Manfrieds Trelleborg - Die Trelleborg - anno 981

Die Trelleborg - anno 981

Alte Ansicht der Trelleborg

Die Trelleborg
So könnte damals von der Seeseite her ausgesehen haben.
Die Burg war nur mit kleinen Booten zu erreichen.

Im Jahr 1934 dröhnt Motorenlärm durch die sonst so stille Landschaft des südwestlichen Seeland unweit der kleinen Stadt Slagelse. Motorradfahrer haben einen großen Rundwall als ideale Rennstrecke für sich entdeckt. Die Fahrer sind begeistert von den örtlichen Gegebenheiten und so wenden sie sich an die örtlichen Ämter, um die Genehmigung zum Errichten einer Rennbahn zu erhalten.

 

Bevor aber diese Genehmigung erteilt wurde, untersuchte man das Gelände und entdeckte so ein einzigartiges Bauwerk aus längst vergangener Zeit - die Trelleborg.

In den Jahren 1934 - 1941 wurde dann diese großartige Anlage ausgegraben und zeigte in beeindruckender Weise die Macht und das Können der Wikinger.

 

Der Name Trelleborg (Trælleborg) ist nicht ungewöhnlich. Es handelt sich um einen sogenannten Wandernamen, allein in Dänemark gibt es über zwanzig gleichartige Wortformen (Trojeborg und Trollburg).

Der erste Teil des Wortes wird vielfach auf das altdänische Wort thræl, altwestnordisch Þræll, zurückgeführt, das Sklave, Unfreier bedeutet. Damit würde auf die von Sklaven errichteten Erdwälle hingewiesen - also die von Sklaven errichtete Burg. Diese Darstellung ist aber sehr umstritten. Andere Meinungen gehen von dem nordischen Dialektwort Treller aus, was Stämme, Stangen bedeutet und so im direkten Zusammenhang mit der Einfassung stehen würde, was wahrscheinlicher ist. Der zweite Wortteil ist da einfacher zu interpretieren. Zweifellos ist hier das altdänische Wort borgh oder burgh, altwestnordisch borg, gemeint, das Umwallung bedeutet.

 

Die Trelleborg heute

Die Trelleborg heute.
Das Gelände zwischen dem im Hintergrund sichtbaren Belt und der Burg war früher Sumpf und Seengebiet.
Nur die Vorburg hatte "Landverbindung".

Die Trelleborg ist als die Wikingerburg bekannt. Erbaut wurde sie um 980 auf einer Landzunge in einem weitgehend unzugänglichem Sumpfgebiet, das zudem noch durch einen See mit dem großen Belt verbunden war. Der See und das Sumpfgebiet sind längst verlandet, übrig sind noch zwei Flüsse, die das Gebiet der Trelleborg umfließen, im Norden ist es der Tudeå und im Süden der Vårbyå. Westlich der Burg vereinen sich die beiden Flüsse zur Næsbyå, die dann in den etwa drei Kilometer entfernten Belt mündet. Das zeigt auch heute noch, dass zur Wikingerzeit die Trelleborg von der See aus mit dem Schiff erreichbar war. Zwar wurden sogenannte Wegsperren errichtet, um größeren Schiffen das Anlanden zu verwehren, für die kleineren Schiffe, wie Ferærðr bátr und Teinsæringr, dürfte die Zufahrt aber kein Problem gewesen sein.

 

Bei den umfangreichen Grabungen stellte man fest, dass die Trelleborg offensichtlich auf einem alten Opferplatz angelegt wurde. Es wurden mehrere brunnenartige Opfergruben gefunden, aus deren Inhalt man schließen kann, dass dort Opfer dargebracht wurden. Dass der Opferplatz älter ist als die große symmetrische Anlage der Burg, ergibt sich daraus, dass die Opfergruben mehrfach unter die Häuser der Burg greifen und zugeworfen wurden, bevor die Anlage errichtet wurde. In einer dieser Gruben lagen zwei kleine Kinder zusammen mit dem Kopf und den Gliedern eines jungen Ziegenbocks, dem man die Stirn eingeschlagen worden war, eine andere Grube enthielt ebenfalls zwei Kinder und große Teile einer jungen Kuh, eines Hundes und Knochen von anderen Tieren und eine dritte enthielt den Schädel eines Menschen. Weiterhin fand man die Reste mehrerer kleiner, hufeisenförmiger Gebäude, die als „Wohnungen“ für die Götter interpretiert werden, sowie ein etwa 30m langes Wohnhaus, bei dem es sich um das Wohnhaus des Gode, der dem Tempel vorstand, gehandelt haben kann.

 

Grundriss der Trelleborg

Grundriss der Trelleborg (Ausschnitt)
Alle Maße sind in Fuß angegeben.
Ein Fuß entspricht 29,5 cm.

Diese Reste wurden sorgfältig aufgefüllt, der Platz sehr sorgsam planiert, bevor man mit dem Bau der Trelleborg nach einem offenbar sehr genau ausgearbeitetem Entwurf begann. Die Trelleborg unterscheidet sich von anderen Wikingerburgen des gleichen Bautyps durch ihre Vorburg. Keine andere der vergleichbaren Burgen weist ein ähnliches Merkmal auf. Diese nach Osten hin der Hauptburg vorgelagerte Vorburg macht die Trelleborg so einzigartig.

 

Beeindruckend ist auch die exakte Anlage der Burg. Zwei Straßen, die die Hauptachsen der Burg bilden, sind präzise von Norden nach Süden bzw. Westen nach Osten ausgerichtet. Der Schnittpunkt dieser beiden als Straßen ausgebildeten Hauptachsen ist der Mittelpunkt der kreisrund angelegten Hauptburg und auch der radial angelegten Vorburg. Der Radius des Wallgrabens ist ebenfalls genau nach diesem Mittelpunkt ausgerichtet. Um diese Genauigkeit zu erreichen, haben die Baumeister zunächst den Mittelpunkt und den Verlauf der beiden Achsen festgelegt, um dann um diesen Mittelpunkt die Zirkelbogen, die die Wälle und den Graben begrenzen, geschlagen - eine wahrhaft meisterliche Leistung der Ingenieurskunst in der damaligen Zeit. Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt des Grundrisses der Trelleborg mit allen relevanten Maßangaben.

 

Die mathematische Präzision der Anlage ist schon außergewöhnlich. Als Maßeinheit wurde der römische Fuß (römischer Normalfuß = 29,57 cm, berechnetes Mittelmaß Trelleborgfuß = 29,5 cm) genommen, der sich in allen Maßen zeigt. So sind zum Beispiel die Häuser Hauptburg 100 Fuß und die Häuser der Vorburg 90 Fuß lang, die Breite des Ringwalls und des Wallgrabens beträgt jeweils 60 Fuß. Der Radius von der Burgmitte bis zur Innenseite des Ringwalles beträgt 234 Fuß, während er von der Burgmitte bis zum Vordergiebel der Vorburghäuser das doppelte Maß (468 Fuß) hat. Der größte Radius, der die Innenkante des Walls der Vorburg festlegt, beträgt stolze 600 Fuß - immerhin 177m. Diesen Radius so genau anzulegen, wie es die Skizze zeigt, ist schon eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass den Wikingern unsere heutige Technik nicht zur Verfügung stand. Auch die Ausrichtung der Häuser der Vorburg, die strahlenförmig radial zum Zentrum angeordnet waren - wobei die Längsachse aller Häuser auf das Zentrum der Hauptburg ausgerichtet war - ist außergewöhnlich und unterstreicht die Einmaligkeit der Anlage.

 

Querschnitt des Burgwalls

Querschnitt des Burgwalls

Der Durchmesser der Hauptburg beträgt 138m. Sie wird von einem Ringwall von 17,5m Breite und 6m Höhe umschlossen. Die Innen- und Außenseiten des Walls bilden konzentrische Kreise mit der Mitte des Burgplatzes als Zentrum. Der Wall war sowohl an der Außenseite als auch an der Innenseite mit Palisaden aus Eichenstämmen verkleidet. An der Vorderseite war die Verkleidung mit Zinnen bewehrt. Der Wall wurde mit Querbalken, die die Verkleidungen miteinander verbanden, verstärkt. Vor dem östlichen, landseitigen Teil des Walls befand sich eine 6m breite Berme. Davor war der 17,5m breite und 4m tiefe V-förmige Wallgraben, der als Trockengraben ausgelegt war. Auf der Grabensohle waren vermutlich zugespitzte Palisaden eingegraben. Die westliche Seite der Burg war durch das Sumpf- und Seegebiet ein Graben überflüssig.

 

In die Burg hinein führten vier Tore, deren Lage durch die als Straßen ausgebildeten Hauptachsen bestimmt wurde. Vom Süd- und Osttor aus wurden die Straßen in gerader Linie weitergeführt zur Vorburg. An diesen Stellen führten zwei Brücken über den Wallgraben. Die Torwände waren mit senkrechten, halbrunden Palisaden verkleidet, die eine waagrechte, mit Lehm bestrichene Bohlendecke trugen. Um den Druck des Erdwalls auf diese Palisadenwände abzufangen, wurden diese mit 6 m dicken Steinpackungen, die sich durch die ganze Breite des Walls zogen, verstärkt. Die Tore konnten mit schweren Torflügeln verschlossen werden, am Süd- und Westtor wurden Torringe, Schlösser und Schlüssel gefunden.

 

Rekonstruktion der Trelleborg

Computerunterstützte Rekonstruktion der Trelleborg.

An der Innenseite des Walls verlief ein Ringweg. Die beiden durch die Burg verlaufenden Straßen waren mit Holzplanken gepflastert. Diese beiden Hauptachsen, die Nord-Süd- und die West-Ost-Straße, teilten den Burgplatz in vier gleiche Teile. In jedem dieser Viertel standen vier Langhäuser, die in vier Quadrate um einen Innenhof zusammengefasst waren. Die Häuser waren 29,4 m lang und waren in der typischen Schiffform erbaut (s. Artikel Wikingerhäuser in Skandinavien).

Die Aufteilung war dreigeteilt in eine große Mittelhalle (18 x 8 m) und in zwei kleinere Räume an den Giebelseiten. Jedes Haus hatte 4 Eingänge, an den beiden Giebel- bzw. Längsseiten jeweils einen, die mit Windfängen geschützt waren. Bei einigen der Häuser wurden unter den Giebelräumen Keller gefunden, die als Vorratsräume. Abfallgruben oder auch als Keller für Gefangene dienten. Die Trelleborg bot für ca. 1300 Menschen Platz.

 

Zusätzlich zu den Langhäusern gab es noch drei kleinere Häuser, eines im Norden des nordöstlichen Hausquadrates, zwei weitere jeweils in der Mitte des nordöstlichen und des südwestlichen Hausquadrates. Die Funktion dieser Häuser ist noch ungeklärt, da es sich um "herdlose" Gebäude handelte, vermutlich waren es Lagerhäuser. Des weiteren waren beim Nord- und beim Westtor jeweils ein kleines Haus mit quadratischem Grundriss, die offensichtlich als Wachhäuser dienten. Diesen Grundriss der Hauptburg hatten auch die anderen drei Burgen bei Aggersborg, Fyrkat und Nonnebakken. Diese Trelleborg jedoch hatte als einzige der bekannten Wikingerburgen eine Vorburg, die sie so sehr von den anderen unterscheidet.

 

Fundstücke aus der Trelleborg

Fundstücke aus der Trelleborg

Die östlich vorgelagerte Vorburg ist ebenfalls durch einen Wall und Wallgraben begrenzt. Allerdings war diese Sicherung kleiner als bei der Hauptburg. Der Wall war hier „nur“ 8m breit und 4m hoch, der V-förmige Graben ebenfalls etwa 8m breit und 4m tief. Hier fehlten auch die Palisaden auf der Grabensohle. In der Vorburg waren 15 Langhäuser radial zur Hauptburg angeordnet, die Mittellinien der Häuser liefen strahlenförmig auf den Mittelpunkt der Hauptburg zu. Auch die Langhäuser der Vorburg waren in der typischen Schiffform erbaut, waren jedoch mit 26,3m kleiner als die Häuser der Hauptburg. Zwei der Gebäude standen etwas abseits von den anderen Häusern, zu beiden Seiten der nach Osten verlaufenden Straße.

 

Hinter diesen beiden Häusern war eine rechteckige Erweiterung der Vorburg, in der sich ein Friedhof befand. Dieses Gräberfeld umfasste 135 Erdbestattungen meist jüngerer Männer, es wurden aber auch Gräber von Frauen und Kindern gefunden. Zwei der Gräber waren zur Massenbeisetzung für 5 und 11 Personen verwendet worden. Bei etwa 2/3 der Gräber fand man keine Grabbeigaben, die anderen enthielten nur wenige Stücke. Das Grabgut umfasste nur wenige Waffen, unter denen eine ungewöhnlich breitschneidige Streitaxt mit Silberbelag bemerkenswert war. Eines der Frauengräber war jedoch reichhaltig mit Grabbeigaben ausgestattet. Es handelte sich dabei um Perlen, einem Bronzeeimer, einem Holzkästchen und Spielsteine. Auf hoch liegenden Plätzen um die Trelleborg wurden auch Reitergräber gefunden.

Weitere Fundstücke innerhalb der Trelleborg waren Werkzeug, wie zum Beispiel Zange, Hammer, Amboss und Feile, landwirtschaftliche Geräte, darunter Sensenblätter und ein Pflugeisen, ferner Schmucksachen (eine hufeisenförmige Spange, eine vergoldete Brosche mit Königskopf als Nachahmung einer der Münzen des englischen Königs Ethelred, eine schalenförmige Schnalle und eine dreieckige Fibel), Tongefäße und Zubehör zum Spinnen und Weben.

 

Lange war es die allgemeine Auffassung - erstmals vom Ausgräber Trelleborgs, Poul Nørlund, geäußert -, dass diese Burgen Trainingslager waren - Kasernen für die Wikingerheere, mit denen Sven Gabelbart nach mehreren Englandzügen das Inselreich im Jahre 1013 endlich eroberte. An dieser Auffassung kann jedoch nicht festgehalten werden. Entscheidend dafür ist, dass durch Jahresringmessungen (Dendrochronologie) an dem im Trelleborger Wallgraben verwendeten Holz nachgewiesen werden konnte, dass die Bäume für den Bau der Burganlage im Winterhalbjahr 980/81 gefällt wurden, also lange vor 993, dem Jahr, in dem Sven Gabelbart in den englischen Quellen erstmals als Teilnehmer einer Englandfahrt genannt ist.

Weiterhin sah man die Burgen als Verteidigungsanlagen gegen äußere Feinde, insbesondere aus dem Norden und aus dem Süden. Diese Theorie stützt sich auf die Lage der Burgen im Norden und Osten Dänemarks und zwar dort, wo es keine anderen Befestigungsanlagen gab. Außerdem gebe es Parallelen in anderen Ländern, die diesen Zweck nahelegten. Die militärischen Konfrontationen mit Norwegern, Schweden, Deutschen und Slaven gäben Grund genug.

Auch sah man die Burgen als Machtdemonstration im Zuge der Reichseinigung. Man bringt sie mit den inneren Unruhen in Verbindung, die in seinem Aufstand gegen die Christianisierung gipfeln. Diese Theorie entstand vor der dendrochronologischen Datierung. Sie stützte sich auf die Aussage Harald Blauzahns auf einem Jellingstein, dass er ganz Dänemark erobert habe. Dazu passte ihre Lage weit weg vom Meer, aber nahe bei wichtigen Straßenverbindungen. Als Variante wird noch vermutet, es handele sich um Prestige-Anlagen Haralds und um politische Machtzentren.

 

Eine weitere Interpretation sieht sie als Zwingburgen, deren Hauptzweck die Bekämpfung der Unruhen, die im Aufstand Sven Gabelbarts gegen seinen Vater ihren Höhepunkt erreichten. Den Hintergrund dieser Theorien bildet die präzisere dendrochronologische Datierung in die späte Regierungszeit Harald Blauzahns.

 

Leider ist die Quellenlage der dänischen Geschichte um 980 nicht umfassend genug, um den Bau der Burgen mit Sicherheit in eine bestimmte politische Situation einpassen zu können. Eines steht jedoch fest, mit der Ausgrabung der Trelleborg wurde ein völlig neues Licht auf die Wikingerzeit geworfen. Die Burgen sind beeindruckende Zeugnisse eines organisatorischen Talents und technischen Könnens, die früher niemand mit der dänischen Wikingerzeit verbunden hätte.

 

Quelle:
Wikingerburg
Bygningskunst (Dänisch)
Auf den Spuren der Wikinger in Dänemark
Gottes Burg Vårby Å (Dänisch)
Militære anlæg(Dänisch)
Trelleborg
Vikingeborgen Trelleborg (Dänisch)

 

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