereinigung von schwedischen Schriftstellern, die den Geist der nordischen Mythologie in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts einbringen wollten. Angefangen hat es, als sich einige (ehemalige) Kommilitonen regelmäßig trafen, um die "alten Nordländer" zu feiern. Sie trugen bei diesen Treffen Wikinger-Helme, tranken aus Hörnern und gaben sich alt-nordische Namen. Mit der Zeit entwickelte sich bei den Treffen der gemeinsame Gedanke der skandinavischen Bevölkerung den Geist der Nordländer durch Gedichte und Erzählungen wieder nahe zubringen. Sie vermischten in ihren Gedichten altnordische mit keltischen, griechischen und römischen Elementen, wodurch sie die alte Welt des Nordens zum Gegenstand dichterischer Behandlung und historischer Forschung zu machen suchten.

 

Dieser Bund veranstaltete regelmäßig Feste, an denen die Gesellschaft rege teilnahm. Seinen Höhepunkt feierte der Bund im Jahre 1869 mit einem Kostümball in Stockholm, zu dem die Besucher mit Hörnerhelm, Rundschild und Speeren erschienen. Dieses gesellschaftliche Ereignis wurde über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Viele Menschen in anderen Ländern nahmen die Kostümierung wohl eher als authentische Kleidung der Wikinger an, da der Veranstalter ja ein Bund gebildeter Menschen war und hochgestellte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens daran beteiligt waren - und in Skandinavien, dem Ursprung der Wikinger, musste man ja wissen, wie die Wikinger gekleidet waren.

 

Am 22. September 1869 fand unter der Leitung von Franz Wüllner die Uraufführung von Wagners “Rheingold” statt. Ludwig II. hatte gegen Wagners Wunsch auf die Leitung Wüllners bestanden, da dieser die bekannt düster - melancholischen Vorlieben des Königs umsetzte. Entsprechend üppig und heroisch fielen Bühnenbilder und Kostüme aus. Dank Richard Wagner und seinem Nibelungen – Zyklus wußte jeder, wie man sich eine Walküre oder den nordischen Gott Odin vorzustellen hat. Hünenhafte Gestalten mit überdimensionalen Flügelhelmen geisterten damals - und teilweise auch heute noch - durch die Köpfe des Lesers, wenn er sich den Abenteuern des Recken Siegfried widmet oder den Donnergott Thor auf seinen Reisen zu den Riesen begleitet. Es wurden sogar Postkarten von diesen Aufführungen erstellt.

 

Gleichzeitig wurde der Markt mit Gemälden von Künstlern aller Herren Länder überschwemmt, die vornehmlich die Motive des wagnerschen Nibelungen – Zyklus als Thema hatten. Zudem wurden von dem schwedischen Maler August Malstöm 1820 erstmals Sagas aus der EDDA illustriert. Hierzu griff er auf damals bereits gängige Germanen-Klischees zurück, nämlich den Hörnerhelm.

 

Germanendarstellung nach Philipp Clüver und Hagen von Tronje bei Wagner

Darstellung germanischer Krieger nach Philipp Clüver (links)
Hagen von Tronje bei Wagner (rechts)

Die erste bekannte Abbildung eines Kriegers mit Hörnerhelm stammt von dem Historiker Philipp Clüver, der mit seinem sechsbändigen Werk Introductio in Universam Geographiam (Einführung in die universelle Geographie) eine Einführung in die Länder mit Schwerpunkt auf eine menschlich - historische Betrachtung verfasst hat. In dem ersten Band Germania Antiqua, der 1616 erschien, sind Stiche von Germanen mit Hörnerhelmen bzw. Fellüberwürfen enthalten. Dieses Werk Clüvers blieb aber bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ein Standardwerk der Geschichte und Geographie und man kann davon ausgehen, dass die damaligen Maler und Illustratoren bei ihren Darstellungen von den Abbildungen in diesem Werk stark beeinflusst wurden. Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald, zwischen 1838 und 1875 nach Entwürfen von Ernst von Bandel erbaut, ist ein bekanntes Beispiel für damalige Darstellung der germanischen Krieger.

 

Diese Ereignisse, der Götiska Förbundet, Wagners Nibelungen - Zyklus und die darstellende Kunst in Verbindung mit der Romantik brachten den Hörnerhelm für die Wikinger. Bis heute hat sich dieser Helm als „Wahrzeichen“ der Wikinger gehalten. Bei vielen Veranstaltungen wird er in den skandinavischen Ländern immer noch von den Besuchern getragen und ist so zu einem Markenzeichen geworden.

 

Wikinger trugen keine Hörnerhelme - nur Hägar und Wiki - aber die dürfen das.

 

Quelle:
Bilder: Wikipedia.org
Wagner - Postkarten
Philipp Clüver

 

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