Manfrieds Trelleborg - Die Dänischen Wikinger

Die Dänischen Wikinger

Drei Jahrhunderte Wikingerzeit

Im Jahre 793 n.Chr. erwähnt die Angelsächsische Chronik einen Wikingerüberfall auf das Kloster Lindisfarne, das auf einer Insel, dicht vor der Nordostküste Englands lag:

„In diesem Jahr erschienen unheilverkündende Zeichen über Northumbria, die dem Volk große Furcht einflößten. Sie bestanden aus mächtigen Wirbelwinden und Feuerblitzen, und in der Luft wurden feuerspeiende Drachen beobachtet. Diesen Zeichen folgte unmittelbar eine Hungersnot, und kurz danach im selben Jahr, am 8. Juni, wurde die Kirche Gottes auf Lindisfarne durch das Wüten der plündernden und mordenden Heiden erbarmungswürdig verwüstet.“
Dieser Überfall, der erste belegte Angriff der Wikinger in Europa, markiert in der traditionellen Geschichtsforschung den Beginn der Wikingerzeit.

 

Dänische Wikinger landen in England

Im Jahre 793 landen Dänische Wikinger in der Nähe von Tynemouth an der nordenglischen Küste.

Man kennt jedoch indirekte Hinweise auf frühere Wikingerüberfälle auf England, und in Skandinavien reichen mehrere Elemente der Gesellschaftsordnung, die für die Wikingerzeit bezeichnend sind, bis weit in das 8. Jahrhundert zurück. Somit kann der Beginn dieser Epoche mit gutem Recht auf die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts datiert werden. In den darauffolgenden gut 300 Jahren spielte Skandinavien bei vielen zentralen und dramatischen Ereignissen in ganz Europa eine wesentliche Rolle. In ihren offenen, Rahsegel getakelten Booten segelten die Wikinger die Küsten Europas entlang und gingen- jeweils den Umständen entsprechend - als Händler, Seeräuber oder Kolonisten an Land. Das Wort „Wiking“ taucht auf mehreren zeitgenössischen Runensteinen in Skandinavien auf, und hier wahrscheinlich in der Bedeutung „Seekrieger“ oder „Heerfahrt zur See“.

Außerhalb Skandinaviens wurden die Männer aus dem Norden mit anderen Namen bezeichnet. Die Franken nannten sie „Ascomanni“ (d.h. Eschenmänner) oder „Normanni“, die angelsächsischen Quellen benutzen oft die Benennung „Dani“. In Byzanz und im arabischen Reich hießen sie „Rus“ oder „al-Magus“. Schweden, Norwegen und Dänemark hatten in dieser Zeit jeweils eigene Interessengebiete, die der geographischen Lage der Länder entsprachen. Für die Schweden war es ein leichtes, über die Ostsee zu segeln und sich in den baltischen Ländern anzusiedeln, von wo aus sie über die russischen Flüsse bis zum Schwarzen Meer und zum Kaspischen Meer vordrangen.

Zielgebiet der Norweger waren die Inseln im Atlantik, Schottland und Irland. Außerdem ließen sie sich auf Island und Grönland nieder, und entdeckten „Vinland“ und damit den nordamerikanischen Kontinent. Die Dänen segelten die Küsten Westeuropas entlang und nach Ostengland. Oft setzten sich jedoch die Schiffsbesatzungen, die auf große Fahrt gingen, aus Männern zusammen, die aus mehr als einem der skandinavischen Länder stammten.

Dänemark erfuhr durch die drei Jahrhunderte dauernde Wikingerzeit eine fundamentale Veränderung. Von einem nahezu unbekannten heidnischen Gebiet entwickelte sich Dänemark bis zum Ausgang der Wikingerzeit zu einem fest etablierten Königreich und Mitglied der christlichen Gemeinschaft Europas. Das Ende der Wikingerzeit wird auf die Mitte des 11. Jahrhunderts datiert, und als Datum für den Beginn einer neuen Zeit wird oft das Todesjahr König Hardeknuds (1042) angesehen. Sein Tod bedeutete das Ende einer Epoche, in der dänische Könige auf Englands Thron saßen.

 

Die Hintergründe für die anscheinend plötzliche Expansion der skandinavischen Länder Anfang des 9. Jahrhunderts sind oft diskutiert worden. Wahrscheinlich handelte es sich nur um eine Kulmination dessen, was bereits in den Jahrhunderten vor der Wikingerzeit vor sich ging, aber aufgrund veränderter Verhältnisse, bekommt der Aufbruch jetzt explosionsartigen Charakter. Aus europäischer Perspektive befinden wir uns in einer Epoche, in der sich die politischen und wirtschaftlichen Schwerpunkte vom Mittelmeerraum nach Norden verlagert haben.

Durch das Vordringen der Araber in den Mittelmeerländern in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts war der Handel zwischen Byzanz und Westeuropa unterbrochen. Neue Handelswege zwischen Ost und West mussten gefunden werden, und diese führten jetzt über die Ostsee und Skandinavien und über die russischen Flüsse Dnjepr und Wolga. Die Einigung des Frankenreichs bedeutete, dass das nordwestliche Europa vom 7.bis 8. Jahrhundert handelspolitisch größere Bedeutung gewann, und bereits zu Anfang der Wikingerzeit gab es feste Handelsverbindungen zwischen Dänemark und dem Rheingebiet.

Die Stadt Dorestad (das heutige Duurstede in Holland) am unteren Lauf des Rheins gehörte zu den wichtigsten Handelszentren Nordeuropas. Von Dorestad wurden die Produkte des Rheingebietes mit Schiffen in andere Gegenden des Frankenreichs und nach England gebracht. Die reiselustigen und neugierigen Wikinger waren sehr gut über die instabilen politischen Verhältnisse orientiert, die vielerorts in Westeuropa herrschten. Mit der Verschiebung der europäischen Handelszentren nach Norden eröffneten sich neue Möglichkeiten für leichte Beute, und die Wikinger zögerten nicht, diese neue Situation auszunutzen. Das Schiff spielte in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Die nordischen Schiffe waren seetüchtige, schnelle Fahrzeuge, die sich für Überraschungsangriffe und schnellen Rückzug hervorragend eigneten.

 

Mit der Wikingerzeit erhalten wir zum ersten Mal schriftliches Quellenmaterial zur Erhellung der damaligen Verhältnisse in Dänemark. Die meisten Berichte stammen von ausländischen Klerikern, die - im Zusammenhang mit dem Versuch, die heidnischen Nordleute zum wahren Christenglauben zu bekehren - die Verhältnisse in diesem nördlichen Land beschrieben. Den Wikingern selbst war die Schreibkunst nicht ganz unbekannt. Die großen Gedenksteine, die Runensteine, erzählen in knappen Worten von Ereignissen und Menschen. Zum ersten Mal in der Geschichte treten die Dänen auf und erheben selbst ihre Stimme. Grundlegend für das Verständnis der damaligen Gesellschaft sind jedoch die archäologischen Zeugnisse. Durch verbesserte Ausgrabungsmethoden sowie mit Hilfe technischer und naturwissenschaftlicher Nachbarwissenschaften wird das Bild, das sich von der Wikingerzeit zeichnen lässt, immer nuancierter.

 

Dänemark ist ein Agrarland, und in der Wikingerzeit - wie auch bis in unsere Gegenwart- war die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig. Gerste, Roggen, Hafer und Weizen wurden angebaut, und Knochenfunde belegen, dass man Rindvieh, Schweine, Pferde, Schafe und Ziegen hielt. Es war der Bauernstand, aus dem sich die Kriegsmannschaft für die Schiffe und die wachsende Zahl der Händler und Handwerker rekrutierten. Dörfer und Höfe bildeten zusammen größere Einheiten - Siedlungen -, und es gibt gute Gründe zu der Vermutung, dass die freien Bewohner der Siedlungen sich selbst regierten und ihre eigenen Angelegenheiten selbst regelten, wobei sie regelmäßig auf dem Thing zusammenkamen, um Streitfälle zu entscheiden.

Die Gesellschaft war in Stände unterteilt; dabei lassen sich drei Gesellschaftsklassen deutlich unterscheiden: die Oberschicht der Krieger mit dem König an der Spitze, die freien Bauern und die rechtlosen Sklaven. In den letzteren Jahren wurden in Dänemark mehrere umfassende archäologischen Untersuchungen von Höfen und Dorfsiedlungen durchgeführt. Im Dorf Vorbasse in Mitteljütland wurden Spuren gefunden, die von einer ununterbrochenen Besiedlung aus der Zeit vor Christus bis zum heutigen Dorf zeugen. Die Besiedlung in Vorbasse während der Wikingerzeit verlief in zwei Phasen. In der ersten, sie reichte vom 8. bis zum 10. Jahrhundert, bestand das Dorf aus 7 Höfen, die sich um eine 8-10 m breite Straße gruppierten. Die Hofanlagen waren große, rechteckige Parzellen, abgegrenzt durch Hecken und mit einem Tor zur Straße hin. Jede Hofanlage hatte ein großes Hauptgebäude mit der Wohneinheit an dem einen, und einem Stall mit Trennwänden für Boxen am anderen Ende, sowie mehrere kleinere Nebengebäude. Die Hauptgebäude hatten eine Länge von ungefähr 30 m und boten Platz zum Wohnen und für 20-30 Tiere. Die kleineren Häuser wurden als Scheunen, Werkstätten und wahrscheinlich als Wohnungen für Bedienstete und Sklaven genutzt. Im 11. Jahrhundert veränderte sich die Struktur von Vorbasse.

Die Gesamtfläche des Dorfes vergrößerte sich, und es wurden neue Höfe gebaut, von denen einer - der Hof eines Häuptlings - erheblich größer war als die Höfe des früheren Dorfes. Man wohnte jetzt nicht länger mit den Tieren unter einem Dach, sondern baute eigene Stallungen, die bis zu 50 Tieren Platz boten. Die Gesamtanzahl der Höfe scheint indes nicht größer geworden zu sein. Das Dorf Vorbasse hatte guten Zugang zu niedrig gelegenen, feuchten Wiesen, auf denen das Vieh grasen konnte, und die vielen Boxen-Trennwände in Häusern und Ställen lassen darauf schließen, dass Viehzucht eine wichtige Rolle gespielt haben muss. Der Viehbestand muss in der älteren Besiedlungsphase bei etwa 150 Tieren gelegen haben, und es scheint, dass diese Zahl im 11. Jahrhundert durch den Bau der neuen, freiliegenden Stallungen gestiegen ist. Das Vieh gab Milch, Fleisch, Häute und Arbeitskraft, und wurde wahrscheinlich auch für den Verkauf gezüchtet. Es ist schwierig, über die zahlenmäßige Größe der Bevölkerung Dänemarks zur Wikingerzeit genaues auszusagen. Trotz umfangreicher Untersuchungsarbeiten ist bisher nur eine geringe Anzahl von Siedlungen aus dieser Zeit ausgegraben worden, wobei die Ergebnisse dieser Untersuchungen nicht auf ein deutliches Wachstum der Landesbevölkerung im Lauf der Wikingerzeit schließen lassen. Während das Dorf Ausdruck für eine Fortsetzung der Besiedlung früherer Zeiten ist, kommt es in der Wikingerzeit zu den ersten eigentlichen Städtegründungen.

Die beiden ältesten dänischen Städte liegen - was ganz natürlich erscheint - nahe am europäischen Festland, und zwar im Süden der jütländischen Halbinsel: Ribe im Westen und Haithabu (dän. Hedeby) im Osten. Bereits seit Anfang des 8. Jahrhunderts war Ribe ein etablierter Handelsplatz, wo regelmäßig Märkte abgehalten wurden. Von Ribe aus gab es gute Verbindungen nach England, Friesland und zum Frankenreich, und die Stadt muss eine wesentliche Rolle als Skandinaviens Tor nach Nordwesteuropa gespielt haben. Es gab engen Kontakt zu einem großen dänischen Hinterland, und die vielen Importfunde aus fränkischem Gebiet - u.a. große Mengen Glas - zeugen von den lebhaften Kontakten zum Süden. Bei Ausgrabungen stieß man auf Spuren einer Reihe von Spezialhandwerken, die auf dem Marktplatz ausgeübt wurden, darunter Perlen- und Kammacherei, Textil- und Lederarbeit, Schmiedearbeit und Bernsteinschleiferei. Ribes große Zeit als Handelsplatz war das 8. Jahrhundert bis etwa Mitte des 9.Jahrhunderts, als er anscheinend an Bedeutung verlor. Vielleicht war es Haithabu, das einen Teil des Handels übernahm, der früher über Ribe führte. Haithabus Lage zeigt die Stadt als südwestlichen Knotenpunkt für den Ostseehandel.

Über die Gründung von Haithabu berichten die Fränkischen Reichsannalen. Der dänische König Godfred hatte 808 einen slawischen Handelsplatz namens Reric zerstört und die Kaufleute von dort nach Haithabu übersiedeln lassen. Gleichzeitig verstärkte er zur Abwehr von Feinden aus dem Süden das Danevirke (Danewerk), eine große Wallanlage. Wie im Fall von Ribe reichen auch die Wurzeln von Haithabu bis ins 8.Jahrhundert zurück, aber vermutlich erst durch Godfreds Eingreifen Anfang des 9.Jahrhunderts wurde der Grundstein für die größte Stadt des Nordens in der Wikingerzeitgelegt. In ausländischen schriftlichen Quellen sowie auf den heimischen Runensteinen und in Skaldengedichten aus dieser Zeit wird Haithabu oft erwähnt. Die archäologischen Untersuchungen in Haithabu lassen vermuten, dass die Besiedlung von Anfang an nach einem regelmäßigen Anlageplan erfolgt ist. Parallelzueinander und rechtwinkelig zu dem Bach, der quer durch die Stadt verläuft, wurden Straßen angelegt. Die Stadt war in eingezäunte Parzellen eingeteilt, auf denen jeweils ein Haus stand, dessen Giebel zu den mit Planken belegten Straßen gewandt war.

Mit einer Grundfläche von meist nicht mehr als 60m2 waren die Häuser recht klein. Sie lagen dicht zusammen, und um sie herum gab es nicht viel freie Grundstücksfläche. Im Hafengebiet wurden Reste von Molen gefunden, die vom Ufer in den Hafen hinaus reichten. Das Hafenbecken selbst hatte zum Schutz vor Angriffen von der Seeseite her eine halbkreisförmige Holzpalisade, die unter Wasser in den Boden eingerammt war. Über 340.000 Funde wurden bei den Ausgrabungen in Haithabu gemacht. Sie erzählen von Handel, Handwerk und Alltagsleben. Der große halbkreisförmige Wall um die Stadt wurde erst in unruhigen Zeiten Mitte des 10. Jahrhunderts angelegt. Wir besitzen die Schilderung eines Augenzeugen aus der zweiten Hälfte des 10.Jahrhunderts, als At-Tartuschi, ein aus Spanien stammender Araber, Haithabu besuchte. Sein Bericht ist wie folgt überliefert:

„Schleswig (Haithabu) ist eine sehr große Stadt am äußersten Ende des Weltmeeres. Im Innern der Stadt gibt es Quellen mit Süßwasser. Ihre Bewohner beten Sirius an, abgesehen von der kleinen Anzahl, die Christen sind und dort eine Kirche haben. At-Tartuschi erzählt: Sie feiern ein Fest, wo sie alle zusammenkommen, um den Gott zuehren und um zu schlemmen. Derjenige, der ein Opfertier schlachtet, stellt an der Tür zu seinem Hofplatz Pfähle auf, an denen er das Opfertier aufhängt - gleich, ob es sich um ein Stück Rindvieh, einen Widder, einen Ziegenbock oder ein Schwein handelt -, damit die Leute sehen, daß er zu Ehren seines Gottes opfert. Die Stadt ist arm an Waren und Reichtümern. Wichtigstes Nahrungsmittel der Leute sind Fische, denn davon gibt es reichlich. Wenn jemand Kinder bekommt, wirft er sie ins Meer, um die Kosten zusparen. Im übrigen berichtete er, daß das Recht auf Scheidung bei den Frauen lag. Wenn sie Lust dazu haben, trennen sich die Frauen einfach von ihren Männern. Man hat dort auch eine künstlich hergestellte Augenschminke; wenn sie diese verwenden, verbleicht die Schönheit nie, sondern nimmt bei Männern und Frauen sogar zu. Er sagte auch: Nie hörte ich hässlicheren Gesang als den der Schleswiger, es ist ein Brummen, das aus ihren Kehlen kommt, ähnlich wie Hundebellen, doch noch tierischer als dieses“.

Grundlage für die Gründung der Stadt war die Sicherung von Handelsinteressen. Friede und Sicherheit mussten herrschen, sonst hätten sich die Kaufleute ferngehalten. Aufgabe des Königs war es, den Marktfrieden zu sichern und dafür zu sorgen, dass sowenig wie möglich Seeräuber die Schiffe angriffen, die Waren zum Markt brachten. Als Gegenleistung konnte er Abgaben von den Händlern fordern. Im Laufe der Wikingerzeit und je mehr die Macht der Könige gestärkt wurde, kam es im übrigen Dänemark verstärkt zu Städtegründungen, und Mitte des 11. Jahrhunderts wurde der Grundstein für mehrere Städte gelegt, die auch heute noch existieren.

 

Das erste Mal, dass wir mit Sicherheit den Namen eines Königs aus den historischen Quellen erfahren, ist im Zusammenhang mit der ältesten überlieferten Missionierung im Lande Anfang des 8. Jahrhunderts. Damals besuchte der englische Missionar Willibrord, Erzbischof von Utrecht, „die Stämme der wilden Danen (Dänen)“. Darüber wird berichtet:

„Dort soll Ongendus (wahrscheinlich eine lateinische Umschreibung des nordischen Namens Angantyr) geherrscht haben, ein Mann, grausamer als ein wildes Tier und härter als Stein, aber nach dem Willen Gottes behandelte er die Verkünder Wahrheit jedoch ehrenhaft“.

Es handelt sich hier möglicherweise um den gleichen Ongendus, der Ribe gründete.

Vieles deutet darauf hin, dass es in Dänemark bereits seit Beginn des 8. Jahrhunderts eine starke Zentralmacht gegeben hat, zumindest in Jütland. Die älteste Bauphase des großen Verteidigungswalls nach Süden - des „Danewerks“ - lässt sich bis auf das Jahr 737zurückdatieren, und 726 wurde quer durch die Insel Samsø an ihrer schmalsten Stelle ein eine Kilometer langer, holzverkleideter Kanal gebaut, um die Schifffahrt in den dänischen Belten beherrschen zu können. Der Bau so großer Anlagen muss eine feste Organisation erfordert haben. Für das 9. Jahrhundert geben die fränkischen Quellen vereinzelt Auskunft über dänische Könige. Erwähnt wurde bereits König Godfred, der 808 Haithabu gründete, und der mächtig genug war, für Karl den Großen eine Bedrohung darzustellen. Außerdem werden die Könige Horik der Ältere und Horik der Jüngere erwähnt, die in den 50er Jahren des 9. Jahrhunderts dem Missionar Ansgar gestatteten, in Haithabu und Ribe Kirchen zu bauen. Erst ab Mitte des 10. Jahrhunderts liegen ausreichende Informationen vor, aus denen sich eine zusammenhängende Reihe von Königen erkennen lässt.

Das Gebiet, das später das mittelalterliche Dänemark ausmachen sollte, war allem Anschein nach bereits um 800 weitgehend geeint. Jedenfalls ist es ziemlich sicher, dass König Godfred zu Beginn des 9. Jahrhunderts nicht nur Jütland beherrschte, sondern auch die Herrschaft über das südliche Norwegen und Schonen hatte. Die Bezeichnung Dänemark ist auf die „Danen“ (Dänen) zurückzuführen - „die Stämme der wilden Danen“, wie sie im Zusammenhang mit dem Besuch des Missionars Willibrord erwähnt werden. Der Name Dänemark taucht zum ersten Mal in den Reiseschilderungen von Ottar und Wulfstan auf, niedergeschrieben in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts am englischen Hof. Ottar, der in Nordnorwegen lebte, reiste mit dem Schiff sowohl nach Norden um das Nordkap bis ins Weiße Meer als auch nach Süden zum Handelsplatz Skiringssal am Oslofjord und weiter bis Haithabu. In Ottars Bericht heißt es u.a.:

„Und er erzählte, dass er von Skiringssal in fünf Tagen bis zu der Handelsstadt segelte, die Haithabu heißt. Sie liegt zwischen den Wenden, Sachsen und Angeln, und gehört den Dänen. Als er von Skiringssal fortsegelte, hatte er drei Tage lang an der Backbordseite Dänemark, an der Steuerbordseite das offene Meer; und dann, zwei Tage, bevor er nach Haithabu kam, hatte er an Steuerbord Jütland und Sillende und viele Inseln. In diesen Gegenden lebten die Angeln, bevor sie hierher ins Land kamen (an dieser Stelle sei daran erinnert, dass die Reisebeschreibung in England erzählt wird). Und in diesen zwei Tagen lagen backbord die Inseln, die zu Dänemark gehören“.

Wulfstan berichtet von einer Schiffsreise von Haithabu zur Stadt Truso an der Weichselmündung im heutigen Polen. Wulfstan erzählte u.a., „dass er von Haithabu abreiste und nach sieben Tagen und Nächten in Truso war, und dass das Schiff den ganzen Weg unter Segel fuhr. An seiner Steuerbordseite war Wendland, und backbord hatte er Langeland, Lolland, Falster und Schonen, alle diese Länder gehören zu Dänemark“. Das von Wulfstan erwähnte Wendland war der Nachbar der Dänen südlich der Ostsee. Hier lebten mehrere westslawische Stämme, die im 7. und 8. Jahrhundert aus Osteuropa an die Ostsee vorgedrungen waren, und mit denen die Dänen abwechselnd kriegerische Auseinandersetzungen und friedliche Kontakte hatten.

Mitte des 10. Jahrhunderts herrschte Gorm der Alte als König in Dänemark. „König Gorm, der zum Nutzen Dänemarks gewirkt hat, ließ seiner Frau Thyra dieses Denkmalsetzen“, so steht es auf dem kleineren der beiden Runensteine vor der Kirche in Jelling. Es ist der erste Beleg auf dänischem Boden für den Namen des Landes. Nachfolger Gorms als König wurde sein Sohn Harald Blåtand (dt. Blauzahn). Von da ab wurde die Königswürde weitervererbt, und die dänische Monarchie hat seitdem ununterbrochen fortbestanden. Auch König Harald errichtete einen Runenstein in Jelling, dessen Text lautet: „König Harald gebot, dieses Denkmal für seinen Vater Gorm und seine Mutter Thyra zu setzen, jener Harald, der ganz Dänemark und Norwegen gewann und die Danen zu Christen machte“. Haralds Runenstein, den man auch als den „Taufschein Dänemarks“ bezeichnet hat, ist der offizielle Abschied vom Glauben an die alten Götter. Dieser Götterglaube ist in Ansätzen von den aus Süden kommenden Missionaren beschrieben worden, welche die Menschen, die keine Christen waren, vorzugsweise als Heiden und wilde Barbaren bezeichneten.

Der Übergang zum Christentum dürfte jedoch schwerlich abrupt erfolgt sein, da die Missionare mehr als 200 Jahre in Dänemark tätig waren, und auch der Glaubenswechsel scheint die Kampflust nicht gedämpft zu haben. Außer dem berühmten Runenstein baute Harald auch zwei kolossale Hügel (Königsgräber) und eine Kirche in Jelling. Es war wahrscheinlich auch Harald, der den Bau von vier großen Ringburgen an strategisch wichtigen Stellen in Dänemark veranlasste. Den Burgen gemeinsam sind kreisrunde Wälle um eine kasernenähnliche Siedlung. Um 987 wurde Harald die Königsmacht von seinem Sohn Svend Tveskæg (Gabelbart) entrissen. Svend suchte Macht und Reichtum in England zu gewinnen; 1013eroberte er das ganze Land, starb aber schon 1014. In Dänemark wurde sein Sohn Harald König, aber nach dessen Tod im Jahr 1018 herrschte Knud der Große über England und Dänemark. Knud der Große starb 1035; sein Sohn Hardeknud wurde in Dänemark und 1040 auch in England sein Nachfolger. Hardeknud starb 1042.

 

Die Wikingerzüge

Dänemarks mächtiger Nachbar im Süden war das Frankenreich. Um 800 hatte Karl der Große die Sachsen bezwungen, und das Reich der Franken grenzte nun an der Eiderdirekt an das Land der Dänen. In den 30er Jahren des 9. Jahrhunderts löste sich die viele Jahre lang stabile Herrschaft im Frankenreich aufgrund innerer Zwistigkeiten auf, was843 zu einer Dreiteilung des Reiches führte und gleichzeitig eine Schwächung der Verteidigung zur See entlang der westeuropäischen Küste bedeutete. Bereits zu Beginn des Jahrhunderts waren die Überfälle der Wikinger von der See herein so großes Problem geworden, dass Karl der Große zwischen Rhein und Seine-Mündung eine Küstenverteidigung gegen Seeräuber organisieren musste, die „in der Nordsee heerten“.

Die Entwicklung im Frankenreich war indes für die Nordleute von Vorteil, und ab 830 nahmen die Angriffe an Umfang zu. In den 30er Jahren des 9. Jahrhunderts wurde die Stadt Dorestad mehrere Male geplündert, und auch andere Orte in Friesland wurden angegriffen. 841 segelte eine Wikingerflotte erstmals die Seine flussaufwärts und plünderte u.a. Rouen. Im Jahr 845 schickte der dänische König Horik eine Flotte die Elbe hinauf, die Hamburg (Siehe Artikel Die Hammaburg - der Ursprung Hamburgs) plünderte. Es gehörte allerdings zu den Ausnahmen, dass der König an den Raubzügen beteiligt war. Als Führer bei den Wikingerzügen werden oft Häuptlinge und vertriebene Verwandte der Königsfamilie erwähnt, der König selbst aber scheint normalerweise nicht in Verbindung zu den Plünderungen gestanden zu haben. So versichern auch mehrere dänische Könige den fränkischen Herrschern, dass sie an den Unruhen schuldlos seien. Im Jahr 845 - am 28. März - wurde Paris geplündert, und die Stadt musste sich für die unerhörte Summe von 7.000 Pfund Silber freikaufen. Die Kunde von derart leicht zu verdienendem Geld muss sich schnell verbreitet haben, denn bald tauchten Wikingerflotten auf allen Flüssen des westlichen Frankenreiches auf. Städte, Kirchen und Klöster wurden angegriffen, und in den 60er Jahren des 9. Jahrhunderts beschrieb der Mönch Ermentarius von Noirmoutier die Verheerung durch die Wikinger:

„Die Zahl der Schiffe wächst. Der endlose Strom von Wikingern steigt unaufhörlich an. Überall werden die Christen Opfer von Massakern, Brandschatzungen und Plünderungen. Die Wikinger erobern alles, was auf ihrem Weg liegt. Keiner kann ihnen widerstehen. Sie nehmen Bordeaux, Périgeux, Limoges, Angoulême und Toulouse ein. Angers, Tours und Orléans sind ausgelöscht. Eine Flotte zahlloser Schiffe segelt die Seine herauf, und das Böse wächst im ganzen Land. Rouen ist verwüstet, geplündert und verbrannt. Paris, Beauvais und Meaux sind eingenommen, Meluns starke Festung ist dem Erdboden gleichgemacht, Chartres besetzt, Evreux und Bayeux sind geplündert, und alle Städte werden belagert.“

Ab Mitte des 9. Jahrhunderts siedelte sich ein Teil der Wikinger in allen Gegenden des Frankenreiches an. Sie wurden als Söldnertruppen bei den innerfränkischen Streitigkeiten eingesetzt und mit Geld und Grundbesitz auch zum Schutz der Küsten gegen Angriffe anderer Wikinger angeworben. Bis zum Ende des 9. Jahrhunderts gibt es Kunde von Kämpfen an einem oder mehreren Orten im Gebiet südlich der Eider und bis hinunter ans Mittelmeer. Mit den Jahren jedoch wurde die Verteidigung gegen die Wikinger besser organisiert, und gegen Ende des 9. Jahrhunderts war es mit den guten Zeiten für Raubzüge entlang der westeuropäischen Küsten vorbei. Im Jahr 885 erreichte ein dänisches Heer wiederum Paris, das inzwischen gut befestigt worden war. Die Dänen besetzten beide Seine-Ufer und belagerten acht Monatelang die Ile de la Cité, ohne dass es ihnen gelang, die Stadt einzunehmen - was als großer Sieg für die Franken betrachtet wurde. Im Jahr 911 übertrug der westfränkische König Karl der Einfältige dem Wikingerhäuptling Rollo einige Ländereien im Seine-Gebiet, von Rouen bis ans Meer. Als Gegenleistung verteidigte Rollo die Küsten gegen andere Normannen. Damit war der Grundstein für das Herzogtum Normandie gelegt. Herzog Wilhelm der Eroberer, der 1066 in der Schlacht von Hastings die Engländer besiegte, stammte in direkter Linie von Rollo ab.

Auch bis in den Mittelmeerraum drangen die Wikinger vor. 844 waren sie in Spanien und eroberten Sevilla, aber die Araber waren militärisch gut organisiert und meistens in der Lage, die Angriffe abzuschlagen. Die arabischen Quellen berichten außerdem von Angriffen auf die nordafrikanische Küste, und auch Italien wurde nicht verschont. Über letzteres wird in den schriftlichen Quellen berichtet, dass die Wikinger 860 die norditalienische Hafenstadt Luna einnahmen, in dem Glauben, es wäre Rom. Zunächst hatte man die Stadt belagert, aber als dies nicht zum Erfolg führte, griff man zur List. Der Anführer der Wikinger, Hastings, stellte sich tot, und seine Männer überzeugten die Bewohner von Luna davon, dass der letzte Wunsch ihres Häuptlings ein christliches Begräbnis gewesen sei. Mit großem Gefolge wurde der Sarg in die Stadt getragen, und kaum hatte das Begräbnis begonnen, sprang Hastings auf, mit dem Schwert in der Hand, und spaltete dem Bischof das Haupt. Danach wurde die Stadt schnell erobert. Erst da wurde es Hastings klar, dass die Stadt, die er eingenommen hatte, nicht Rom war, und so musste auf der Heimfahrt die Stadt Pisa für die Enttäuschung der Wikinger büßen.

 

Bevorzugtes Ziel und ergiebigste Einnahmequelle der Wikinger war England. Das Land war in mehrere kleinere Königtümer aufgeteilt, die oft im Streit miteinander lagen - eine Situation, die die Dänen auszunutzen wussten. 835 wurde an der Themse-Mündung geplündert, und diese Plünderungen können als Auftakt für dänische Aktionen in dem Land in den nächsten zweihundert Jahren angesehen werden. Diese Aktionen bestanden aus Plünderungen und Gebietseroberungen mit nachfolgender Besiedlung. Sie fanden ihren Abschluss mit der Eroberung ganz Englands durch Svend Tveskæg und Knud den Großen im letzten Abschnitt der Wikingerzeit. Im Jahr 865 ließ sich ein großes Wikingerheer in East Anglia nieder und begann mehrjährige Eroberungskriege. Das entscheidende Ereignis fand 876 statt, als der Heerführer Halfdan an seine Männer Land in Northumbria verteilte. Das gleiche wiederholte sich ein Jahr später im Königreich Mercia, wo die Wikinger ebenfalls Land erhielten und als Siedler auf den Höfen blieben. Der Rest des Heeres bekam 879 Land in East Anglia. Damit war das „Danelag“ geschaffen, das Gebiet unter dänischer Herrschaft, in dem dänisches Gesetz galt. Die fünf Städte Lincoln, Stamford, Nottingham, Derby und Leicester bildeten zusammen mit dem Sitz des Königs in York die Stützpunkte dänischer Herrschaft. Im Süden, im Königreich Wessex, herrschte jedoch weiterhin der englische König Alfred, und 866 kam es zwischen ihm und dem Wikingerkönig Guthrum zu einem Friedensvertrag, der das friedliche Zusammenleben der beiden Bevölkerungsgruppenregeln sollte. Anscheinend fühlte man sich dänischerseits an diesen Friedensvertrag nicht sonderlich gebunden, denn bereits 892 versuchten die Dänen wiederum, Wessex zu unterwerfen.

Aus Frankreich kommend landete eine große Wikingerflotte in England, und mit deren Kriegern als Alliierten griffen die in England ansässigen Dänen Wessex an. Vier Jahre dauerte der Kampf, ohne dass es den Wikingern gelang, König Alfred zu besiegen, wonach das dänische Heer sich auflöste. König Alfred starb 899, aber seine Nachkommen eroberten Schritt für Schritt die dänischen Besitzungen zurück, und in den20er Jahren des 10. Jahrhunderts befanden sich Mercia und Northumbria wieder unter angelsächsischer Oberherrschaft. Die nordische Besiedlung Englands lässt sich heute noch deutlich an den vielen Ortsnamen ablesen, die überlebt haben. Die Wikinger hatten ihre zuhause gebräuchliche Namensgebung mit nach England gebracht, und man kennt viele Namen für Ortschaften mit denselben Ortsnamen - Endungen, wie sie im Norden verwendet wurden, wie z.B. -by, -toft und -torp. Allein von den Ortsnamen mit der Endung -by sind ungefähr 700 aus dem damaligen „Danelag“ bekannt.

Viele Jahre lang war es im 10. Jahrhundert entlang der Küsten Westeuropas und Englands verhältnismäßig ruhig, aber gegen Ende des Jahrhunderts brach der Wikingersturm wieder los. Von 980 an berichten die Quellen von häufigen Überfällen und von großen Lösegeldzahlungen in Silber an die heerenden Wikinger. 1013 unterwarf Svend Tveskæg ganz England. Er starb 1014, aber sein Sohn Knud der Große eroberte1016 die Macht zurück. König Knud starb 1035, und nach seiner Regierungszeit war es mit der politischen Stabilität in England vorbei. Letzter dänischer König auf dem englischen Thron war Hardeknud, der 1042 starb. Wie bereits erwähnt, lassen sich bei den Besatzungen der Schiffe, die an Westeuropas Küsten und in England landeten, Norweger, Schweden und Dänen nicht eindeutig von einander unterscheiden. Die Mannschaften waren oft gemischt, jedoch geht aus den Quellen klar hervor, dass die Dänen bei den Angriffen auf England dominierten, während die Norweger die wichtigste Rolle auf den nordenglischen Inseln, auf der Isle of Man, in Schottland und in Irland gespielt haben.

 

Das Schiff (s. Artikel Die Schiffe der Wikinger) ist mit gutem Grund zu einem Wahrzeichen der Wikingerzeit geworden. Seetüchtige Schiffe und gute Seemannschaft waren die Grundlage für die Einigung des Inselreiches Dänemark und eine Voraussetzung für die vielen Fahrten der Wikinger in die Welt hinaus. Die westeuropäischen Quellen der damaligen Zeit geben nur wenig Aufschluss über Schiffe und Seefahrt, dagegen kommt in der jüngeren Saga-Dichtung die gesellschaftliche Bedeutung des Schiffes mehr zu ihrem Recht. Ganz entscheidende Einblicke in den Schiffsbau der damaligen Zeit vermitteln indes die archäologischen Funde. Klassiker innerhalb der Wikingerschiffsforschung sind die beiden norwegischen Grabkammerschiffe, das Oseberg - Schiff und das Gokstad - Schiff, die 1904 und 1880 an der Westseite des Oslofjords ausgegraben wurden. Es handelt sich um königliche Prunkschiffe, deren Bau ungefähr auf das Jahr 800 bzw. 900 datiert wird.

Aus Dänemark ist ebenfalls ein Schiffsgrab bekannt, und zwar das Ladby - Schiff auf der Insel Fünen.

Die nordischen Schiffsbauer bemühten sich beim Bau ihrer Fahrzeuge um Leichtigkeit, Robustheit und Elastizität. Typisches Merkmal des Wikingerschiffs ist, dass Bug und Heck spitz zulaufen, mit gleichmäßig gewölbtem Übergang vom Kiel zum Steven. Spanten und Balken der inneren Versteifung sind in symmetrischen Abständen quer angebracht und über die ganze Länge des Schiffes gleichmäßig verteilt. Die Konstruktion der äußeren Bootsschale zeigt Klinkerbauweise, d.h. Planken, die sich entlang der Kanten überlappen. Gesteuert wurde das Schiff mit einem Seitenruder, das im Heck des Fahrzeugs in Fahrtrichtung rechts angebracht war. Antriebsmittel waren Segel und Riemen. Das Schiff hatte einen Mast und ein viereckiges Segel, ein Rahsegel. Die Schiffe der Wikingerzeit lassen sich - etwas vereinfacht - in zwei Kategorieneinteilen: Handelsschiffe und Kriegsschiffe.

Die Handelsschiffe waren, im Verhältnis zu ihrer Länge, hoch und breit gebaut. Sie hatten vorn und achtern ein Halbdeck, sowie mittschiffs einen offenen Raum für die Ladung. Die Handelsschiffe waren nur mit wenigen Riemen ausgerüstet, die für besondere Manöver gedacht waren, ansonsten aber waren sie ausschließlich für die Fahrt unter Segel konstruiert.

Die Kriegsschiffe waren in Relation zu ihrer Länge niedrig und schmal, und hatten über die ganze Länge des Schiffs ein Deck. Die Löcher für die Riemen in der Bordwand waren gleichmäßig über das ganze Schiff verteilt, jeweils zwei in den Spanten-Zwischenräumen. Die Kriegsschiffe waren kombinierte Segel- und Ruderfahrzeuge. Die Vielfalt des Schiffsbaus der Wikinger wird durch den Fund der fünf Wikingerschiffe von Skuldelev im Roskilde Fjord (Seeland) eindrucksvoll veranschaulicht. Die Schiffe, bei denen es sich um ausgediente Fahrzeuge handelte, waren mit Steinen gefüllt und Mitte des 11. Jahrhunderts hier versenkt worden, um eine der Fahrrinnen zu der wichtigen Handelsstadt Roskilde zu sperren. 1962 wurde um die Sperre eine Spundwand in den Meeresboden gerammt, das Wasser abgepumpt und die Schiffe ausgegraben. Die fünf Skuldelev - Schiffe repräsentieren fünf unterschiedliche Schiffstypen - zwei Handelsschiffe, zwei Kriegsschiffe und eine Fähre oder ein Fischerboot.

Bei dem größten Handelsschiff handelt es sich um ein kräftiges Frachtschiff von 16,5m Länge und 4,5 m Breite, wahrscheinlich vom Typ „Knarr“ - hochseetüchtige Frachtschiffe, die u.a. auf dem Nordatlantik bis nach Island, Grönland und Nordamerika segelten. Das Schiff wurde aus Fichten-, Eichen- und Lindenholz gebaut, vermutlich in Südnorwegen, da es zur Wikingerzeit in Dänemark sehr wenig Fichtenbestände gab. Das Schiff, das 20-25 Tonnen Ladung befördern konnte, war mit einem Rahsegel von rund 86 qm Fläche als Antriebsmittel ausgestattet. Das kleinere Handelsschiff ist ein aus Eichenstämmen elegant geformtes, 14 m langes und 3,4 m breites Fahrzeug. Das Schiff war gut geeignet für die Fahrt in den dänischen Gewässern und auf der Ostsee, und hatte eine Besatzung von 4-5 Mann. Die Segelfläche betrug 45 qm, und das Schiff konnte eine Ladung von 5 Tonnen aufnehmen. Das kleinste Kriegsschiff aus dem Skuldelev - Fund ist aus Eichen-, Eschen- und Fichtenholz gebaut. Mit seinen 17,5 m Länge und 2,5 m Breite bot es Platz für 13 Riemenpaare und eine Besatzung von insgesamt 30 Kriegern. Entlang der äußeren Relingkante war ein Lederriemen angebracht, an dem die Schilde der Mannschaft befestigt waren. Bei dem zweiten Kriegsschiff von Skuldelev handelt es sich um ein sogenanntes Langschiff von rund 30 m Länge und 4,5 m Breite; es bot Platz für 30 Riemenpaare und eine 60-100 Mann starke Besatzung. Das Schiff ist aus Eiche gebaut, und Analysen des Holzes haben ergeben, dass es wahrscheinlich gegen Ende der Wikingerzeit in Irland, in der Nähe von Dublin gebaut wurde. Das Schiff hatte ein Rahsegel mit einer Segelfläche von etwa 150 qm. Das letzte Fahrzeug des Skuldelev - Fundes ist ein kleines, 12 m langes und 2,5 m breites Lastenboot. Es ist aus Fichtenholzplanken gebaut und könnte als Fischereifahrzeug oder Fähre gedient haben. Die Segeleigenschaften der Wikingerschiffe sind jahrelang viel diskutiert worden.

 

Quelle:
KÖNIGLICH DÄNISCHES MINISTERIUM DES ÄUSSEREN
Jan Skamby Madsen, „Die Dänischen Wikinger“
Der Verfasser des Artikels, studierte bis 1978 Frühgeschichte und Archäologie an der Universität Århus. 1980 wurde er Museumsinspektor der Wikingerschiffshalle in Roskilde und 1983 Leiter des Museums. Seine Tätigkeit für das Wikingerschiffsmuseum wurde durch die Öffentlichkeitsarbeit für das Museum in Form größerer Ausstellungsprojekte sowie seit 1982 durch archäologische Untersuchungen einer Schiffswerft aus dem 11.Jahrhundert auf der Insel Falster geprägt.

Bild:
Bildtitel: Landing of the Danish Vikings near Tynemouth 793 AD, William Bell Scott, 1861

 

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